Es sind schon wieder einige Tage vergangen, seitdem wir uns von dem leergefegten Städtchen Pichilemu an der Pazifikküste verabschiedet haben. Dort haben wir lange überlegt, welches Ziel wir als Nächstes in Angriff nehmen. Die Wahl ist auf Pucón gefallen, doch der Weg dorthin ist relativ weit. Selbst der Reiseführer sagt, dass auf der Strecke zwischen den beiden Orten nicht viel Sehenswertes ist, so entscheiden wir uns für einen kurzen Zwischenstopp in Talca, was uns als das geringste Übel erscheint.

Talca

Über Talca braucht man eigentlich nicht viel zu sagen. Es ist eine gewöhnliche und auf den ersten Blick nicht sehr aufregende und auch nicht besonders schöne Stadt. Viele Gäste steigen hier wohl nicht ab, denn wir sind in unserem großen Hostel die einzigen Besucher und verbringen den Abend mit einer Flasche Wein bei fast schon gespenstischer Leere im Aufenthaltsraum. Nur Paula, die hilfsbereite Besitzerin und ein paar Freunde von ihr sitzen draußen im Garten zusammen. Wahrscheinlich haben wir nicht viel verpasst, als wir am nächsten Tag wieder zum Busterminal laufen und für weitere sieben Stunden in Richtung Pucón aufbrechen.

Pucón

Sobald wir im Bus sitzen, fallen die ersten Regentropfen von außen an das Fenster und mit der Dauer werden es immer mehr. Als wir am Abend in Pucón ankommen, schüttet es wie aus Eimern. Wir fahren mit dem Taxi zu unserem Hostel und sehen schon trotz der Dunkelheit und dem Regen, dass dieser Ort etwas ganz besonderes ist. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man sich auch in einer kanadischen Kleinstadt befinden. Durch die vielen kleinen Holzhäuser und Blockhütten wirkt Pucón wie eine riesige Saunalandschaft, dazu kommen die vielen umliegenden Nadelwälder und die Lage am großen Villarica-See. Wie gesagt, man könnte sich auch in Kanada befinden, wäre nicht in unmittelbarer Nähe der Vulkan Villarica, welcher ständig drohende Dampfschwaden aus seinem Krater bläst. Da der Vulkan im Jahre 2015 gleich mehrmals ausbrach, sind die Warnschilder und Hinweise zu Evakuierungsrouten in den Straßen allgegenwärtig. Wir kennen solche Evakuierungshinweise aus anderen Orten, wie z.B. zuletzt in Pichilemu, dass wegen seiner Lage sehr gefährdet bei Tsunamis ist. Von mehreren  Chilenen haben wir bereits den Hinweis bekommen, dass wir uns bei kleineren Erdbeben oder Vulkanaktivitäten keine Sorgen machen müssen, solange die Einheimischen die Ruhe bewahren. Erst wenn ein Chilene panisch wegrennt, sollte man auch rennen 😉

Durchfroren und durchnässt betreten wir nach der Taxifahrt unser Hostel und blicken zuerst auf einen Holzofen mitten im Eingangsbereich, der das komplette Haus ordentlich einheizt. Zum ersten Mal ein warmes Zimmer! 

Pucón ist zweifelsohne eine Touristenstadt, besitzt aber durch die vielen Holzhütten einen unglaublichen Charme. Die Häuser im Stadtzentrum bestehen neben Hostels hauptsächlich aus Büros von Tourenanbietern, Läden für Outdoor-Ausrüstung und unzähligen Bars, Restaurants und Cafés. Obwohl wir im Hostel eine große Küche haben und auch einige Male kochen, landen wir fast jeden Abend im Restaurant um die Ecke und lassen uns frischen Fisch gefüllt mit Garnelen oder gegrilltes Rumpsteak servieren. Nicht gut für den Geldbeutel, aber für die Seele. 

Für einen Tag fahren wir in den Nationalpark Huerquehue und wandern durch die wild wuchernden Wälder, vorbei an Seen und Wasserfällen bis hoch in die Berge. Der Frühling hat gerade erst begonnen und ein paar Wege sind wegen des Schnees noch nicht begehbar. Das Tauwetter hat eingesetzt und einige kleine Bäche laufen uns auf dem Wanderweg entgegen und verwandeln den Pfad in eine knöcheltiefe Schlammgrube. Irgendwann verwandelt sich der Matsch in festgetretenen Schnee und der Aufstieg wird etwas leichter. An den Bergseen, die teilweise noch zugefroren sind, machen wir Pause und genießen die Aussicht und die Stille. Es hat auch seine Vorteile, nicht überall zur Hauptsaison zu sein und sich die Wanderwege nicht mit einem Haufen anderen Touristen teilen zu müssen.

Puerto Varas

Auch wenn es uns Pucón sehr gut gefallen hat, müssen wir weiter und nehmen den Bus nach Puerto Varas. Die kleine Stadt am Llanquihue-See wird gleich von zwei Vulkanen bewacht und besteht ähnlich wie Pucón aus vielen Holzhäusern. Allerdings fühlt man sich beim Spaziergang durch die Straßen eher wie in einer Western-Stadt und ist ebenso von vielen Kneipen und Restaurants umringt. 

Wir wollen den Ort als Sprungbrett für den Tagua-Tagua-Nationalpark nutzen, um dort für mehrere Tage Wandern zu gehen. Wir haben diesen Tipp von Mirenxtiu, Manuels Freundin aus Santiago, erhalten und senden vor unserer Ankunft in Puerto Varas eine Anfrage an die Parkzentrale. Da das Gebiet stark geschützt wird, dürfen jeden Tag nur eine begrenzte Anzahl an Leuten in den Park, welcher nur über ein Boot zugänglich ist. 

Wahrscheinlich lag es wieder mal am Internet, dass unsere Anfrage über das Meldeformular der Homepage nicht sicher gesendet wurde. Da wir das schon vermutet hatten, schicken wir gleich noch eine Mail hinterher, die aber, wie sich später rausstelle, gar nicht beachtet wurde. Nach einiger Zeit bekommen wir von der Parkzentrale mitgeteilt, dass kurzfristig keine Plätze mehr verfügbar sind und wir uns einige Tage gedulden müssen. Wir könnten zwar noch einige Tage in Puerto Varas verbringen, die Zeit dafür wollten wir uns aber nicht einräumen. Und bei den Kosten für alternative Aktivitäten hier in der Umgebung, viel uns ganz schön die Kinnlade herunter. Chile ist teilweise echt ein teures Pflaster…

Wir wollen weiter und reisen nach einer Nacht in unserem winzigen Zimmer wieder ab und passieren die Grenze nach Argentinien. Bariloche soll das nächste Ziel sein und von dort geht es über die Route 40 geradewegs in den Süden — so der Plan. Aber der hat sich schon des Öfteren geändert 😉

 

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