Cusco ist eine Stadt auf 3400 m und beherbergt etwa 350000 Einwohner. Wenn man durch die beschaulichen, aus der Kolonialzeit geprägten Gassen des Stadtkerns spaziert, sieht man jedoch fast nur Touristen. Die meisten sind nicht anders gekleidet wie wir: Mit Wanderschuhen, Stöcken, Rucksack und dicken Jacken eilen überall Leute verschiedener Herkunft in die Läden um weiteres Outdoor-Equipment zu kaufen oder auszuleihen. Cusco ist Ausgangspunkt fast aller Touren, die nach Machu Picchu führen und dient quasi als Basislager für alle, die sich für den Weg zu der Inka-Stadt akklimatisieren möchten. So wie wir auch. Dass man sich hier weitestgehend an den Tourismus orientiert hat, zeigen auch die Geschäfte. Man findet hier tief in den Bergen McDonalds, KFC und Geschäfte bekannter Modelabel.

Wir haben uns drei Tage Zeit für Cusco genommen und haben keinerlei Pläne für unseren Aufenthalt. Beide sind wir etwas angeschlagen, da wir im Colca Canyon einen leichten Schnupfen mitgenommen haben. Zudem habe ich (Michi) etwas Probleme mit der Höhe und hoffe, dass der längere Aufenthalt in Cusco eine Besserung bringt. Die letzten Tage waren sehr schön, aber auch turbulent und so kommen uns ein paar Tage Ruhe ganz recht.
Diese Ruhe finden wir allerdings eher in einem der kleinen Cafés als in unserem Hostel. Das war leider ein absoluter Fehlgriff. Prinzipiell ist es schön aufgebaut, mit großen Zimmern, heißer Dusche, toller Bar mit gutem Essen und einem gemütlichen Innenhof mit Hängematten. Nur war uns nicht klar, dass wir uns hier in einen absoluten Partybunker eingebucht haben und unter unserem Fenster jeden Abend BBQ stattfindet. Party ist aktuell nicht so unser Ding. Selbst mit Ohrstöpsel lässt sich der Bass aus der Bar nebenan nicht unterdrücken, der jeden Abend gegen unser Zimmer hämmert und so finden wir erst spät in der Nacht unseren Schlaf. Den Dunst des BBQs, der sich im Laufe des Abends im gesamten Hostel verteilt, können wir zum Glück gut aus unserem Zimmer aussperren, in dem wir die Fenster geschlossen halten und den großzügigen Spalt unter der Eingangstüre mit unseren Packsäcken zustopfen.
Draußen fängt es immer wieder an zu regnen und wir verlassen unser Hostel bzw. das Bett kaum. Mit einer Thermoflasche voller Tee schauen wir uns auf Facebook die Bilder vom sonnigen Herbst in Deutschland an, während dicke Tropfen auf das Metalldach der Bar neben unserem Zimmer scheppern. Südamerika ist eben nicht überall Sommer, Sonne, Kaktus.

Wir nutzen die Zeit um eine erste Bilanz zu ziehen. Wir prüfen Zeitplan, Kosten und tauschen unsere Meinungen zu den letzten Erlebnissen aus. Was hat sich gelohnt, was nicht? Was würden wir im Nachhinein anders machen? Diese Rückschlüsse helfen uns für die weitere Reise durch Südamerika, da wir bald in anderem Stil unterwegs sein werden. Durch Peru gingen wir auf Nummer sicher, in dem wir mit einem Busunternehmen Peru Hop permanent durch das Land begleitet wurden – mit entsprechenden Kosten. Für die weitere Reise werden wir mehr in Eigenregie reisen und dadurch Kosten einsparen, da gerade in Chile und Argentinien die Lebenskosten deutlich höher als in Peru sind. Weiterhin müssen wir das Tempo anheben, wenn wir es noch bis Dezember runter ins südliche Patagonien und wieder hoch nach Buenos Aires schaffen wollen, von wo aus unser Flieger nach Australien startet. Ach, wäre ein Strandurlaub jetzt schön…

Die nasskalten Tage in Cusco tragen nicht gerade zur Besserung unseres Gesundheitszustandes bei. Dem Schnupfen folgt Husten, danach leichtes Fieber. Nach zwei Tagen Erholung (sofern bei dem Partylärm möglich) und literweise Tee müssen wir uns eingestehen, dass wir den geplanten Salkantay-Trek nach Machu Picchu nicht durchführen können. Fünf Tage wandern auf teilweise über 4000 m und Übernachtung im Zelt bei ca. 0 °C – keine gute Idee bei unserer aktuellen Verfassung.
Diese Entscheidung schmerzt, aber es ist die Richtige. Es war uns von Anfang an bewusst, dass wir auf dieser Reise auch den ein oder anderen Rückschlag hinnehmen müssen. Wir drücken also den Reset-Knopf, orientieren uns neu und schmieden einen neuen Plan. Und der sieht erstmal vor: Raus aus diesem Hostel!
Nach einiger Recherche finden wir eine neue Unterkunft etwas höher über der Stadt, welche auf diversen Online-Portalen sehr gute Bewertungen hat und trotzdem so günstig ist, wie keine Andere. Als wir uns die Bilder dazu im Internet anschauen, wissen wir warum. Das ist genau das Richtige für uns!

Und noch etwas haben wir auf unserem neuen Plan stehen: Nicht mehr so viel planen. Reisen bedeutet, sich auch mal treiben zu lassen und die Dinge zu nehmen wie sie kommen. Sonst ist man am Ende nur am Rudern, wenn etwas nicht so klappt, wie man es wollte. Das merken wir während unserem Aufenthalt in Cusco sehr deutlich. Und dann schreibt man aus Frust nur ewig lange Blogeinträge 😉

5 Replies to “Planänderung”

  1. Wünsche euch ganz schnelle gute Besserung, damit ihr soviel wie möglich unternehmen könnt….Ich drück euch die Daumen, ganz liebe Grüße und genießt es trotzdem…

  2. Hey ihr zwei,
    wir hoffen ihr habt in eurem neuen Hostel die Ruhe gefunden um euch für alles kommende zu regenerieren und euch geht es besser. Das schöne ist doch auch, wenn man so ehrlich zu sich selbst sein kann, wenn etwas nicht so klappt wie geplant und man trotzdem nach vorne schaut, um denkt und anders plant. Und das Gefühl hab ich bei euch. Liebe Grüße und dicke Umarmungen Angela

  3. Hallo Michi und Caro, euer Bericht hat mich sehr begeistert und beeindruckt und ich hoffe sehr, dass es euch gutgeht und ihr euch inzwischen etwas erholen und aklimatisieren konntet. Lg Marga

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