Puerto Madryn

Wenn man sich in die bequemen Sitze des doppelstöckigen Reisebusses fallen lässt, nimmt man in einer Zeitmaschine Platz. Stunden werden zu Minuten. Man nimmt sich zu Beginn viel vor. Ein bisschen Spanisch lernen, etwas für den Blog schreiben und die Bilder von der Kamera aussortieren. Bei Fahrten von 18 Stunden und länger hat man für sowas genug Zeit. Doch dann schaut man ein bisschen aus dem Fenster, versucht dem spanischen Film im Bordkino zu folgen, hält ein kurzes Nickerchen und ehe man sich versieht, ist man auch schon wieder an einem neuen Ziel angekommen. So ähnlich geht es uns in letzter Zeit öfter, da wir sehr viele große Sprünge durch das riesige Argentinien machen. Unsere Rückreise von Ushuaia, dem südlichsten Zipfel des Landes, hoch in den Norden, hätte genauso entspannt werden können. Durch die vielen Stopps an Grenz- und Fährübergängen wird man allerdings immer wieder aus dem tranceähnlichen Zustand entrissen, der sich beim Blick aus dem Fenster auf die endlose Weite einstellt. Die Fahrt von Feuerland zurück aufs Festland ist holprig, der Bus schrottig und die Mannschaft die selbe lustige Truppe, die uns schon auf dem Weg nach unten begleitet hat. Bis wir die Hafenstadt Rio Gallegos erreichen, vergeht fast ein ganzer Tag. Zur Weiterfahrt nehmen wir dort in einem modernen Bus mit bequemen Schlafstühlen Platz und fahren durch die Nacht. Am frühen Morgen sitzen wir erneut etwas zerknautscht an einem Busbahnhof (den Namen von dem Kaff habe ich vergessen), schlürfen unseren Kaffee und warten auf den nächsten Anschlussbus, der uns dann am späten Nachmittag endlich in Puerto Madryn absetzt. Puh! Einmal vom südlichen Ende bis zur Atlantikküste in die Mitte Argentiniens nonstop zu fahren ist zwar möglich, mit einer Dauer von knapp 36 Stunden, zwei Grenzübergängen, einer Fähre und zwei Buswechseln aber irgendwie nicht ganz so bequem wie das Flugzeug. Dafür günstiger und lustiger.

Puerto Madryn ist – hey – richtig warm! Zum ersten Mal seit wir Bolivien verlassen haben, brauchen wir wieder Sonnencreme, denn am Himmel hängen nur ein paar wenigen Wolken. Es bläst zwar noch immer ein starker Wind, aber im Vergleich zu Ushuaia ist das nur ein leichtes Lüftchen. Unser Hostel befindet sich in nächster Nähe zur Strandpromenade und bei einem Spaziergang entlang der Küste können wir sogar vom Ufer aus Wale sehen. Genau deshalb sind wir hier. Aktuell ist „Walsaison“ in der Gegend rund um Puerto Madryn und die sogenannten Südkaper tummeln sich in den Buchten des Golfo Nuevo. 

Wir fahren für einen Tag mit dem Bus zum kleinen Städtchen Puerto Piramides, schnallen uns Schwimmwesten um und fahren von dort aus mit dem Boot raus aufs Meer. Entlang der Küste liegen Seelöwen faul in der Sonne oder schwimmen neugierig um unser Boot herum. Um Wale zu sehen, müssen wir noch ein ganzes Stück weiterfahren, doch am Ende haben wir tatsächlich Glück. Eine Walmutter mit ihrem Jungtier schwimmt entspannt an der Küste entlang und die beiden lassen sich gänzlich unbeeindruckt von unserem Boot aus nächster Nähe fotografieren. Nur wenige Meter von uns entfernt tauchen sie immer wieder auf und verschaffen uns durch die Fontäne aus ihrem Nasenloch eine unfreiwillige Dusche. Am Ende gibt es mit einem Sprung aus dem Wasser sogar noch eine kleine Showeinlage. Südkaper, oder auch „Ballena Franca Austral“ sind vielleicht nicht die schönsten und bestimmt auch nicht die größten Wale, aber die Tiere so aus nächster Nähe zu sehen, hat uns beide schon enorm beeindruckt. Obwohl wir Puerto Madryn ursprünglich gar nicht besuchen wollten (wir wollten von Ushuaia direkt nach Buenos Aires fliegen), so sind wir nun doch sehr froh, dass wir hier einen Zwischenstopp eingelegt haben. Die Wale zu sehen war definitiv ein Highlight auf unserer bisherigen Reise und ein schönes Event an Caros Geburtstag.

Unser Zimmer teilen wir uns mit Clara und Manuel, einem spanischen Paar, dass sich gerade auf einer einjährigen Weltreise befindet. Irgendwie sind wir auf einer Wellenlänge und haben alle Buenos Aires als nächstes Ziel, also buchen wir gleich gemeinsam ein Vierbettzimmer in einem Hostel in der argentinischen Hauptstadt für die kommenden Tage. Ist doch irgendwie schön zu wissen, mit wem man sich das nächste Zimmer teilt. 

Buenos Aires

Um nach Buenos Aires zu kommen benötigen wir eine weitere Nacht im Reisebus und die Zeit vergeht mal wieder irre schnell. Der Schock kommt erst, als wir aus dem riesigen, lauten und komplett überlaufenen Busbahnhof ins Freie treten. Es ist irre warm. Wir sind durch unsere klimatisierten Busse nicht ganz ideal für das Wetter gekleidet, während wir uns mit unseren großen Rucksäcken durch die Menschenmenge in die U-Bahnstation kämpfen. Die Linie C, die uns in den Stadtteil San Telmo bringt, ist bis zum Bersten voll. Sowas haben wir noch nicht erlebt. Mir kommen Bilder aus Japan in den Sinn, bei denen Bahnangestellte die Fahrgäste in die offenen Türen stopfen, während drinnen die Leute schon das Gesicht gegen die Fenster drücken. So ähnlich ergeht es uns auch auf unserer ersten Fahrt mit der Metro hier. Man braucht sich gar nicht festzuhalten denn man kann sowieso nicht umfallen. Das wir vier Backpacker auch noch große Rucksäcke dabei haben, trägt natürlich nicht gerade zum Wohlgefallen unserer Mitfahrer bei. 

Buenos Aires fühlt sich an wie Barcelona2. Häuser aus der Kolonialzeit zieren ebenso das Stadtbild wie moderne Architektur. Es ist turbulent, schrill, bunt und an einigen Ecken sogar erstaunlich ruhig und entspannend. San Telmo ist ein Stadtteil voller guter Bars, Restaurants und Cafés. Nach der anstrengenden Anreise gönnen wir uns einen Kaffee auf einem kleinen Platz, umsäumt von alten Gebäuden. Plötzlich ertönt Musik. Zwischen den Stühlen taucht ein schick gekleidetes Paar auf und legt einen Tango hin, dass fast der Boden zu brennen beginnt. Was für eine Begrüßung. 

Die weiteren Tage erkundigen wir mit Carla und Manuel die Stadt und gönnen uns zusammen endlich ein gutes argentinisches BBQ. Allerdings trennen sich unsere Wege bald, denn Caro und ich wollen noch einen Ausflug an die brasilianische Grenze machen. Wir haben noch etwas Zeit, bis wir am 10. Dezember in Buenos Aires in den Flieger steigen müssen, also bleiben noch ein paar Tage für ein letztes Naturspektakel in Südamerika: Die Iguazú-Wasserfälle.

6 Replies to “Endlich Sommer!”

  1. Wow. Die Wale sind der Wahnsinn! Solch große Tiere. Da hätte ich mich schon ein wenig gefürchtet auf dem kleinen Boot. Sehr beeindruckend! 🙂 Habt weiterhin viel Spaß, ihr zwei.

  2. Hallo Ihr zwei Weltenbummler
    Habe gerade eure Blogs nachgelesen und über die schönen Fotos gestaunt. Bin gedanklich mit euch mitgesurft. Einfach toll, was ihr alles erlebt. Und was lese ich? Ihr seid aktuell bei den Iguazú-Wasserfällen. Was für ein würdiger und krönender Abschluss für Südamerika! Passt auf, die herzigen Coatis sind böse ;)) Os deseo un buen viaje.

    1. Hallo ihr zwei,

      ja, die Iguazù-Fälle waren der Hammer. Wir hatten dafür am Ende zum Glück noch etwas Zeit. Jetzt verbringen wir unsere letzten Tage in Südamerika in Buenos Aires.
      Die Coatis waren ganz lieb – wir haben sie aber auch nicht gefüttert 😉

      Liebe Grüße!

  3. Hallo Ihr zwei,
    ich wünsch Euch einen schönen Nikolaustag! Bei uns ist es grau und trist, drum genießt jetzt besonders die Wärme und die Sonne:)
    Viel Spaß weiterhin!
    LG Bernadette

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