Es ist nicht schwer in Cusco ein Taxi zu bekommen. Man wird eigentlich ständig angehupt und aus dem Auto heraus angesprochen, ob man denn ein Taxi braucht. Gefühlte 20 mal am Tag. Anfangs haben wir freundlich abgewunken, mittlerweile ignorieren wir das einfach. Wenn man dann tatsächlich mal ein Taxi braucht, reicht es, wenn man sich mit seinem Rucksack wartend für sieben Sekunden an den Straßenrand stellt.
Unser Fahrer ist einer von der angenehmen Sorte, bei dem man nicht wegen seiner Fahrweise die Finger ins Armaturenbrett krallen muss. Wir fahren aus dem Stadtkern heraus, in dem unser altes Hostel lag (siehe Planänderung), begeben uns in den nördlichen Randbezirk und steigen vor einer engen Gasse aus. Begleitet von einem Rudel Hunden schleppen wir unsere Rucksäcke die Gasse entlang und nehmen die letzten Stufen zu dem kleinen Haus am Hang.
Oben angekommen begrüßt uns bereits Natalia, die Hausherrin. Wir stehen in ihrem Wohnzimmer. Natalia hat in ihr großes Haus ein paar Stockbetten gestellt und einfach ein Hostel daraus gemacht. Außer ihr, ihrer Hündin Naiia und ihren beiden Welpen, bewohnen noch zwei Reisende aus Südkorea das Haus. Es ist herrlich ruhig hier. Wir können die Küche benutzen und endlich selbst kochen. Uns gefällt es hier so gut, dass wir auch darüber hinwegsehen, dass der Zeitraum unseres Aufenthaltes etwas schlecht gewählt war. Aktuell wird das Haus renoviert und es rennen ständig Maler durch die Wohnung, legen Zeitungen aus und verschieben Möbel. Hin und wieder haben wir kein Wasser, warmes Wasser haben wir generell nicht und die beiden Hundewelpen, die in ein paar Tagen den Besitzer wechseln, sind noch nicht so ganz stubenrein.
Trotzdem verbringen wir hier noch ein paar Tage, kurieren unsere echt hartnäckige Erkältung aus und genießen die Ruhe über den Dächern von Cusco.
Tek, einer der beiden koreanischen Gäste, bekocht uns mit einem typischen Gericht aus seiner Heimat und wir revanchieren uns am nächsten Tag mit Semmelknödel in Pilzrahmsoße. Die Abende verbringen wir gemeinsam im Wohnzimmer, trinken Bier und spielen Uno. Notiz an uns: Auf die nächste Reise Schafkopf-Karten mitnehmen!

Am Samstagmorgen wartet ein Guide vor Natalias Haus auf uns. Leider eine halbe Stunde früher als vereinbart. Caro ist gerade im Badezimmer und ich packe noch die notwendigen Sachen zusammen. Gefrühstückt haben wir noch nichts. Der Fehler liegt nicht bei uns, aber der Bus wartet und darum müssen wir uns beeilen. Es ist mal wieder stressig. Wir eilen aus dem Hostel und bekommen von Natalia noch ein Frühstückspaket mit auf den Weg, dann geht es auch schon los.
Wir sind froh, dass wir uns mit dem Veranstalter einigen konnten, bei dem wir ursprünglich den Salkantay-Trek nach Machu Picchu gebucht hatten, den wir krankheitsbedingt nicht antreten konnten. Für eine Stornierung war es zu spät und so konnten wir ohne weitere Kosten auf einen Bus-Service umbuchen, der uns in die Nähe von Macchu Picchu bringt. Hier hätte unser Trek geendet. Somit konnten wir noch ein paar Tage in Cusco bleiben und uns für Machu Picchu erholen. Dass es dort oben in der Inka-Stadt noch anstrengend genug wird, wussten wir zu Beginn unserer Busfahrt nicht.
Wir sitzen also wieder mal in einem Sprinter und begeben uns auf eine sechsstündige Fahrt in den Ort Hydroelectrica. In endlos vielen Serpentinen schleppt sich der Kleinbus die Berge hoch auf weit über 4000 m bis uns die Wolken komplett verschlucken und in ebenso vielen Kurven geht es wieder bergab. In den Sitzreihen hinter uns werden Plastiktüten ausgepackt…
Als wir Hydroelectrica erreichen, befinden wir uns erstmals im peruanischen Dschungel. Statt karger Steppe sind wir umgeben von riesigen, komplett begrünten Bergen und es ist enorm warm. Schlimmer als die Hitze waren allerdings die Mosquitos, die uns schon beim Verlassen des Busses attackierten.

Von Hydroelectrica aus kann man mit dem Zug nach Aguas Calientes fahren, dem Ort, von dem aus der Aufstieg nach Machu Picchu startet. Das Zugticket hierfür ist allerdings ziemlich teuer und so machen wir uns zu Fuß etwa drei Stunden entlang der Bahngleise auf den Weg durch den Dschungel.
Aguas Calientes ist kein Ort, der durch besondere Schönheit oder kulturelle Schätze überzeugen kann. Dieser Ort hat nur den Zweck, die vielen Touristen zu beherbergen, die Machu Picchu besuchen wollen. Es gibt nur Hostels und Restaurants, davon aber jede Menge und in allen Variationen, um auch jedem Gast gerecht zu werden. Wir nutzen die Vielfalt der angebotenen Speisen und gönnen uns endlich mal wieder eine Pizza, bevor wir für eine sehr kurze Nacht ins Bett fallen.
Um 3:45 Uhr klingelt uns der Wecker aus dem Schlaf. Wir packen unsere Sachen zusammen, checken aus dem Hostel aus und begeben uns mit Stirnlampen in den dunklen Urwald zum Aufstiegspunkt. Neben uns sind noch viele andere Leute unterwegs, die alle bis 6 Uhr am Eingang der Ruinenstadt sein wollen. Wir haben etwa 500 Höhenmeter vor uns, die wir auf einer sehr steilen Natursteintreppe erklimmen und stehen nach etwas mehr als einer Stunde vollkommen fertig vor den Toren eines Weltwunders.
Machu Picchu live zu sehen ist etwas komplett anderes als die Bilder aus dem Internet, obwohl sich uns zu Beginn exakt der gleiche Anblick bietet. Wir lassen die Aussicht erstmal auf uns wirken, bevor wir die Häuser und Straßen der Ruine erkunden, die mittlerweile nur noch die Heimat einiger Lamas ist. Hier lässt es sich für einige Stunden aushalten.

Aber halt, da war ja noch was! In unserem jugendlichen Leichtsinn haben wir beim Kauf unseres Tickets für Machu Picchu noch ein Ticket für den nebenstehenden Berg, den Machu Picchu Mountain, gekauft. Von dort oben soll der Ausblick auf die Stadt und die umliegende Landschaft noch um einiges spektakulärer sein. Das bedeutet allerdings weitere 500 Höhenmeter auf Natursteintreppen hoch auf 3061 m. Trotz müder Beine wollen wir das Ticket nicht verfallen lassen und beschließen, den Berg zumindest ein Stück weit aufzusteigen. Irgendwann packt uns dann allerdings doch der Ehrgeiz und so befinden wir uns etwa eineinhalb Stunden später am Gipfel und schauen auf das kleine Machu Picchu hinunter, sobald die unter uns liegende Wolkendecke den Blick darauf freigibt. Phänomenal! Auf der Uhr stehen für heute über 1000 Höhenmeter in nicht einmal drei Stunden. Wir sind komplett durch (man sieht es auf den Fotos).
Nach dem Abstieg von diesem Berg verbringen wir noch etwas Zeit in Machu Picchu selbst und nehmen für das letzte Stück bergab den Bus nach Aguas Calientes. Von dort geht es mit Zug und Bus zurück nach Cusco, was wir bereits über unsere Buchung des Salkantay-Treks bezahlt hatten. An „Peru Rail“ kann sich die Deutsche Bahn übrigens mal ein Beispiel nehmen. Wir fahren zwar mit einer alten Diesellok und historischen Wagons, welche aber innen piekfein ausgestattet sind. In bequemen Ledersitzen nehmen wir Platz und werden vom Service-Personal persönlich begrüßt. Man reicht uns kostenlos Tee und Knabbereien und als unser Bahnhof nur noch wenige Minuten entfernt war, kam der Boardservice nochmal an unseren Platz um uns darauf hinzuweisen. Kein Wunder, dass das Zugticket so teuer ist.

Da wir erst sehr spät am Abend wieder in Cusco ankommen, haben wir uns für eine weitere Nacht bei Natalia einquartiert.
Mittlerweile ist noch eine große kolumbianische Familie dazugekommen, sodass die Kapazitäten in ihrer Wohnung absolut ausgeschöpft sind. Uns bleibt hier noch ein weiterer Tag, bis wir am Abend Cusco, und damit auch Peru, verlassen. Wir genießen einen letzten äußerst spektakulären kulinarischen Abend, da wir alle gemeinsam Lomo Saltado, ein typisch peruanisches Gericht in der kleinen Küche zubereiten. Dazu gibt es die letzten Bierreste und kolumbianischen Rum. Wie jeden Abend, bestimmt „Schere, Stein, Papier“, wer den Abwasch machen muss, was bei zwölf Leuten äußerst spannend ist. Dieser letzte Abend in Peru ist mit Abstand der Schönste.

Zu Beginn unserer Reiseplanung hatten wir dieses facettenreiche Land überhaupt nicht auf dem Schirm. Mittlerweile sind wir absolut froh, hier unsere Reise gestartet zu haben. Neben wahnsinnig spektakulären Landschaften, witzigen Hostels und coolen Trips, waren es vor allem die Menschen, die uns in Peru begegnet sind, die wir so schnell nicht wieder vergessen werden. Einiges werden wir nicht vermissen, z.B. peruanisches Bier, frittiertes Hähnchen oder nervende Verkäufer auf den Straßen, dafür aber die lustige, gelassene Art der Leute und dieses gewisse Inka-Flair, welches fast überall zu spüren ist.
Wir sagen „hasta luego“ zu Peru, haben allerdings schon gute Gründe, uns auf die nächsten Stationen unserer Reise zu freuen.

2 Replies to “Auf den Spuren der Inkas”

  1. Hallo Caro und Michi, das sind ja phantastische Bilder und sehr außergewöhnliche Eindrücke, die ihr mit eurer tollen Berichterstattung beschreibt. Ich kann gut verstehen, dass euch so einiges unvergesslich bleibt! Viele liebe Grüße, Marga

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