Der Blick geht hinaus aufs Meer. Was sehen wir? Die Welle läuft nach rechts in kurzen Sets mit längeren Pausen. Links von uns ragen riesige Felsen aus dem Meer doch die Strömung zieht die anderen Surfer im Wasser eher nach rechts von den Steinen weg. Gleich neben den Surfbrettern im Wasser tauchen die Finnen mehrere Delphine auf, deren Silhouette in der sich aufbauenden Welle zum Vorschein kommt, bevor diese mit lautem Getöse zusammenbricht. Der Wind bläst schwach in Richtung Küste und es ist low tide, doch die Wellen, die gerade hereinlaufen sind für uns ideal. Daher haben wir jetzt genug beobachtet, genug Theorie! Es wird Zeit sich aufs Surfboard zu legen und rauszupaddeln. Noch schnell die nächste Welle abgewartet, dann mit Brett ins Wasser, drauflegen und los gehts! Ein paar Meter weiter vorne bricht die nächste Welle zusammen und das sprudelnde Weißwasser kommt auf einen zu. Kopf nach unten und immer weiter paddeln! Das Wasser umspült den Körper und erfrischt. Nach ein paar weiteren Kraulzügen ist es geschafft und man ist draußen hinter der Bruchlinie der Wellen. Die Aussicht ist von hier nochmal komplett anders als vom Strand. Rechts an der Küste sieht man den kleinen Leuchtturm auf den Klippen stehen und links den ewig langen Sandstrand, dessen Ende gar nicht zu erkennen ist. Über einem der strahlend blaue und wolkenfreie Himmel und die Sonne, die gnadenlos auf das Wasser brennt. Unter einem nur das Meer, dass so klar ist, dass man sogar weit ab vom Strand noch bis auf den Grund sehen kann.

Und genau in diesem Moment, bei dem man auf seinem Bord sitzend die Gegend beobachtet und auf diese eine Welle wartet, ist man mit sich und der Welt komplett im Reinen. Dafür reicht einfach mal ein schöner Tag am Strand in diesem wunderschönen Örtchen namens… mmmh – wo war das eigentlich? Am besten fangen wir nochmal ein paar Tage weiter vorne an…

Blue Mountains

Nachdem wir Sydney verlassen haben, geht es für uns erstmal Richtung Westen ins Landesinnere. Die Blue Mountains sind nur einen Katzensprung von der Großstadt entfernt und so schlagen wir unser Lager nicht weit entfernt an einem kleinen Campingplatz am Highway auf. Früh am Morgen packen wir vor allen anderen zusammen und fahren zum Echo Point, dem Punkt, der vor allem wegen seinem Blick auf die „Three Sisters“, drei aneinanderliegende Felsspitzen, berühmt ist. Um dem Tourismusstrom zu umgehen, sind wir bereits bei Tagesanbruch dort und genießen fast alleine den Ausblick auf das weite bewaldete Tal und die Bergspitzen der Blue Mountains, die aufgrund von Ausdünstungen der vielen Eukalyptusbäume am Horizont blau erscheinen und daher ihren Namen haben. 

Von dort unternehmen wir eine Wanderung ins Tal, also erstmal ca. 900 Stufen die „Giant Stairway“ hinab in den riesigen Urwald. Unten angekommen gabelt sich der Wanderweg und wir entscheiden uns für den linken Pfad, müssen jedoch bald vor einem großen Waran halt machen. Das störrische Tier lässt sich auch durch Getrampel und Stöcke nicht verscheuchen, sondern kriecht nur hinter einen Fels, um uns dort aufzulauern. Dann also doch lieber zurück und nach rechts. Fast niemand begegnet uns auf dieser Tour mit tollen Blick auf die steilen Feldswände am Echo Point. Der finale Aufstieg am anderen Ende des Rundkurses kostet nochmal etwas Kraft und auch die Hitze setzt uns mittlerweile ziemlich zu, doch irgendwann erreichen wir wieder die Aussichtsplattform, die mittlerweile von überwiegend asiatischen Touristen eingenommen wird. Am Straßenrand reiht sich ein Bus nach dem anderen und ständig kommen neue an, um weitere Leute auszuladen. Wir schauen zu, dass wir hier schleunigst wegkommen. 

Wollombi

Ein bisschen treiben wir uns noch in den anliegenden kleinen Ortschaften herum, bevor es weiter Richtung Norden geht. Einen kurzen Stopp legen wir für eine Nacht am Lake Wallace ein und erreichen am nächsten Tag nach einer längeren Fahrt das kleine Örtchen Wollombi. Dieser „Ort“ besteht eigentlich nur aus zwei Straßen und knapp zehn Häusern. Die wenigsten davon sind bewohnt. Es gibt unter anderem eine alte Tanzhalle, zwei Cafés, einen seltsamen Laden der alte Farmutensilien verkauft und eine Taverne an der Straßenkreuzung. Zu der Kneipe gehört noch eine Rasenfläche, auf der man seinen Camper abstellen darf. Es herrscht eine herrliche ländliche Atmosphäre hier. Die Leute leben von den Durchreisenden und als Gegenleistung für die kostenlose Übernachtung essen wir auf der Veranda der Taverne ein T-Bone-Steak und trinken frisch gezapftes Bier bzw. Cider. Auf dem Steinboden des Gartenpavillons sonnt sich eine rotbäuchige Schwarzotter. 

Am nächsten Tag findet in Wollombi sogar ein kleiner Farmermarkt statt und es ist einiges los in dem kleinen Dorf. Es ist der 26. Januar – Australia Day. Wir fahren weiter in das Hunters Valley, dass vor allem wegen seiner vielen Weingüter berühmt ist. Zu fast jedem Weingut gibt es darüber hinaus Verkaufsräume, in denen Käse, Honig, Wurst und andere lokale Spezialitäten verkauft werden. Nicht ganz unsere Preisklasse, aber ein paar Oliven nehmen wir trotzdem mit. Ist ja immerhin Australia Day ;).

Port Macquarie

Zurück an der Küste treffen wir auf einem Campingplatz vor Port Macquarie auf Jakob und Stefanie. Die beiden Österreicher reisen gerade für ein Jahr um die Welt und haben sich vor zwei Tagen ein gebrauchtes Surfboard in einem lokalen Shop gekauft. Wir verabreden uns für den nächsten Tag am Strand dürfen uns sogar ihr Brett mal ausborgen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen ;). Wir schnappen uns also das Board zu unserer allerersten Surfsession ins Australien. Der Blick geht hinaus aufs Meer. Was sehen wir? Die Welle läuft nach rechts in kurzen Sets mit längeren Pausen. Links von uns… ach, das hatten wir ja schon…

Von der Sonne etwas aufgebrannt, besuchen wir noch das Koala-Hospital, welches direkt in Port Macquarie liegt. Sehr schön zu sehen, wie die Tiere hier wieder aufgepäppelt und für ihre Auswilderung vorbereitet werden. Hier wird kein Tier für Fotos von Besucher zu Besucher gereicht. Stattdessen gibts eine kostenlose Führung mit vielen Infos über die Tiere, ihre Schicksale und das Pflegeprogramm. Ist einen Besuch wert!

Warrumbungle Nationalpark

Port Macquarie gefällt uns sehr gut, doch wir sind uns unschlüssig über die weitere Reiseroute. Gold Coast ist der nächste Küstenort auf unserer Liste doch wir entscheiden uns nicht dafür, diesen auf direktem Weg entlang der Küste anzusteuern. Wir wollen noch einmal etwas tiefer ins Outback vordringen und fahren von der Küste gen Westen fast den ganzen Tag ins Landesinnere. Der Warrumbungle Nationalpark ist unser Ziel, doch dafür gurken wir auf endlos kurvigen Straßen bergauf und bergab durch die Pampa. Manchmal kommt für mehrere Stunden kein Ort mehr. Und trotzdem tauchen am Straßenrand hin und wieder Briefkästen auf, die zu Farmhäusern gehören. Echt verrückt, dass hier draußen noch Menschen wohnen. Irgendwann werden wir auch von entgegenkommenden Autofahrer gegrüsst, denn es wird zusehends einsamer auf der Straße. 

Im Nationalpark angekommen, schlagen wir auf einem der drei großen Campingplätze unser Lager auf. Außer uns ist nur ein anderer Camper hier. Hier draußen verschlägt es zur Zeit wohl nur wenige Wanderer hin, was vielleicht auch an den Temperaturen jenseits der 30 °C liegen kann. Jedenfalls begegnen wir auf unserer sechsstündigen Wanderung keinem Menschen, lediglich wild lebenden Ziegen, Kängurus, Schlangen und jeder Menge Eidechsen. Von allen Treks, die wir bisher in Australien unternommen haben, ist das aber bisher der Schönste gewesen. Man neigt ja in Australien dazu, jeden Naturpfad bis zur Unkenntlichkeit auszubauen, damit man ihn auch in Flip Flops noch gut laufen kann, doch diesmal werden wir mit richtig schön anspruchsvollen Trails und einigen kleinen Kletterpassagen positiv überrascht. Die Sonne trägt ihren Teil dazu bei, dass wir am Abend ziemlich platt in unsere Campingstühle fallen und keinen Finger mehr rühren, während wir das Naturspektakel um uns herum beobachten. Es ist ein bisschen wie im Zoo: Auf der riesigen Wiesen springen Kängurus umher, während sich im Baum daneben ein Schwarm Kakadus niederlässt. Etwas weiter entfernt zieht ein Waran umher und plötzlich herrscht Aufruhr bei den Kängurus, als ein Fuchs aus dem Gebüsch auftaucht. Bei dem Abendprogramm vermisst man keinen Fernseher… 

Da wir schonmal so weit gefahren sind, nehmen wir im nahegelegenen Örtchen mit dem schwierigen Namen Connabarabran noch die „Sandstone Caves“, ein heiliger Ort der Aborigines mit. Zudem fahren wir nach Sonnenuntergang in eines der vielen umliegenden Observatorien und machen eine Sternebeobachtungstour. Von zwei Hobbyastrologen bekommen wir einige kosmische Zusammenhänge erklärt und dürfen an diversen Teleskopen den Himmel entdecken. Da es hier im Outback so wenig künstliches Licht gibt, sind die Bedingungen nahezu ideal. Nur in dieser Nacht, in der wir fast Vollmond haben, scheint der Trabant so hell vom Himmel, dass wir fast gar nichts in seiner Nähe sehen können. Trotzdem eine sehr interessante Tour, vor allem deshalb, weil man diesen Sternenhimmel auf der nördlichen Hemisphäre teilweise gar nicht zu sehen bekommt. 

Auf dem Rückweg an die Küste nehmen wir noch einen weiteren Nationalpark mit, doch so langsam merken wir, dass es nun genug war mit Bushtracking und Felsen bestaunen. Wir wollen wieder zurück ans Meer und hoffen, dass wir dem Regenwetter entfliehen können, welches sich nun langsam aber sicher über unseren Köpfen ausbreitet. Also nichts wie los – Gold Coast, wir kommen!

2 Replies to “Im Zickzackkurs nach Norden”

  1. Hallo Ihr Weltreisenden, auch bei uns schwimmen einige im Eiswasser (mit Blaumann) und es gibt zur Zeit auch kleine Füchse, die sich durch den Schnee in München schleichen:= Aber davon hat Euch bestimmt schon Eva berichtet und herrliche Bilder geschickt?! Ihr müßt schwitzen und wir sind am Zittern, es ist richtig kalt, der Schnee knirscht, aber der Himmel ist endlich mal wieder blau und die Sonne scheint. Das tut gut. Es ist schön, Euch auf Eurer Tour begleiten zu können und wir staunen immer, was Ihr so alles erlebt und auf Euch nehmt. Weiterhin viel Spaß und alles Gute dabei! Genießt einfach! LG Bernadette

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.