Wenn man direkt vom schillernden, lebendigen Melbourne weiter nach Adelaide reist, kommt einem die südaustralische Stadt irgendwie nicht wirklich reizvoll vor. Zwar ist Adelaide mit 1,2 Millionen Einwohner nicht gerade klein und hat einige schöne Gebäude und Plätze, besonders die Uferpromenade mit ihren vielen verschiedenen Brücken bis zum botanischen Garten. Allerdings fehlt es Adelaide an dem gewissen Flair, was vor allem daran liegt, dass jeden Tag eine Stimmung wie am Totensonntag in den Straßen herrscht. Es ist einfach nichts los. Selbst an einem normalen Wochentag bewegt man sich auf den breiten Fußgängerwegen, als wäre die Hälfte der Einwohner gerade verreist.
Der geselligste Ort ist da noch unser Aufenthaltsraum in unserem großen und gut organisiertem Hostel. Um dort am Abend noch eine Flasche Wein zu trinken, muss man eine ziemliche Odysee auf sich nehmen. Supermärkte verkaufen keinen Alkohol. Den gibt es nur in ganz speziellen Läden und auch dort meist nur bis 21 Uhr. Wir finden einen Straßenverkauf, an dem Alkohol durch ein Fenster direkt an die Kunden auf dem Gehweg in auffällig unauffälligen braunen Papiertüten verkauft wird. Wie zwei kleine Teenager blättern wir eifrig durch die lange Weinkarte, um uns am Ende doch für die billigste Flasche zu entscheiden. In Australien ist alles, wirklich alles, richtig teuer.
Doch wir haben auch Glück. In unserem Hostel steigt eine junge Familie ab, die gerade eine sechswöchige Tour mit einem Mietcamper hinter sich hat und nun zurück nach Deutschland fliegt. Für zwei Cappuchino bekommen wir eine große Kiste mit einer Wokpfanne, Öl, Gewürze, Müsli, Mückenschutz, Spülmittel und viele andere Dinge, die sie nicht mit nach Hause nehmen möchten. Das trifft sich gut, denn für uns beginnt nach Adelaide endlich der lange ersehnte Roadtrip durch Down Under.
Am Mittwoch ist es dann soweit. Wir checken aus unserem Hostel aus und begeben uns mit dem Bus etwas außerhalb der Stadt zur Mietstation, um unseren Camper in Empfang zu nehmen. Und der ist…naja…wie wir es schon erwartet haben.
Von einem klassischen „Campervan“ zu sprechen, wie sie in Australien haufenweise herumfahren, ist vielleicht etwas übertrieben. Unser Wagen hat in etwa die Größe eines VW Sharan und besitzt im Kofferraum eine kleine Küche mit Gaskochplatte, Kühlschrank und Spüle. Die Rücksitzbank lässt sich zu einer Liegefläche umbauen, die gerade so lang genug für uns beide ist. Größer dürfte man wirklich nicht sein. Gleiches gilt auch für den Küchenbereich, da man sich sonst den Kopf an der Heckklappe anstoßen würde. Viel Platz haben wir nicht und so müssen wir einige Male umräumen, bis endlich alles einen sinnvollen Platz in unserem kleinen Wagen gefunden hat.
Das Beste ist aber die äußere Erscheinung. Unser Camper sieht aus, als hätte ihn Xzibit gerade aus seiner Werkstatt bei „Pimp my ride“ gerollt. Die zweifarbige Lackierung in lila und grün mit fetten Aufklebern lässt niemanden daran zweifeln, dass Touristen hinter dem Lenkrad sitzen. Dazu kommt noch eine sportliche Schürze an Front und Heck, Dachspoiler und natürlich coole Gimmicks, wie Solarpanel auf dem Dach und Schiebetüren mit Soft-close-Funktion. Now we’re officially pimped!
Normalerweise kosten das Leihen von Campingtisch und Stühlen eine zusätzliche Gebühr, aber wir bekommen sie bei der Entgegennahme unseres Fahrzeugs umsonst mit dazu. Ebenso die Halterung für das Smartphone. Weil wir so lange mit dem Fahrzeug unterwegs sind, sagt uns der freundliche Mitarbeiter bei der Mietstation. Wir glauben, er hat etwas Mitleid. Während wir noch unseren Wagen inspizieren und feststellen, dass die einzige Stromquelle der 12 Volt-Zigarettenanzünder am Armaturenbrett ist, nehmen neben uns auf dem Platz der Autovermietung drei Mädels ihren Hochdachbus mit Einbauküche in Empfang. Naja, wir werden die nächsten Monate schon irgendwie zurecht kommen.
Ein anderes Paar aus Deutschland bringt gerade ein ähnliches Fahrzeug wie unseres zurück. Die beiden scheinen ziemlich in Eile zu sein und reichen uns hektisch Wasserreste und Stromadapter durchs Fenster. Nehmen wir alles :-).
Dann geht es auch schon fast los. Zuerst fahren wir nochmal zu einem großen Einkaufscenter, um unseren Grundstock an Nahrungsmitteln zu vervollständigen. Im Eingangsbereich fällt mein Blick auf einen kleinen Handy-Reparaturservice und ich gehe sofort auf den Verkäufer zu und spreche ihn an. Von diesen kleinen Läden und Verkaufsständen gibt es sehr viele in Adelaide und ich glaube, ich habe sie alle besucht, da ich auf der Suche nach einem neuen Akku für mein Smartphone bin. Doch die Reaktion ist immer die Gleiche. Aus dem freundlichen Nicken des Verkäufers beim Nennen des Modells „Samsung Galaxy S4“ wird ein kritisches Kopfschütteln, sobald ich den Zusatz „Mini“ erwähne. Mal abgesehen davon, dass das Modell schon ziemlich alt ist, wurde wohl gerade die Mini-Variante in Australien nicht sonderlich oft verkauft. Und so werde ich auch dieses Mal enttäuscht, doch ein anderer Kollege am Verkaufsstand ruft „Battery World!“ zu mir herüber. „Battery World“ ist ein Laden am anderen Ende von Adelaide, der nach kurzer telefonische Rücksprache tatsächlich einen einzigen passenden Akku auf Lager hat. Wir fahren sofort hin und kaufen das gute Stück. Handy bereit, Auto bereit, alles fertig für den großen Roadtrip!

Unser eigentliches Ziel ist es, entlang der Südostküste bis nach Cairns zu fahren. Wir haben allerdings genug Zeit und reisen erstmal ein Stück nordwärts in die entgegengesetzte Richtung. Obwohl wir sehr gerne an die Küste wollen, möchten wir zuerst ein bisschen Outback erleben und fahren in den Flinders Ranges Nationalpark.
Schon bald nachdem wir Adelaide verlassen haben, befinden wir uns auf einem Highway, der stets geradeaus Richtung Norden durch die Steppe führt. Es dauert auch nicht mehr lange, bis wir die ersten Kängurus sehen – tot am Straßenrand. Und davon jede Menge. Echt erstaunlich, denken wir uns, dass so viele Tiere von Autos erwischt werden, wo uns doch kaum andere Autos hier auf dem Highway begegnen. Nach einiger Zeit wissen wir warum. Die Tiere suchen den Schatten unter den üppigen Sträuchern am Straßenrand und faulenzen nur wenige Meter neben der Straße. Je näher wir dem Nationalpark kommen, desto mehr sehen wir herumliegen und umherhüpfen. Auch auf dem Campingplatz, der sich direkt im Nationalpark befindet, tummeln sich so viele Tiere um uns herum, als würden wir im Zoo übernachten. Wilde Kängurus streunen durch die Büsche neben unserem Camper. Es gibt Emus, Kakadus, Papageien und etliche nervende Krähen, vor denen wir unser Essen mit Stöcken verteidigen müssen. Das Panorama, welches uns umgibt, ist fantastisch. Wir sind umringt von schroffen roten Felsen. Nur Sträucher und riesigen Eukalyptusbäume spenden uns etwas Schatten, während die Sonne am wolkenlosen Himmel auf uns herunter brennt. Der Sommer beginnt und damit die Nebensaison in den Flinders Ranges, denn es ist irre heiß. Einige Wanderwege im Nationalpark sind wegen der Hitze gesperrt, sodass wir nur für einen Tag durch die Landschaft wandern können und den Rest der Zeit einfach die Ruhe in der Natur genießen. Nach zwei Tagen verlassen wir die Flinders Ranges wieder und begeben uns zurück Richtung Küste, denn das Weihnachtsfest steht vor der Tür und für uns bedeutet das: Drei Tage nicht einkaufen. Also fahren wir langsam zurück in Richtung Adelaide, um uns dort für die nächsten Tage mit Lebensmitteln einzudecken (was nicht leicht ist, wenn man das Volumen unseres Kühlschranks sieht) und danach suchen wir uns ein schönes Plätzchen am Meer, wo wir die Feiertage verbringen.

Es dauert seine Zeit, doch so langsam gewöhnen wir uns an das Leben im Camper und der stetigen Ungewissheit, wo wir die nächste Nacht verbringen können. Doch ein großes Problem ist das fehlende Internet. Mit Offline-Karten und Campingführer kommen wir einigermaßen zurecht, nur melden können wir uns daheim nicht ganz so oft. Also macht euch keine Sorgen, wenn wir demnächst nicht mehr so häufig schreiben und sich der Punkt auf unserer Landkarte nicht mehr so oft bewegt. Die zeitlichen Abstände werden jetzt etwas größer, aber dafür gibt es dann auch mehr zu erzählen 😉 !

Wir wünschen euch allen auf jeden Fall ein frohes Weihnachtsfest, schöne Feiertage und eine tolle Zeit mit Familie und Freunden. Wir sind in Gedanken bei euch!

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