Santiago de Chile

Die kleine Halle im Flughafen von La Paz bietet uns trotz weniger Fluggäste keine Sitzgelegenheit mehr. Also suchen wir uns ein weiches Stück Boden, lehnen uns gegen unsere großen Rucksäcke und machen für eine Weile die Augen zu. Es dauert noch eine Stunde bis zum Check-In.

Bis etwa Mitternacht haben wir die Zeit im Bus nach La Paz verbracht, danach folgen fast vier weitere zähe Stunden am Flughafen, bis unsere Maschine in Richtung Santiago de Chile aufbricht. Am Morgen erreichen wir nach einer anstrengenden Nacht ohne Schlaf die chilenische Hauptstadt und sind gespannt, was uns erwartet. Durch den Flug haben wir einen großen Teil des Landes überflogen und befinden uns bereits ein gutes Stück weiter im Süden und damit näher an unserem Ziel Patagonien. Wenn man wie wir direkt von Bolivien nach Santiago reist, kann es einem schon passieren, dass einem ein kleiner Kulturschock widerfährt. Wenn man es nicht wüsste, könnte man auch in einer europäischen Großstadt sein: Es gibt vegane Restaurants, Porsche fahren durch die Staßen und auf dem Sportplatz nahe unserer Unterkunft findet eine Zumba-Party statt. Ach ja, auf unsere Unterkunft waren wir bei der Anreise besonders gespannt.

Wir betreten das Apartment im 15. Stock des Hochhauses. Wir sind allein. Wie besprochen breiten wir uns im Gästezimmer aus und fallen erstmal todmüde in das kleine Bett und schlafen für ein paar Stunden. Wir sind so froh, dass uns Manuel, ein ehemaliger Klassenkamerad von Michi, in seine Wohnung eingeladen hat, die er mit seiner chilenischen Freundin Mirentxu bewohnt. Es ist nicht nur genial, dass man sich nach fast 10 Jahren am anderen Ende der Welt wieder trifft, sondern auch, dass wir sofort, nachdem die beiden über unseren Blog von der Reise erfahren haben, uns zu sich eingeladen haben. Chilenische Gastfreundschaft eben.

Da Mirentxu vor einigen Tagen Geburtstag hatte, werden wir auf die Familienfeier in ihr Elternhaus eingeladen. Wir werden so herzlich begrüßt und mit Essen versorgt, als gehören wir schon immer mit dazu. Mit Englisch, etwas Spanisch und sogar Deutsch quatschen wir beim Mittagessen, erzählen von unserer Tour und erhalten Tipps für die weitere Reise. Am Nachmittag geht es dann mit leichter Rotweinnase raus in den Garten zum – wie könnte es in Südamerika anders sein – Fußballspielen. Uns wird schnell klar, dass wir beide die Einzigen sind, die keine aktive Fußballkarriere vorzeigen können, doch durch unser verwirrendes Passspiel und Caros Glanzparaden im Tor, fahren wir nicht nur mit schmerzenden Knochen und fleckigen Klamotten sondern auch mit dem Sieg nach Hause zurück. Was für ein Tag! Chilenische Gastfreundschaft eben.

Die Zeit in Santiago vergeht viel zu schnell. Nach ein paar Tagen endet unsere Zeit zu viert in der kleinen Wohnung und wir genießen den letzten gemeinsamen Abend mit Paella und Rotwein. 

Mirentxu und Manuel: Vielen herzlichen Dank euch beiden! Dafür, dass wir bei euch wohnen durften, danke fürs Guiden durch die Stadt, für die Führung auf den Cerro und in die geniale Bierkneipe. Danke für die schönen Gespräche mit viel Rotwein am Esstisch und für die Einladung auf die Familienfeier. Danke für all die Kleinigkeiten, vom Wäschewaschen bis zum Lunchbag bei der Abreise. Wir können es gar nicht oft genug sagen! Es würde uns wirklich freuen, wenn wir uns bei Gelegenheit in Deutschland wieder sehen, denn wir haben die Zeit mit euch wirklich genossen. Chilenische Gastfreundschaft eben.

Valparaíso

Von Santiago aus machen wir einen Tagestrip in die Stadt Valparaíso an der Küste. Mirentxu und Manuel haben uns dringend geraten, diesen Ort zu besuchen und als wir dort sind, wissen wir auch warum. Der Ort ist quasi ein einziges Kunstwerk. Bei einer Tour durch die Gassen der Stadtviertel, die teilweise noch stark von den europäischen Siedlern geprägt sind, erstrecken sich riesige Gemälde entlang der Fassaden und erzählen Teile der Geschichte oder zeigen politische Statements. Hinter jeder Ecke befindet sich ein uriges Lokal mit leckerem Essen oder Süßspeisen und man könnte wahrscheinlich Tage hier verbringen und hätte noch immer nicht jeden Winkel in den kleinen Gassen erkunden. Unser Bus fährt allerdings am Abend wieder nach Santiago zurück und von dort aus weiter gen Süden. Allerdings auch wieder ans Meer…

Pichilemu

Laut Reiseführer ist Pichilemu die Hauptstadt von Chile. Nämlich die Hauptstadt der Surfer. Nachdem unser letzter Urlaub auf der Welle schon über ein Jahr her ist, leiden wir schon länger an akutem Surfentzug, der dringend einer Therapie bedarf.

Während wir das sonnige Santiago verlassen und in Richtung Küste fahren, erinnert die Landschaft und das Wetter um uns herum immer mehr an Europa. Dichter Nebel hängt über den von Nadelwäldern bedeckten Hügeln und die ersten Regentropfen prasseln gegen die Fensterscheiben unseres Reisebusses. Wir wissen, dass in Pichilemu gerade Off-Season herrscht, also spekulieren wir auf günstige Preise und ein leeres Line-Up. Als wir dann am kleinen Busbahnhof aussteigen und zu unserer Unterkunft laufen, sind wir allerdings ziemlich sprachlos. Wir sind fast die Einzigen hier! Der Ort ist so leergefegt, als hätte es vor wenigen Minuten eine Tsunami-Warnung gegeben. Nur wenige Menschen begegnen uns auf den Straßen, dafür aber, wie bisher überall auf unserer Reise, jede Menge Straßenhunde. Wir beziehen unsere „Cabañas“ und begeben uns auf einen Spaziergang durch die leeren Straßen. Prinzipiell ist es ganz schön hier aber vermutlich sind 90% der Häuser, welche in der Hauptsaison an Gäste vermietet werden, aktuell nicht bewohnt. Dazu kommt noch, dass am Tag unserer Anreise, dem 01. November, auch in Chile ein Feiertag ist. Zum Glück finden wir einen kleinen Supermarkt und auch ein einziges Restaurant, bei dem wir uns ein Abendessen gönnen.

Der nächste Tag in Pichilemu sieht schon etwas freundlicher aus. Die Sonne bringt Wärme an den Küstenort und auch ein paar Leute erwachen aus dem Feiertagsschlaf. Wir wandern für einige Stunden die Küste entlang auf der Suche nach Surfspots, doch wir entdecken kaum jemanden am Strand. Nur ein paar Hunde leisten uns auf unserem Weg Gesellschaft. Die Wellen geben nicht viel her und Surfequipment gibt es hier kaum. Wir müssen uns eingestehen, dass wir hier einfach einen falschen Zeitpunkt erwischt haben und planen bereits die Weiterreise. Bis dahin genießen wir aber noch die Ruhe in den Hängematten in unserem Garten und das gute Essen in den wenigen Bars, die mittlerweile geöffnet haben.

 

 

5 Replies to “Ab in den Süden”

  1. Hallo Michi und Caro,

    ich habe die letzten 3 Einträge in einem Rutsch nachgeholt und bin total begeistert von eurem tollen Schreibstil. Im Büroalltag ist es eine Wohltat von euren Abenteuern zu lesen und selbst ein wenig im Fernweh zu schwelgen. Ganz viel Spaß und tolle Erfahrungen weiterhin, Liebe Grüße aus dem nebligen Würzburg 🙂

    1. Hi Melli,
      vielen Dank! Es freut uns, wenn ihr ein bisschen „mit dabei“ sein könnt. Aber macht euch keine falschen Illusionen: Bei uns ist es auch neblig und kalt, mit dem Unterschied, dass die meisten Häuser hier nicht beheizt sind. Drum hocken wir auch oft mit Schuhen und Jacken im Zimmer. Und je weiter wir in den Süden kommen, desto mehr Regen, Wind und Kälte erwartet uns. Also wir leiden genauso wie ihr 😉
      Viele Grüße nach Würzburg!

  2. Gestern in den Nachrichten: zwei deutsche bei Busunglück in Peru gestorben… Eine nicht so schöne Erinnerungen wieder Mal euren Blog zu lesen.
    Ihr seid zum Glück ja schon ein Stück weiter.
    Tolle Berichte und viel Spaß in Chile

    1. Keine Sorge, uns gehts gut 😉
      Die Straßen sind hier im Süden von Chile sehr gut ausgebaut. Generell erinnert die Landschaft und Infrastruktur hier ziemlich an Deutschland. Naja, war ja auch zum Teil mal deutsche Kolonie…

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