Der Start zu unserer großen Reise war so reibungslos, wie wir ihn uns selbst nicht hätten vorstellen können. Nachdem wir noch am Abreisetag die letzten Erledigungen zuhause gemacht haben und fast fluchtartig zur Bushaltestelle gerannt sind, lief ab dann alles ohne Probleme. Egal ob der Weg zum Bahnhof, die Zugfahrt zum Flughafen oder der Flug über Madrid nach Lima – es gab weder Verspätungen noch sonstige Zwischenfälle.
Trotzdem hatten wir eine enorme Odysee hinter uns, als uns das Taxi vom Flughafen in den frühen Morgenstunden durch die noch leeren Straßen von Lima zu unserem Hotel fuhr. Zugegeben: Nach 21 Stunden Reisedauer mit wenig Schlaf und schlechtem Essen hatte es die Stadt nicht leicht, uns mit ihrem Charme zu begeistern. Besonders im Downtown-Distrikt, in welchem wir uns ein Hotel gebucht haben, war mit Tagesanbruch die Ruhe vorbei. Auf den Straßen von Lima geht es ungefähr so zu wie in Deutschland als die Nationalelf den WM-Titel geholt hat. Man hupt und drängelt, hupt, quetscht sich vorbei, hupt und hupt noch mehr. Wenn auch bei vielen Autos Scheinwerfer, Stoßstangen oder sämtliche Innenverkleidung fehlt – egal. Hauptsache die Hupe funktioniert. Und dabei ist es gar nicht mal so ganz klar, warum überhaupt gehupt wird. Wir haben sogar hupende Autos durch leere Straßen fahren sehen. Wahrscheinlich mögen es die Leute einfach nicht ruhig.
Auf den Kreuzungen der vollen Straßen versuchen Verkehrspolizisten mit Trillerpfeifen vergeblich, gegen den Lärm der Autos anzukämpfen und etwas Ordnung in den wirren Verkehr zu bringen. Es riecht überall nach Abgasen. Dass die Stadt durch ihre geografische Lage fast jeden Tag in einen leichten Nebel gehüllt ist, lässt die triste Stimmung bei einem Spaziergang durch Downtown nicht gerade besser wirken.
Ehrlich gesagt: Es dauert etwas, bis man mit Lima warm wird aber zum Glück hatten wir ja genug Zeit. Und wenn man erstmal die vielen Seiten der Metropole sowie deren Menschen kennengelernt hat, verfliegt auch schnell der erste Eindruck, den wir bei unserer Ankunft hatten. Die Leute hier sind trotz der hektischen Atmosphäre kein bisschen gestresst und sehr freundlich. Uns wurde immer geholfen, selbst wenn wir gar nicht nach Hilfe gefragt haben. Es gibt einige gute Restaurants mit riesigen Portionen zu sehr günstigen Preisen. Busfahrten sind ein wahres Abenteuer. Der wohlhabende Distrikt „Miraflores“ an der Küste beeindruckt durch seine schöne Promenade und am Strand tummeln sich viele Surfer im Wasser.
Noch mehr beeindruckt haben uns allerdings die Slums rund um den Cerro de San Cristobal – den heiligen Berg der Stadt. Ähnlich wie in den Favelas in Rio de Janeiro ziehen sich die Häuser der ärmeren Bevölkerung durchbrochen von enge Gassen vom Fuße des Berges bis fast an die Spitze. Carla und Daniel haben uns dorthin geführt. Die beiden gehören einer Organisation an, die die Häuser in dieser Gegend bunt bemalen und damit attraktiver gestalten möchten. Sie stehen dabei in engem Kontakt mit der ansässigen Bevölkerung und versuchen über geführten Touren auf den Cerro de San Cristobal ihr Vorhaben zu finanzieren. Carla spricht etwas englisch, Daniel nicht. Da wir von allen Teilnehmern der Tour die einzigen sind, die nicht aus Peru kommen, erklärt Carla sämtliche Dinge erst auf spanisch und für uns nochmal auf englisch. Zudem bietet sie sich als Dolmetscherin an, sodass wir auch mit dem Rest der Gruppe in Kontakt treten können. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die peruanische Bevölkerung für Deutschland interessiert. Einige waren schon dort – natürlich auf dem Oktoberfest. Man fragt uns nach den politischen Verhältnissen nach der Wiederwahl von Angela Merkel und erklärt uns, dass viele Leute versuchen die deutsche Sprache zu erlernen.
Auf dem Weg nach oben zum Gipfel lichtet sich langsam der Nebel und die Sonne kommt hervor. Von der Spitze, auf der ein riesiges beleuchtetes Kreuz steht, bekommt man zum ersten Mal einen Eindruck von der Größe dieser Stadt, die über 10 Millionen Menschen eine Heimat bietet. Nach der fünfstündigen Tour gehen wir mit leichtem Sonnenbrand zurück in die Stadt und schaffen es zum ersten Mal, im Restaurant unsere Teller komplett leer zu essen.

Ob Lima eine Reise wert ist? Ein Zwischenstopp auf jeden Fall. Für uns war es die erste Station von unserer Reise durch Peru. Ab morgen geht es dann mit dem Bus weiter nach Paracas – wir sind schon gespannt.

PS: Erste Bilder sind schon in der Gallerie

4 Replies to “Lima – Unsere Reise beginnt”

  1. Ihr Lieben, ich habe gerade euren ersten Reisebericht gelesen und mir die Bilder angesehen. Es ist schön, so an eurer Reise teilhaben zu können. Wir fiebern aus der Ferne mit euch mit. Ich freu mich schon auf die nächsten Blogeinträge.
    Angela

  2. Das ist der Wahnsinn, es ist nicht lange her, da habt ihr noch in eurem Alltag gelebt.
    Und jetzt seid ihr schon am anderen Ende der Welt und beginnt einen komplett neuen Lebensabschnitt.

    Ein riesiges Kompliment an den Verfasser, man koennte meinen der Bericht stammt aus einem Reisefuehrer!!

    Durch eure Erfahrung bekommt man Eindruecke von dem Leben vor Ort und Lust diese Ziele auch irgendwann mal zu erreichen.

    Liebe Gruesse aus dem kalten und nassen Deutschland!

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