Nach Südamerika haben wir uns bei Australien vor allem auf zwei Dinge gefreut: Entschleunigung und Entspannung. Doch davon merken wir gerade nicht viel. Direkt nach Weihnachten haben wir mal wieder einen Durchhänger und müssen unsere Pläne ändern. Aber fangen wir erstmal etwas weiter vorne an.

Heiligabend verbringen wir relativ unspektakulär auf einem Caravan-Park bei Port Elliot, einem kleinen Städtchen an der Südküste unterhalb von Adelaide. Der Park ist prima ausgestattet und hat sogar direkten Zugang zu einer kleinen Badebucht. Im nahegelegenen Supermarkt haben wir Lachsfilets und Kartoffeln gekauft – unser Weihnachtsessen. Wir lernen am Abend noch ein anderes deutsches Pärchen kennen, dass mit dem Camper von der Westküste bis an die Great Ocean Road reist. Gemeinsam verbringen wir den Abend mit Jacken und Decken eingepackt vor unserem Wagen, bis es uns zu kalt wird. Wenn auch nicht so richtig weihnachtliche Stimmung aufkommt, so haben wir wenigstens einen schönen und geselligen Abend verbracht.
Mit der Ruhe ist es aber nach den Feiertagen vorbei. Die folgenden Tage sind geprägt von langen Autofahrten, kurzen Stopps und der nervenaufreibenden Suche nach einem vernünftigen Stellplatz. Der Grund: In Australien haben die Sommerferien begonnen und auf den Caravan-Parks an der Küste ist die Hölle los. Viele Parks haben jetzt die Preise für die Stellplätze deutlich angehoben und sind trotzdem komplett ausgebucht. Glücklicherweise sind wir nicht auf einen „Powererd-Site“, also auf einen Stellplatz mit Stromversorgung, angewiesen, da wir gar keinen entsprechenden Anschluss am Auto haben. Wenn unsere Zweitbatterie nach ca 12 Stunden den Geist aufgibt und damit unser Kühlschrank nicht mehr läuft, haben wir besser keine verderblichen Sachen darin. Oder wir müssen eine Runde Auto fahren, bis die Batterie wieder geladen ist 😉
Dieser Umstand erlaubt uns, auch einen „Unpowered-Site“ zu nehmen, die etwas günstiger und auch noch häufiger verfügbar sind. Generell sind wir gar nicht auf größere Caravan-Parks angewiesen, sondern könnten auch kleinere Campingplätze ansteuern. Der Nachteil dort ist allerdings, dass es nicht überall Duschen und eigentlich nie WLAN gibt. Auf Letzteres können wir verzichten aber ohne Duschen bleibt man ungern länger als ein paar Nächte, wenn man nur im und aus dem Auto lebt. Generell haben wir bisher noch keinen Ort auf unserem kurzen Weg entlang der Küste gefunden, der uns so gut gefallen hat, dass wir dort mal gerne ein paar Tage länger geblieben wären. Die meisten Orte sind ziemlich klein und doch alle recht ähnlich. Es gibt fast immer einen Leuchtturm, Steg oder ein Fischereimuseum als Hauptattraktion – das wars. Die Strände sind teilweise sehr schön und auch nicht sehr voll, allerdings vom Wellengang her ruhiger als so mancher See im windigen Argentinien. Surfsaison ist hier gerade nicht.
Es ist also ganz nett hier, aber mehr auch irgendwie nicht. Jeden Tag bauen wir das Auto um, um darin zu schlafen und am nächsten Morgen wieder zurück, um gleich weiterzufahren. Immer in der Hoffnung, dass es im nächsten Ort vielleicht eine schöne Surfbucht, einen interessanten Stadtkern oder ein paar Wanderwege im Umland gibt. Aber bisher suchen wir danach erfolglos.
Die Nächte auf den Caravan-Parks sind auch nicht gerade das, was man mit idyllischem Camping in der Natur verbindet. Es gibt riesigen Spielplätze für Kinder, teilweise sogar Pools mit Wasserrutschen, gut ausgestattete Küchen mit Kühlschrank, Herd, Toaster und Wasserkocher. Große Flächen bieten Platz für Kricket, der Lieblingssport in Australien. Für Familien mit Kindern ist das hier schön, aber wir sind hier fehl am Platz. Es ist laut, eng und von irgendwo her dröhnt immer Musik oder ein Grill räuchert uns ein. Nachdem bereits der zweite Kricketball gegen unser Auto donnert, ist uns klar: So reisen wir nicht weiter. Und schon gar nicht möchten wir so, zwischen Senioren, Kindern und überforderten Eltern ins neue Jahr feiern.

Wenn ganz Australien in den Ferien ans Meer fährt, dann fahren wir eben wieder zurück ins Landesinnere in den Grampiens Nationalpark. Wir wollen zurück in die Natur, auf kleine Campingplätze, auf denen zusammen mit wenigen anderen Abenteuerlustigen eine familiäre Atmosphäre herrscht. Und vor allem mal wieder an einem Ort bleiben, der uns wirklich gut gefällt.
Also geht es in den nächsten Supermarkt und wir füllen unsere Vorräte wieder auf. Volltanken, Radio aufdrehen und den ganzen Tumult hinter uns lassen. Wir biegen wieder ab auf einsame Straßen ins Landesinnere und es fühlt sich irgendwie gut an. Die Stimmung wird besser. Auf dem Weg zum Grampiens Nationalpark haben wir plötzlich das Gefühl in einen Schneesturm zu geraten, doch es sind abertausende weiße Schmetterlinge, die entlang des Highways fliegen. Die Natur hat uns wieder!
Im Nationalpark gibt es neben diversen kostenpflichtigen und überfüllten Caravan Parks auch einen Campingplatz, der komplett umsonst ist. Auf einer rumpeligen Schotterstraße fahren wir vom Örtchen Halls Gap weiter nördlich in den Park, bis wir die Lichtung im Wald erreichen, die nur von wenigen Campern besucht wird. Die meisten sind ähnlich spartanisch ausgestattet wie wir. Hier gibt es keinen Spielplatz, Gemeinschaftsküche oder Internetzugang, dafür Plumpsklos, Regenwasserduschen und nichts als Natur um uns herum. Und das auch noch umsonst. Was will man mehr?
Wir bleiben zwei Nächte hier, um im Nationalpark zu wandern und die vielfältige Umgebung zu erkunden. Hierbei machen wir auch unsere ersten Begegnungen mit Schlangen. Die hochgiftigen Reptilien schlängeln vor uns über die Wege oder beobachten uns aus Erdlöchern heraus. Man kann nicht gerade von einer entspannten Wanderung sprechen… In der Regel weichen einem die Tiere aber aus und ergreifen die Flucht, sobald sie unsere Schritte spüren. Dass man wirklich von einer Schlange gebissen wird, ist angeblich äußerst selten und geschieht nur, wenn sie gereizt wird oder man auf sie tritt. Es ist ohnehin nicht möglich zwischen all den dichten Sträuchern neben dem Pfad die dunkelbraunen bis schwarzen Viecher rechtzeitig zu erkennen. Wir möchten uns gar nicht ausmalen, an wie vielen Tieren wir wohl unwissentlich vorbeigelaufen sind. Von daher hilft nicht viel außer auf den Weg schauen, nicht den Pfad verlassen und auf etwas Glück hoffen. Es ist ohnehin nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Und die Wahrscheinlichkeit auf Australiens Straßen in einen Autounfall verwickelt zu werden, ist noch immer um ein Vielfaches höher, als ein Schlangenbiss. Also sind wir beim Wandern relativ sicher unterwegs. So sehen wir das 😉

Am letzten Tag im Jahr 2017 verlassen wir Halls Gap und nisten uns in einen kleinen Campingplatz in Dunkeld ein, einem Ort, der komplett im Nirgendwo ist und in dem es auch absolut nichts gibt. Der nächste Supermarkt ist eine halbe Stunde entfernt. Stört uns nicht, wir haben noch genug Vorräte und machen uns für Silvester Pfannkuchenteig mit Pilzen, Zwiebeln, Schinken und Paprika. Mit unseren Stellplatznachbarn, einem Paar aus Australien, sitzen wir am Lagerfeuer und quatschen ein wenig, bis die beiden um kurz nach 22 Uhr ins Bett gehen. Um uns herum, tun es ihnen viele gleich und es wird still auf dem Campingplatz. Wir verkriechen uns auch in unseren Camper, denn es wird langsam kalt und warten bis Mitternacht, um kurz darauf einzuschlafen. Um uns herum keine Party, kein Feuerwerk, nichts. Eine Nacht wie jede andere für uns, nur mit etwas weniger Schlaf.
Mit dem neuen Jahr ändert sich für uns erstmal nichts, denn wir sind immer noch mitten im Abenteuer unseres Lebens. Und wir hoffen, dass dieses Abenteuer auch noch etwas andauert. So lange leben wir unser Leben mit den bescheidenen Mitteln, die wir haben und genießen die Möglichkeiten, die sich uns bieten. Dafür brauchen wir keine Silvesterraketen und Neujahrsvorsätze.
Am Neujahrsmorgen hängen tiefe dunkle Wolken am Himmel. Etwas zerknautscht und ziemlich demotiviert packen wir unsere Sachen zusammen und fahren zurück an die Küste. Wir sind müde. Das Wetter drückt auf unsere Stimmung, als Regentropfen gegen die Schreibe prasseln, doch wir wollen heute unbedingt die Great Ocean Road in Angriff nehmen, damit wir wieder etwas Strecke in Richtung Ostküste gutmachen. In Warrnambool füllen wir unsere Vorräte auf, bevor wir den Ort wieder verlassen und vom Princes Highway auf die berühmte Straße an der Südküste Australiens abbiegen. Und was passiert? Die Wolkendecke reißt auf und die Sonne schenkt uns das Panorama, welches man von der Great Ocean Road erwartet. Herrlich! An diversen Plätzen entlang der Straße kann man das Auto abstellen und kleine Spaziergänge zu Aussichtsplattformen unternehmen. Teilweise geht es sogar runter an den Strand. Wir wollen uns hier Zeit nehmen und fahren öfter mal von der Straße ab, ehe wir Port Campbell, unser Ziel für die Nacht erreichen. Am nächsten Tag wollen wir weiter entlang der Küste fahren doch jetzt ist erstmal Abendessen angesagt. Lammsteaks und Tandoori-Hähnchenspieße stehen heute auf dem Speiseplan. Wir müssen jetzt Schluss machen, der Magen knurrt schon…

4 Replies to “Quo vadis, kleiner Camper?”

  1. Also erst einmal noch ein frohes neues Jahr euch beiden Abendteuerlustigen!

    Wenn man euch so sieht bekommt man echt Fernweh!
    Wie gerne wäre ich jetzt auch wieder in Australien
    Grüßt die Kangaroos von mir und fühlt euch gedrückt! Ganz viel Spaß noch!
    Babsi

    1. Dir auch ein frohes neues Jahr! Ja, es wird so langsam immer schöner, je weiter wir an die Ostküste kommen. Ein Känguru habe ich heute schon von dir gegrüßt (Grüße zurück!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.