Das Internet ist voll von vielen interessanten Reiseblogs. Während unseren Vorbereitungen haben wir Stunden mit Lesen verbracht, haben uns wertvolle Tipps und Ratschläge geholt. Besonders inspirierend sind vor allem die Geschichten über die Leute hinter dem Blog. Viele von ihnen leben als digitale Nomaden und arbeiten selbstständig von überall auf der Welt. Jeder von ihnen aus einem anderen Grund und jeder auf seine Weise. Doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie lieben es, diese Welt zu entdecken. Drum reisen sie so lange sie wollen durch die Welt zu immer neuen Flecken auf dieser Erde. Völlig entkoppelt vom Alltag, ohne feste Arbeitszeiten, immer unterwegs und ohne zu wissen, an welchem Strand man nächste Woche aufwacht.

Ein Traum… vielleicht.

Wir dürfen diesen Traum auch leben. Zumindest für eine gewisse Zeit. Das Langzeitreisen ist nicht jedermanns Sache. Ob es uns liegt wussten wir selbst nicht, denn vorher waren wir nie länger als vier Wochen unterwegs. Doch wie bei so vielen Dingen im Leben, weiß man es eben nur, wenn man es ausprobiert. Heute sind wir schlauer.

In Ubud haben wir eine Woche verbracht. Auch deshalb, weil es Caro zwischenzeitlich nicht besonders gut ging. Wir hatten das Glück, dass wir einen wirklich schönen und gemütlichen Homestay erwischt hatten und sich Caro dort gut erholen konnte. Da wir mitten im Stadtzentrum wohnten, waren auch kürzere Ausflüge gut machbar. Danach ging es für uns weiter nach Seminyak in den Süden und damit etwas näher an die dicht bebaute Touristenhochburg Kuta. Die erste Unterkunft, die wir dort gebucht hatten, haben wir nach einer Nacht verlassen, da der Gestank im Zimmer nicht zu ertragen war. Danach haben wir uns für etwas mehr Geld eine schönere Unterkunft gesucht und haben mit dem Roller Seminyak erkundet. So viel ist sicher: Hätten wir unseren Trip durch Bali mit dem Roller in Seminyak gestartet, es wäre das letzte Mal gewesen, dass wir uns auf eigene Faust durch den Verkehr geschlagen hätten. Die Straßen sind absolut vollgestopft. Die wenigen Autos blockieren sämtliche Kreuzungen, während sich die Roller rechts und links auf den Gehwegen und auf der Gegenfahrbahn am stockenden Verkehr vorbeischlängeln. Zum Glück wurden wir in den letzten Tagen schon gut mit den Gepflogenheiten im balinesischen Straßenverkehr vertraut und haben uns den landesspezifischen Fahrstil angeeignet. Frei nach dem Motto: Augen zu und durch. 😉

Uns wird es in Seminyak schnell zu laut und zu voll, drum fahren wir weiter in den Süden auf die Bukit-Halbinsel. Dort geht es wieder um einiges ruhiger zu, die Preise sind günstiger als in Seminyak und wir übernachten in einem ziemlich neuen Homestay mitten auf der Halbinsel, von wo aus wir mit dem Roller in knapp zwanzig Minuten jeden Punkt erreichen können. Doch so viel schauen wir uns gar nicht an. Nach über zwei Wochen auf Bali hat man irgendwie genug Strände und Tempel gesehen. Immer seltener bleiben wir den ganzen Tag weg, ruhen uns lieber aus und gehen in unserem Pool schwimmen. Während wir noch zu Beginn unserer Reise mit scheinbar unendlicher Energie und Tatendrang herumgedüst sind, so häufen sich nun die Phasen, in denen man die Ruhe sucht. Es lässt sich nicht abstreiten, dass wir, trotz der tollen Zeit, die wir bisher hatten, so langsam ermüden.

Zudem müssen wir feststellen, dass man mit fortschreitender Reisedauer zunehmend Vergleiche aufstellt. Die Wanderungen in Australien waren eben nicht so spektakulär wie in Argentinien. Und die Strände in Bali sind eben nicht so leer wie in Australien. Aber ist es deshalb kein schöner Strand? Es kommt auf den Blickwinkel an. Man kann in die Ferne schauen und beobachten, wie die Sonne am Horizont verschwindet oder direkt vor sich, wie die Plastikflaschen an den Strand gespült werden. Man kann von unserem hauseigenen Pool im ersten Stock, an dem wir gerade sitzen, nach links auf die umliegenden Häuser blicken oder nach rechts auf den brennenden Müllberg.
Es gibt keinen perfekten Ort. Und kein perfektes Leben. Auch, wenn das oft auf Reiseblogs und in sozialen Netzwerken verkauft wird. Natürlich könnten wir jeden Tag unzählige Bilder ins Netz stellen von Stränden, die aus einem bestimmten Blickwinkel wunderschön aussehen. Oder von dem echt fantastischen Essen, dass uns hier auf Bali serviert wird. Dazu noch eine Vielzahl einfallsloser Hashtags, wie #sunset, #foodporn, #worldtravel und so weiter. Aber hey, glaubt ihr uns das? 😉

Als wir nach Bali eingereist sind, mussten wir für das Visum bereits ein Ticket für den Ausreiseflug vorweisen. Da wir damals noch nicht wussten, wohin es uns als nächstes zieht, haben wir einen Flug nach Singapur gebucht. Die malaysische Großstadt ist ein riesiges Drehkreuz für Flüge im asiatischen Raum und erschien uns als gutes Ausgangsbasis für unsere Weiterreise.
Welches Land wir als Letztes bereisen werden, stand eigentlich schon länger fest. Zumindest theoretisch. Lange Zeit waren wir zwar von der Idee angetan, aber ob wir es auch tatsächlich umsetzen würden, war noch lange nicht sicher. Nun haben wir uns dafür entschieden. Bevor wir das große Finale einleiten, hätten wir noch ein paar Wochen Zeit gehabt für etwas anderes, vielleicht Vietnam oder Kambodscha. Doch irgendwie ist die Luft raus. Mit unserer heutigen Einstellung wissen wir, dass wir die Schönheiten dieser Länder nicht mehr so wahrnehmen würden, als wenn wir sie direkt aus Deutschland bereisen. Und das wäre schade.

Wir haben geplant, recherchiert und gebucht. Bis auf unseren Rückflug nach Deutschland sind alle Weichen gestellt. Nach Singapur werden wir noch ein Land bereisen und dort mehrere Wochen verbringen. Weil wir die Zeit dort brauchen. Es wird wahrscheinlich der verrückteste Part auf dieser Reise und das Verrückteste, was wir beide je gemacht haben. Doch wir haben es schon so weit gebracht, wir werden auch das schaffen. 🙂

4 Replies to “Die Nachteile einer Weltreise”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.