Die Zeit verfliegt. Es ist schon wieder einen ganzen Monat her, dass wir durch die Straßen von Sydney geschlendert sind und seit zwei Monaten sind wir bereits mit unserem kleinen bunten Jucy-Camper auf Achse. Man hat wirklich das Gefühl, dass mit fortschreitender Reisedauer die Tage immer schneller verstreichen. Besonders fällt das auf, wenn man sich die „alten“ Bilder aus Südamerika von letztem Jahr anschaut. Aber man merkt es auch daran, wie lange es schon wieder her ist, dass wir uns zuletzt auf unserem Blog gemeldet haben. Seit wir Brisbane verlassen haben, ist natürlich viel passiert. Mal sehen, ob wir das noch alles zusammenbekommen…

Frisch erholt und mit neuem Auto verlassen wir Brisbane gen Norden und erreichen als nächsten größeren Stopp Noosa. Was wir in Brisbane bereits begonnen haben, setzen wir auch hier fort: Badekleidung an und ab ins Wasser! Diesmal geht es aber ins Meer bei 25°C Wassertemperatur, was bei der Hitze eine Wohltat ist. Man merkt, wie es immer heißer wird, je höher wir in den Norden kommen. Für Wanderungen in Nationalparks ist es jetzt viel zu warm, jede Bewegung strengt an und ist eine zu viel. Unsere Hauptbeschäftigung ist das Dümpeln in den Wellen und wir kosten es aus, denn bald werden wir weiter oben im Norden nicht mehr so oft ins Meer gehen können. Aktuell ist Quallensaison und im oberen Teil der Küste treibt so einiges an giftigem Getier im Ozean herum. Baden ist dann nur noch mit Neoprenanzug, sogenannten „Stingersuits“ oder an speziellen Badebuchten möglich, wo mit Netzen die Quallen von den Badegästen fern gehalten werden.

Von Noosa geht es weiter nach Rainbow Beach, ein Ort, der nach den bunten Sandsteinklippen an der Küste benannt ist. Der Strand dort ist einfach genial. Wir baden an einem bewachten Küstenabschnitt, an dem fast keine anderen Badegäste im Wasser sind. Der breite Sandstrand darf bei niedrigem Wasserstand mit dem Geländewagen befahren werden, sodass es viele Badegäste und Surfer in andere Bereiche der weiten Bucht zieht. Mit unserem Jucy können wir das leider nicht, da wir es einerseits nicht dürfen und andererseits wahrscheinlich nie mehr von diesem Strand weggekommen wären. Es ist schon spektakulär anzusehen, wie sich viele Australier mit ihren hochgerüsteten Geländewagen ihren Weg durch die Sandbänke suchen. Wir beobachten das Ganze und machen dabei das, was wir am besten können: Wir dümpeln im Meer herum.

Weiter entlang der Küste passieren wir den Ort Agnes Water. Bei unserer Ankuft checken wir sofort den Strand und stellen unser Auto auf  einem Parkplatz neben einen anderen Wagen, der uns ziemlich bekannt vorkommt. In der Badebucht bestätigt sich unser Verdacht, denn wir treffen dort Stefanie und Jakob wieder, denen wir bereits in Port Macquarie begegnet sind. Australien ist halt doch nicht so groß, wie man denkt, besonders wenn man entlang der Ostküste fährt ;-). Wir verbringen den Abend gemeinsam in gemütlicher Runde auf einem Campingplatz an der Küste, der sogar einen eigenen Strandzugang hat. Am nächsten Morgen reisen wir weiter, während Stefanie und Jakob noch bleiben und auf bessere Surfbedingungen hoffen. Surfen in Australien ohne eigenes Board — wir haben da unsere Hoffnungen bereits aufgegeben. Das Thema hat sich für uns erledigt, denn mit Agnes Water verlassen wir nun auch den letzten Ort an den Küste, bei dem noch keinen akute Quallengefahr besteht. 

Unsere Fahrten werden länger und die Aufenthalte kürzer, denn viel gibt es auf dem weiteren Weg nicht zu sehen. Wir passieren Maryborough, der Ort an dem Mary Poppins erfunden wurde, Bundaberg mit seinem bekannten Rum und Rockhampton, die Fleischhauptstadt Australiens. Dort machen wir eine Führung durch die wirklich beindruckenden Capricorn Caves, ein riesiges Höhlensystem etwas nördlich von der Stadt. Wir werden durch die künstlich illuminierten Höhlengänge geführt und erfahren einiges über deren Entstehung und Entdeckung. Im größten Teil der Höhle, auch „Kathedrale“ genannt, wurde sogar eine kleine Kirche eingerichtet. Wir nehmen auf den Bänken Platz und die Lichter werden ausgeschaltet. Um die perfekte Akkustik in diesem Teil der Höhle zu demonstrieren, wird „Hallelujah“ von Pentatonix aus einem Lautsprecher abgespielt. Die Vorstellung in dieser Höhle zu heiraten, ist auf jeden Fall sehr reizvoll, für uns aber leider zu spät.

Beim Weg nach draußen schickt uns unser Guide auf einen etwas engeren Weg, während er die Richtung wählt, aus der wir gekommen sind. Es geht eigentlich nur einen einzigen Weg entlang und draußen will er auf uns warten. Zusammen mit anderen Höhlenbesuchern stapfen wir also in einer Reihe durch Felsspalten und über Hängebrücken. Plötzlich stoppt der Zug und von vorne hören wir ein lautes „WOOOAAAAH SNAKE!“ Aus einem Loch im Felsen ist ein Python direkt auf unseren Weg geplumst und keiner traut sich an ihr vorbei. Hinter uns liegt nur das dunkle Höhlenlabyrinth und unser Guide ist verschwunden. Na toll! Die beiden Franzosen aus der hinteren Reihe eilen nach vorne, um einen Blick auf die Schlange zu erhaschen. Doch die schlüpft bereits in eine andere Felsspalte und verschindet. Vorsichtig setzen wir unseren Weg fort und treffen draußen unseren Guide wieder, der sich schon über unseren Verbleib gewundert hat. Allmählich haben wir echt genug Schlangen gesehen ;-).

Airlie Beach ist der nächste Ort, an dem wir wieder etwas länger verweilen. Wir buchen uns für wenig Geld auf einem sehr schönen Caravanpark ein, waschen mal wieder Wäsche, kaufen ein und rüsten uns für die nächsten Tage, denn wir haben große Pläne.

Am Montag geht es früh aus dem Bett und mit kleinen Augen schaufeln wir uns eilig ein Müsli in den Mund. Schnell wird das Bett zurückgebaut und alles zusammengepackt. Vom Caravanpark aus fahren wir durch das noch verschlafene Airlie Beach weiter an den Hafen, an dem die Matador vor Anker liegt. Die Matador war einst ein erfolgreiches Segelschiff für Wettkämpfe, doch heute transportiert sie Touristen an die nahegelegenen Whitsunday-Inselgruppe. Und genau da wollen wir auch hin.

Mit unserer dreiköpfigen Crew und etwa zwangig anderen Gästen gehen wir an Bord unseres Segelschiffes und stechen für zwei Tage in See. Nach einem kurzen Briefing von unserem Kapitän entspannen wir erstmal an Deck. Man kommt ins Gespräch mit den anderen Gästen, eine bunte Truppe aus allen Ecken der Welt. Wir steuern auf die Inselgruppe im Pazifik zu und erreichen schon bald das südliche Ende des Great Barrier Reef. Wir pellen uns in unsere Stingersuites und werden mit dem Schlauchboot am Riff abgesetzt. Mit Schnorchel und Taucherbrille fallen wir ins Wasser und erforschen das Riff — oder was davon übrig ist. Die Vielfalt an Fischen ist zwar enorm, doch die Korallen sind nahezu vollständig zerstört. Grund dafür ist ein Zyklon, der letzten Dezember über das Riff gefegt ist und weite Teile vernichtet hat. Zum Glück war es nicht unser letzter Schnorchelausflug. Noch dreimal besuchen wir verschiedene Teil des Riffs und schnorcheln über bunte Korallen, schwimmen mit Schildkröten und riesigen Rochen.

Wir setzen die Fahrt fort und steuern den berühmten Whitehaven Beach an. Was wir dort zu sehen bekommen, ist einfach umwerfend. Ein Strand, so weiß wie in der Raffaelo-Werbung. Dazu kristallklares Wasser und kaum Menschen. Da wir erst am späten Nachmittag den Whitehaven Beach erreichen, sind viele der Boote mit Tagesausflüglern bereits auf der Heimreise. Wir haben aber alle Zeit der Welt und verbringen knapp drei Stunden auf dem weißen feinen Sandstrand, der im Laufe der Zeit immer leerer wird. Mit unseren unromantischen Stingersuits schwimmen wir im Meer umringt von Rochen und kleinen Zitronenhaien und können gar nicht glauben, wo wir hier gerade sind und wie wenig hier los ist. Es ist wirklich ein Paradies.

Zurück an Bord der Matador gibt es Spaghetti zum Abendessen ehe wir in einer ruhigen Bucht für die Nacht vor Anker gehen. Wer möchte, kann die Nacht auf Deck verbringen und wir zögern keine Sekunde und schnappen uns eine der aufblasbaren Luftmatratzen. Wenn wir die Wahl zwischen unserer kleinen Koje in dem engen stickigen Schiffsbauch oder einer Nacht unter freiem Sternenhimmel bei einer sanften Meeresbrise haben, ist die Antwort einfach. Vor allem wenn man seit zwei Monaten in einem winzigen Camper schläft, der sich jeden Abend in eine finnische Sauna verwandelt. Es wird eine herrliche Nacht…

Am nächsten Morgen wachen wir gegen halb sechs auf und beobachten von unserer Matratze aus den Sonnenaufgang über dem Meer. Es ist mal wieder einer dieser Momente, wie man sie häufig, aber zu selten auf dieser Reise vorfindet. Dieser Moment, in dem man das Erlebte kaum begreift und kaum erklären kann. Wie der Moment, als wir in Huacachina mit dem Sandbuggy über die Dünen gefegt sind. Oder wie die Hände das erste Mal die Mauern von Machu Picchu berührt haben. Oder wie wir nach einem enorm anstrengenden Aufstieg auf der zugeschneiten Lagune auf den Gipfel des Cerro Torre geblickt haben. Oder wie noch am Tag zuvor am Whitehaven Beach die Haie um uns herumgeschwommen sind. Es sind diese Erlebnisse, die sich im Gedächtnis festbrennen und unsere Reise zu dem machen, was sie ist. Man bereitet sich lange auf so eine Reise vor, liest viel über die Länder, schaut sich Bilder oder Videos im Internet an. Aber man glaubt es einfach erst, wenn man es selbst erlebt hat…

2 Replies to “Du glaubst es nur, wenn du es erlebt hast…”

  1. Wenn ich diese Bilder sehe muss ich mich fragen: “Kommen Sie wirklich jemals zurück?” Sie müssen mir alles erzählen und ich bestehe auf eine Privat-Audienz mit meiner Familie bei Ihnen oder gern eauch bei uns! Weiterhin alles Gute!

    P.S.: Was gibt es Neues bei der Race? Unwichtig! Ihnen viel Spaß!

    1. Das Reisen ist zwar wunderschön und wir geniessen die noch verbleibende Zeit in Asien sehr, aber so langsam freuen wir uns auch wieder auf Zuhause. So schnell kriegen Sie mich also nicht los 😉

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