Unser Reisetempo ist relativ hoch, da wir noch immer versuchen, unseren recht sportlichen Zeitplan für Südamerika einzuhalten. Dementsprechend viel ist auch in der letzten Woche passiert. Hier ein kurzer Überblick über unsere letzten Stationen.

Paracas
Unser erstes Ziel nach Lima ist das kleine Fischerdorf Paracas, an deren Promenade wir wieder einmal Ceviche essen. Das ist Fischsalat aus rohem Fisch, vielen roten Zwiebeln und Koriander. Einfach genial und gerade an den küstennahen Orten besonders lecker.
Unser Hostel hat einen Swimmingpool und eine Bar im Hinterhof mit direktem Strandzugang, den man aber wegen der vielen Algen gar nicht betreten möchte.
Ansonsten hat Paracas nicht sehr viel zu bieten, weshalb wir uns am nächsten Tag schon auf den Weg nach Huacachina machen. Vorher fahren wir aber noch mit dem Speedboot raus zu den Ballestas Islands, eine Inselgruppe, die auch als das „Galappagos für Arme“ beworben wird. Tatsächlich staunen wir nicht schlecht, als wir auf die kleinen Inseln zufahren, die von tausenden Vögeln bewohnt werden. Unter anderem tümmeln sich auch Humboldt-Pinguine und Seelöwen auf den Felsen.

Huacachina
Vom Meer geht es mit dem Bus weiter ins Landesinnere und die Umgebung wechselt schlagartig zu einer surrealen Marslandschaft. Plötzlich ist um uns herum nicht mehr als Steppe und am Horizont tauchen die gigantischen Anden auf. Noch skurriler wird die Szenerie, als wir Huacachina erreichen.
Wir befinden uns mitten in einer Wüste an einer kleinen Oase, um die ein Dorf herumgebaut wurde. Der Ort ist nicht größer als vier Fußballfelder und besitzt neben Hostels und Supermärkten eigentlich nicht viel. Eine typische Station für Backpacker also. Aber was macht man nur in diesem Wüstendorf? Die Antwort lautet: Sandboarden!
Was im Schnee funktioniert, geht bei diesem feinen Wüstensand auch. Glücklicherweise gibt es aber keinen Lift, der einen auf die Spitze der Dünen befördert, sondern man wird mit einem Sandbuggy hinaufgefahren. Diese Krawallmaschinen fahren überall in und um Huacachina herum. Wir sind uns aber ziemlich sicher, dass unser grünes Ungetüm das älteste und absolut gammligste Gefährt von allen war. Das Ding sah aus, als hätten es Mad Max und Mc Gyver bei einem Kasten Bier aus Stahlrohren und Riffelblech zusammengezimmert. Vorne sitzt ein nackter V8-Motor, der seine Inkontinenz gar nicht erst zu verbergen versucht. Es läuft aus allen Löchern.
Mit ohrenbetäubenden Lärm brüllt der Motor los, als wir die Sanddünen hinaufheizen. Oben angekommen geht es wieder mit Karacho bergab und die nächste Düne hinauf. Es ist ungefähr wie Achterbahnfahren. Nur ohne Achterbahn. Und in der Wüste. Und besser.
Ganz anders entpuppt sich da das Sandboarding, als auf der Dünenspitze die Boards ausgeladen werden. Die Bretter mit Klettverschlussbindung erinnern eher an etwas dicke Skateboards und dienen allenfalls dazu, darauf auf dem Bauch liegend die Düne herunterzusausen. Und das machen wir dann auch. Nicht ganz so spaßig wie wir uns das vorgestellt hatten, aber die Buggyfahrt war die ganze Aktion auf jeden Fall wert!

Arequipa
Der Bus, der uns von Huacachina nach Arequipa bringt, ist nochmal eine ganz andere Klasse. Wir nehmen in einem Doppeldecker mit horizontal umlegbaren Sitzen, Fußauflage und Bettdecken Platz. Unsere erste Nachtfahrt steht bevor.
Leider wird die Fahrt alles andere als ruhig, da auch der komfortabelste Bus nichts bringt, wenn die Straßen nur aus Buckelpisten bestehen. Dementsprechend müde werden wir dann in unserem Hostel in Arequipa ausgespuckt und verstauen unsere großen Rucksäcke in einem abschließbaren Raum. Unser Zimmer werden wir erst übermorgen beziehen, da wir eine Stunde nach unserer Ankunft in Arequipa direkt auf eine zweitägige Bustour in den Colca Canyon aufbrechen.
Ein kleines Brötchen können wir im Hostel noch frühstücken, bevor uns unser Guide Wilmer abholt. Wir fahren noch ein paar andere Unterkünfte ab, bis unser kleiner Sprinter fast komplett besetzt ist. Wilmer erklärt, dass wir auf fast 5000 m fahren und rät uns dringend, im Supermarkt auf dem Weg noch einen Beutel Coca-Blätter zu kaufen und viel zu trinken. Mit Coca und Wasser ausgestattet nehmen wir dann die Tour in das entfernte Dörfchen Chivay in Angriff, in dem wir die Nacht verbringen, bevor es am nächsten Tag zum Canyon geht.
Vielleicht war es die schlaflose Nacht, das wenige Essen, vielleicht auch die Höhe oder die Art, wie unserer Fahrer César unseren Sprinter durch die Kurven zirkelt – jedenfalls ging es mir (Michi) zusehends schlechter. Der halbe Beutel Coca-Blätter war schon leer gekaut und auch ein Tee aus allerhand sonderbarer Kräutern konnte keine Besserung herbeiführen. Mein Gesicht war so weiß wie die Alpacas, die an den Straßen herumstanden. Wir machten halt an unserem höchsten Punkt der Tour auf 4910 m und es fängt an zu schneien. Die Umgebung ist atemberaubend, aber die Höhe eben auch und so freue ich mich viel mehr, als wir endlich wieder etwas bergab fahren und endlich in Chivay ankommen. Nach einem Bad in den heißen Vulkanquellen fallen wir in das Bett, welches wegen einer fehlenden Raumheizung mit drei Bettdecken ausgestattet ist und schlafen so gut wie schon lange nicht.
Am nächsten morgen startet in der Frühe die Tour in den Colca-Canyon, der nochmal eine ganz andere Landschaft bietet. Wir sehen die Agrar-Terrassen von den Vorfahren der Inkas und in den Schluchten des Canyons zum ersten Mal die riesigen Andenkondore.
Am späten Nachmittag erreichen wir wieder Arequipa, welches wir bei einem kleinen Spaziergang erkundigen und den Abend im Innenhof unserer Unterkunft ausklingen lassen. Und genau dort sind auch diese Zeilen entstanden.
Viel Zeit in dieser wirklich sehr schönen Stadt bleibt uns leider nicht, da wir morgen bereits nach Cusco aufbrechen. Dort treten wir dann etwas auf die Bremse und bleiben ein paar Tage um uns zu erholen und neue Energie zu sammeln für das Highlight unserer Reise durch Peru: Machu Picchu.

PS:
Wir sind wirklich begeistert von eurem Feedback, dass uns auf viele verschiedene Wege erreicht. Es ist schön zu spüren, dass es so viele Mitleser gibt und wir hätten selbst nie gedacht, dass dieser Blog so große Kreise zieht. Danke fürs dabeisein! Da fühlt man sich der Heimat gleich viel näher 🙂

 

5 Replies to “Die Luft wird dünner”

  1. Hallo, Ihr zwei!! Sind gerade bei Oma und Opa und haben die beiden mit eurem blog vertraut gemacht, damit sie auch an euren Abenteuern teilnehmen können. Ganz liebe Grüße , sie sind mit den Gedanken oft bei euch beiden und hoffen, ihr bleibt weiterhin fit und habt viele tolle Erlebnisse!!
    PS.:Oma’s Sauerbraten mit Klößen war hervorragend!!

  2. Hallo ihr zwei, ich bin eine stille Mitleserin eures Blogs, aber wollte jetzt auch mal kurz hallo sagen und euch beiden alles Gute für die Reise wünschen. Genießt jede Sekunde. 🙂 Und postet weiterhin bei fb, wenn es was Neues gibt, ja? Nicht, dass ich noch was verpasse. 🙂 Alles Liebe aus dem sommerlichen München, Tonja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.