Der Wecker klingelt morgens um sieben Uhr. Jeden Tag. Wir stehen dann nicht immer sofort auf, aber zumindest sind wir schonmal wach, denn sonst würden wir zehn bis elf Stunden durchratzen. So allmählich verwandeln wir uns in Koalabären. Es hat etwas gedauert, aber so langsam werden wir warm mit Australien und fühlen uns auf dem Kontinent angekommen. Erst nach einiger Zeit findet man seinen Reisestil, das richtige Tempo und entwickelt eine für sich passende Routine. 

Noch während das Wasser für den Kaffee zu kochen beginnt, bauen wir unser Bett wieder zurück und verstauen unser Gepäck von den vorderen Sitzen wieder nach hinten ins Fahrzeug. Danach gibt es leckeres Porridge zum Frühstück unter den ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages. Ja, unzufrieden können wir nicht sein und doch war es ein langer Weg bis zu dieser Einsicht. 

Wenn man vorher in Südamerika von einem Highlight zum nächsten springt, so können drei ereignislose Tage in Australien schonmal die Stimmung trüben. Unser Reisetempo ist viel langsamer, die Küste ist riesig und natürlich nicht an allen Stellen super interessant. Und falls doch, dann wissen das hunderte andere Leute auch. Aber das stört uns mittlerweile nicht mehr. 

Seit wir die Great Ocean Road befahren haben, haben wir für keinen Stellplatz mehr Geld bezahlt (außer es wurde um eine Spende gebeten). Um Caravan-Parks machen wir grundsätzlich einen großen Bogen und fahren nur noch kostenlose Campingplätze an, die meist nur mit einer Toilette ausgestattet sind. Hier haben wir schon echt tolle Plätze entdeckt. Mitten im Wald umgeben von duftenden Eukalyptusbäumen, in abgelegenen Dörfern, in denen die Zeit stillzustehen scheint, oder fast alleine an einem großen See. Die Leute, die wir dort antreffen, reisen alle auf ähnliche Weise wie wir, mal mehr, mal weniger spartanisch. Meist nur mit kleinem Camper oder Auto und Zelt. Man kommt ins Gespräch, tauscht seine Erfahrungen aus und erhält selbst noch viele hilfreiche Tipps, zum Beispiel von dem symphatischen Weltenbummler-Duo Renata und Thomas (www.weltreisenocker.de), denen wir sogar gleich zweimal begegnen.

Und so reisen wir weiter entlang der Küste vorbei an Torquay, DER Surferstadt Australiens, nach Geelong. Weiter geht es Richtung Melbourne, dass wir jedoch links liegen lassen (waren wir ja schon ;)) und weiter nach Phillip Island, dem wir aber nur einen kurzen Besuch abstatten. Vor der Halbinsel des Wilsons Promotorry Nationalparks schlagen wir wieder unser Lager auf und checken die Lage. Es ist immer noch Hochsaison und wir sind vorsichtig geworden, was besonders reizvolle Gegenden betrifft. Manchmal kann eine etwas anspruchsvollere Wanderung in einem weniger bekannten Nationalpark schöner sein, weil man nicht wie die Lemminge mit hundert anderen Touristen über die Pfade stapft. Wir entscheiden uns für den nächsten Tag erstmal nicht für den Wilsons Prom, sondern fahren etwas nördlicher in den Tarra Bulga Nationalpark, auch weil es dort etwas kühler werden soll als die prognostizierten 40°C weiter südlich.
Der darauffolgende Tag ist ein Sonntag und wir riskieren die Fahrt auf die Halbinsel und haben Glück. Es ist etwas kühler und auch nicht mehr so voll, wie wir es befürchtet hatten. Auf größere Wanderungen haben wir aber auch keine Lust mehr, sondern entspannen uns am weißen Sandstrand mit Blick auf das türkisfarbene Meer. Die Beine sind bei mir (Michi) ohnehin schon müde, da ich am Morgen noch bei einem kleinen Laufevent in Waratah Bay teilgenommen habe:

Der dort veranstaltete „Fun Run“ verläuft von dem Örtchen Waratah acht Kilometer entlang des breiten Sandstrandes bis nach Sandy Point, dem nächsten Ort an der Küste. Das Ganze wird auf herrlich einfache Art ausgerichtet. Die Startnummer wird mit Edding auf den Arm gemalt und die Zeitmessung erfolgt ganz klassisch mit Stoppuhr. Eine richtige Startlinie gibt es auch nicht, sondern nur ein Fähnchen am Strand, an dem sich die ganze Läufertraube versammelt. Irgendjemand zählt bis drei und dann geht es auch schon los. Die Strecke ist einerseits wahnsinnig schön, da man auf dem ewig breiten, fast flachen Sandstrand nur links von sich die Dünen und rechts den rauschenden Ozean hat. Andererseits wird das stetige Geradeauslaufen auch nach einiger Zeit etwas eintönig und zur echten Herausforderung, da man das Ziel schon in drei Kilometern Entfernung sehen kann. Das waren mit Abstand die längsten drei Zielkilometer, die ich jemals gelaufen bin, denn die Fähnchem im Sand am Horizont wollten einfach nicht näher kommen! Ein Läufer fordert mich auf den letzten Metern nochmal zum Sprintduell heraus und gleichzeitig fliegen wir unter viel Applaus von den Zuschauern über die Ziellinie. Schön wars! Caro wartet bereits im Ziel und gemeinsam bedienen wir uns am angerichteten Barbecue, bevor wir uns im Wilsons Promotory Nationalpark entspannen.

Je mehr wir uns der Ostküste nähern, desto entspannter wird unsere Fahrt. Die Gegend gefällt uns immer besser und sowohl auf den Highways, als auch in den Städten, die auf unserem Weg liegen, ist viel weniger Trubel. In Lakes Entrance genießen wir kostenlose heiße Duschen an der Uferpromenade, in Bermagui essen wir die besten Fish & Chips der ganzen Ostküste (laut „Lonley Planet“) und fahren mittags mal kurz in eine leere Badebucht, um Brotzeit zu machen.

Ja, wir haben sie, die kleinen Highlights. Und das sogar jeden Tag. Und auch manchmal nachts, wenn wir den gigantischen Sternenhimmel über uns beobachten. Nicht immer sind wir dafür lange genug auf, denn so ein Tag mit langer Autofahrt und Wanderungen kann ziemlich schlauchen. Drum geht es heute auch früh ins Bett. Der Wecker klingelt morgen um sieben Uhr.

One Reply to “Genügsam und zufrieden”

  1. Hallo Ihr 2,
    hier mal wieder ein Gruß aus der Heimat. Da zeigt ihr die schönsten Sommerbilder vom Strand und hier, in Neuhausen, haben wir ordentlich Schnee! Hat beides seine Reize … aber Sonne und Strand ziehe ich vor! Die Bilder von euch wecken immer mehr die Reiselust und der schnarchende Koala ist ein klasse Foto!
    Michael, dir noch nachträglich alles gute zum Geburtstag!
    Dann euch 2 noch viel Glück und gute Reise auf dem weiteren Weg.
    Grüße
    Jörk

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