Eigentlich haben wir mit Greaney noch gar nicht viele Worte gewechselt, als wir uns der kleinen Insel im Flussarm der Batemans Bay nähern. Wir haben ihn lediglich nach seinem Namen gefragt und er uns, ob wir eine Runde auf seinem Boot mitfahren möchten. Der bärtige Mann mit Strohhut sitzt am Außenborder und grinst uns ans, während wir vorne am Bug sitzen und die Umgebung bewundern. Wir sind umgeben von Wald, der sich bis vor an das Ufer des breiten Flusses zieht. Ein Hausboot schwimmt nicht weit entfernt von uns im Wasser und ein paar Kajakfahrer sind unterwegs zum Angeln. Wir legen an der Insel an und ziehen das Boot an den Strand. Für einen kurzen Moment überlege ich, mich nicht allzu weit vom Boot zu entfernen, falls der Mann, den wir eigentlich gar nicht wirklich kennen, ohne uns abhauen möchte. Die dicht bewaldete einsame Insel ist der perfekte Ort für einen Überfall. Niemand weiß, dass wir hier sind und niemand wird uns so schnell finden. Doch Greaney läuft bereits voraus auf die kleine Lichtung und schaut sich zufrieden um. „It’s so fucking beautiful here.“ Er hat recht.
In der kleinen Bucht schwimmen ein paar Quallen umher, doch Greaney meint, dass es sie nur hier an der Insel und nicht am Ufer unseres Campingplatzes gibt. Auf die Frage, ob es denn hier im Fluss Krokodile gibt, winkt er nur ab und lacht. Wenn man sich einen alten australischen Haudegen vorstellt, der mit einer gewissen Gemütlichkeit durchs Leben schreitet, dann stellt man sich einen Typ wie Greaney vor. Wir sind echt froh, ihm hier auf diesem wirklich kleinen Plätzchen in der Nähe von Batemans Bay zu begegnen.

Schon als wir angekommen sind, war uns ziemlich schnell klar, dass wir etwas mehr Zeit hier verbringen wollen. Die Anfahrt ist zwar etwas mühsam und der Platz nicht sehr groß, dafür ist man weit abgeschieden direkt an einem Flussarm zum Ozean mit direktem Badezugang. Und wenn man dann noch einem Kerl wie Greaney begegnet, der auch noch ein kleines Boot dabei hat, lässt es sich hier sehr gut aushalten. Doch auch die anderen Campinggäste, die schon seit mehreren Tagen hier hier Quartier bezogen haben, heißen uns herzlich willkommen und nehmen uns in ihre kleine Familie auf, die sich hier mitten im Wald zufällig gebildet hat. Marcus und Adrian, zwei australische Brüder, sind so etwas wie die inoffiziellen Platzwächter und eigentlich immer da. Sie räumen auf, sammeln Feuerholz und braten zum Frühstück Eier mit Schinken für alle auf ihrem Grill. Ein Paar aus Wales ist auch schon einige Tage da und eben Greaney mit seiner Lebensgefährtin. Täglich kommen neue Gäste dazu und am Abend gibt es ein gemeinsames Dinner am Lagerfeuer, bei dem jeder etwas von seinem Essen bereitstellt. 

Es braucht schon etwas Glück, um solchen Perlen zu finden, doch grundsätzlich hatten wir mit unserer Wahl bei kostenfreien Campingplätzen keine schlechten Erfahrungen gemacht. Und wenn man morgens nach dem Aufstehen erstmal ein gemeinschaftliches Bad im Fluss nimmt, vermisst man auch die Dusche nicht mehr 😉

Was uns jedoch dieses Mal zum Weiterreisen treibt, ist das Wetter. Schon in der Nacht werden wir an der Batemans Bay jedes Mal von starkem Regen überrascht und auch am Tag bleibt der Himmel grau und verregnet. Wir entfliehen dem Regen an die Jervis Bay, genauer gesagt, finden wir an der Honeymoon Bay im nördlichen Teil der Bucht ein schönes Plätzchen. Auch hier imponiert uns die Natur wieder mit ihrer volle Pracht, denn die riesigen Bäume um uns herum sind voll mit tausenden Singzikaden, die um die Gunst der Weibchen ein ordentliches Konzert veranstalten. So laut, dass wir sogar beim Frühstück Ohrenstöpsel tragen.

Von dort geht es wieder ins Landesinnere ins Kangaroo Valley, um die knapp hundert Meter hohen Fitzroy Wasserfälle zu bewundern. Der naheliegende Campingplatz im zugehörigen Nationalpark ist fast zu schön, um kostenlos zu sein. Wir parken auf der riesigen Wiese und machen noch einen kleinen Spaziergang um das Gelände, denn angeblich soll man hier Wombats zu sehen bekommen. Als am Abend die Dämmerung einsetzt, dauert es auch nicht lange, bis die ersten Tiere aus ihren Löchern im Erdboden herauskommen und völlig unbeeindruckt von den Campinggästen die Wiese abgrasen. Und mit der Zeit werden es immer mehr. Die Anfahrt hat sich schon allein für dieses Spektakel gelohnt, welches aber auch in der Nacht noch andauert. Wombats müssen sich nämlich permanent kratzen und das geht am besten an irgendwelchen Felsen oder Bäumen. Besonders gerne kriechen sie allerdings unter Autos, um sich den Rücken am Unterboden zu schrubben. Und so ein Tier, dass bis zu 40 kg wiegen kann, bringt das Auto dabei ordentlich zum wanken, was uns eine nicht ganz so ruhige Nacht beschert. 

Die Tierwelt hier in Australien ist wirklich faszinierend und mit etwas Geduld und Glück lassen sich viele wildlebende Tiere so nah bewundern, als wäre man in einem Zoo. Das trifft nur leider für alle Tiere zu ;). Doch auch wenn wir bisher keine schlechten Erfahrungen mit Waranen, Spinnen oder Schlangen gemacht haben, geht es für uns als nächstes etwas raus aus der Natur und rein in die große Metropole Sydney. Wir freuen uns schon drauf!

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