Nachdem wir Kangaroo Valley verlassen haben, geht es wieder zurück an die Küste und wir fahren weiter gen Norden. In dem kleinen Örtchen Jamberoo verbringen wir unseren letzten Stopp, bevor wir endlich Sydney erreichen. Zuvor werden wir aber noch vor eine ziemlich knifflige Aufgabe gestellt, da wir noch keine Übernachtungsmöglichkeit für die nächsten Tage in der Großstadt gefunden haben. Hostels sind uns viel zu teuer und außerdem brauchen wir für die Zeit einen Stellplatz für unseren Camper. Bei dem gut ausgestatteten und kostenlosen Nudisten-Campingplatz am Stadtrand sind wir beide geteilter Meinung und da er über eine Stunde Zugfahrt vom Zentrum entfernt liegt, ist er nicht wirklich eine Option. Zum Glück finden wir etwa eine halbe Stunde außerhalb einen bezahlbaren Campingplatz, auf dem wir uns erstmal für drei Nächte einbuchen. Es wird nicht nur bei drei Nächten bleiben.

Sydney flasht uns bereits am ersten Tag. Schon als wir mit dem Zug über die Harbour Bridge fahren und sich die Skyline im strahlenden Sonnenschein vor uns aufbaut, zeigt sich uns ein Panaroma wie aus einem Bilderbuch. Es ist mal wieder irre heiß, trotzdem lässt sich das Stadtzentrum angenehm zu Fuß im Schatten der Wolkenkratzer erkunden. Direkt neben dem Fährhafen Circular Quay, an dem ständig Boote Touristen und Berufspendler an andere Ecken der Stadt transportieren, thront das Opernhaus wie ein Segelschiff, bereit um in See zu stechen. Gegenüber liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff, die „Ovation of the Seas“. Es herrscht viel Trubel an der Uferpromenade, doch man fühlt sich nicht komplett verloren. Sydney gibt einem nicht das Gefühl, sich in einer Millionenmetropole zu befinden, obwohl die Stadt so viel bietet. Und wir nehmen alles mit, was uns die Zeit ermöglicht.

Am ersten Tag erkundigen wir die Stadt zu Fuß und unternehmen einen Spaziergang über die Harbour Bridge, bevor es mit dem Zug wieder zurück zu unserem Campingplatz geht. 

Freitags ist Food Market im Szenestadtteil „The Rocks“ und wir probieren uns durch kulinarische Köstlichkeiten mit Känguru- und Krokodilfleisch (leider geil). Mit vollen Bäuchen geht es dann in den botanischen Garten direkt neben dem Opernhaus, wo wir im Gras liegend das wirre Treiben der vielen Schiffe im Wasser beobachten. 

Für den Samstag tragen wir eine extra dicke Schicht Sonnencreme (LSF 50) auf, denn es geht an den Strand. Von Coogee Beach laufen wir den Coastal Walk nach Bondi Beach und staunen nicht schlecht über die Masse an Menschen, die sich hier am Wochenende in die kleine Badebucht schiebt. Zum Erholen vielleicht nicht so angenehm, aber auf jeden Fall interessant anzusehen. Für einen Sprung ins Wasser bleibt ohnehin keine Zeit, denn wir müssen mit der Fähre schleunigst zurück ins Stadtzentrum und von dort aus weiter in den Stadtteil Parramatta. Der Grund: Aktuell findet das Sydney Festival statt, welches die Stadt für über drei Wochen in einen Ausnahmezustand versetzt. Überall gibt es besonderde Veranstaltungen sowie eine skurriles Festival-Dorf im Hyde Park mit Karaoke-Karussell, Zehn-Minuten-Disco, Musik-Flipper und einigen anderen verrückten Installationen. Bevor wir uns aber dort austoben, fahren wir zuerst in den Park von Parramatta, um dem Sydney Orchester bei einer kostenlosen Konzertshow, der „Symphony under the stars“ zu lauschen. Unter dem klaren Sternenhimmel interpretiert das Orchester diverse Musik aus bekannten Filmen, während wir neben einigen tausend Leuten im Gras ein Picknick machen. Foodtrucks sorgen für leckere Verpflegung,  doch es ist auch gestattet, Essen und Getränke selbst mitzubringen. Wo gibts denn sowas noch? Als das große musikalische Finale mit Kanonenlärm und Feuerwerk zu Ende geht, glauben wir nicht, dass sich dieses Highlight in Sydney noch toppen lässt. Wir liegen falsch.

Es ist mittlerweile Sonntag und die letzte Nacht war etwas kurz. Wir hetzen uns am Morgen nicht, waschen etwas Wäsche und fahren erst am frühen Nachmittag ins Stadtzentrum. Wir haben uns schick gemacht, so schick, wie es unser begrenzter Kleiderschrank eben zulässt, denn heute geht es zum Fischmarkt. Da wir dort erst kurz vor der Schließung ankommen, erbeuten wir noch ein paar günstige Schnäppchen, wie frittierte Seekrabbe, leckeres Sushi und natürlich die obligatorische Portion Pommes, in Australien einfach „Chips“ genannt, zu fast jedem Essen. Zu guter Letzt noch ein paar frische Früchte und ein Eis – puh, das war vielleicht etwas zu viel…

Ok, war nur ein Spaß. 😉 Wir haben uns nicht wirklich für den Fischmarkt so rausgeputzt, aber für das, was wir danach vorhaben. Es geht nämlich ins Opernhaus. Klassiche Oper ist allerdings nicht so unser Ding, sondern eher eine Show, die sich „Limbo Unhinged“ nennt. Das Ganze ist Artistik auf höchstem Niveau, ähnlich dem Cirque du Soleil, allerdings mit Schwerpunkt auf Comedy und Erotik. Gleich an unserem ersten Tag in Sydney kaufen wir uns Karten für die Show am Sonntag, erste Reihe. Und würden wir nicht sitzen, würde es uns glatt umhauen! Eine derart spektakuläre und abwechslungsreiche Darbietung haben wir beide definitiv noch nicht gesehen. Die Show war einfach der Hammer und jeden einzelnen Cent wert. Wir sind beide so beeindruckt, dass wir im Anschluss nochmal in den Hyde-Park zu dem verrückten Festival-Dorf gehen und uns auf den „Schock“ ein Bier und einen Apfel-Cider gönnen (aus der Dose für 10 bzw. 12 AUS$…). 

Und weil es uns so gut hier gefällt, hängen wir noch einen weiteren Tag an und schlendern am Montag nochmal durch Sydney. Ohne Ziel, einfach so. Wir spazieren durch das Zentrum, das wegen der engen Straßen fast wie eine riesige Fußgängerzone wirkt. Wir beobachten die Menschen, von denen gefühlt 99% in unserem Alter zu sein scheinen und ihre Mittagspause in den Cafés am Straßenrand verbringen. Wir laufen nochmal über die Harbour Bridge und schauen dabei zu, wie ein weiteres Kreuzfahrtschiff aus dem Hafen ausläuft und im Sonnenuntergang seine Reise nach Neuseeland antritt. 

Ja, Sydney hat es uns ein wenig angetan. Was es ist, lässt sich schwer beschreiben und vor allem der Vergleich zu Melbourne ist schwer. Sydney wirkt älter (ist es auch), facettenreicher und irgendwie nicht ganz so perfekt und versprüht gerade deshalb einen besonderen Charme. Und doch wird es für uns Zeit, weiterzufahren und die Metropole hinter uns zu lassen. Für uns geht es nun wieder von der Küste ins Landesinnere in die Blue Mountains. Wir werden uns an sehr schöne und erlebnisreiche Tage hier erinnern und glauben, dass wir hier nicht das letzte Mal gewesen sind. 

One Reply to “Einmal Sydney zum Mitnehmen, bitte!”

  1. Hallo ihr beiden,
    toller Blog und schöne Bilder! Gerlinde und ich beneiden euch um das Abenteuer – vielleicht klappts ja irgendwann auch bei uns.

    Ganz liebe Grüße und vielen Dank für die Glückwünsche zum Geburtstag!
    Alex

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