Eine wichtige Information vorneweg: Wir sind wieder glücklich und gesund in Deutschland gelandet und haben somit unsere lange Reise endlich beendet. Trotzdem wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten, was sich bei uns in den letzten Wochen in Nepal abgespielt hat. Also macht es euch bequem. Hier kommt endlich der lange versprochene Artikel von unserem Annapurna-Trek im Himalaya. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Krasse Kulturwechsel hatten wir viele: Von Würzburg nach Lima, von Buenos Aires nach Melbourne. Aber nichts davon war so heftig wie der Wechsel vom glanzvollen, sauberen Singapur in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Schon der Weg dorthin hatte es in sich und die Beschwerlichkeiten fingen bereits vor der Anreise in Singapur an.

Bei unserem Online-Check-in für den Flug nach Kathmandu wurden wir auf der Webseite von Malaysia Airlines darauf hingewiesen, dass sämtliche elektronische Geräte, deren Akku nicht ausgebaut werden kann, auf dem Flug nicht erlaubt sind. Weder im aufgegebenen Gepäck, noch im Handgepäck. Das betrifft unser iPad, den Rasierapparat, die elektrische Zahnbürste, den e-Book Reader und Caros Handy. Die Gründe für die strengen Regelungen gehen auf den Flug MH370 zurück, der im Jahre 2014 aus bisher ungeklärter Ursache abgestürzt ist und dessen Wrack bis heute nicht gefunden wurde. Nach einer weit verbreiteten Theorie kam es an Board zu einem Batteriebrand, der zum Absturtz der Maschine geführt haben soll und Malaysia Airlines zu strengeren Transportrichtlinien bewegt hat. Wir sollen also unsere elektrischen Geräde nicht nach Nepal mitnehmen dürfen? Kann ja wohl nicht wahr sein! Da der Flughafen von Singapur mit der Metro nicht weit weg ist, fahren wir zwei Tage vor unserem Flug dort hin und erkundigen uns direkt bei der Airline. Die etwas unmotivierten Mitarbeiter am Schalter verstehen unsere Aufregung nicht. Sie zeigen uns einen anderen Hinweiszettel mit Transportregeln, die ein Mitführen sämtlicher elektronischer Geräde im Handgepäck erlauben. Wir halten dagegeben und verweisen auf die Bestimmungen von der Webseite, die erst seit Januar diesen Jahres in Kraft getreten sind. Doch hinter dem Schalter winkt man das lächelnd ab. “Dann könnte ja niemand sein iPhone mit in den Flieger nehmen.”, heißt es von dort. Wir sollen uns keine Sorgen machen und einfach alles im Handgepäck verstauen. So machen wir es dann auch.

Der Flug verläuft dann tatsächlich ohne weitere Vorkommnisse und wir landen pünktlich in Kathmandu. Schnell rennen wir über das Rollfeld in die kleine Abflughalle, um als eine der ersten Fluggäste unseren Visumantrag auszufüllen. Von diversen Reiseblogs wissen wir, dass dieses Prozedere meist sehr lange dauern kann und es zu riesigen Warteschlangen kommt. Das Visum kann über einen Automaten direkt in das System eingegeben werden. Man bekommt dann lediglich einen Beleg mit einem Barcode, welcher noch an einem Schalter eingescannt werden muss. Erst dann gibts den Stempel im Reisepass. Die meisten Einreisenden bevorzugen jedoch die alte Variante und füllen den Antrag für das Visum auf Papier aus, welcher dann am gleichen Schalter vorgelegt werden muss. Von dort werden die Daten auf dem Zettel in das System übertragen. Manuell! Pro Fluggast vergehen dabei etwa fünf Minuten und so warten wir über zwei Stunden in der Schlange, die eigentlich nur wenige Meter lang ist. Als Caro an der Reihe ist, ist Mitternacht bereits vorbei und somit auch der 1. April, unser Anreisetag, den wir auf dem Visumsantrag eingegeben haben. Es herrscht Verwirrung hinter dem Schalter. Nach einem kurzen Gespräch zwischen den Mitarbeitern an der Passkontrolle gibts am Ende doch noch den Stempel und wir schnappen uns unsere Rucksäcke, die neben dem ganzen anderen Gepäck wild verteilt auf dem Boden neben dem Gepäckband herumliegen.

Wir verlassen den Flughafen mitten in der Nacht. Sichtlich ermüdet und leicht genervt. Am Ausgang ruft uns eine Schar aus jungen Männern verschiedene Namen entgegen. Sie alle warten auf Leute, die sie vom Flughafen zu ihren Unterkünften bringen sollen. Auch wir haben uns einen Transport in unser Hotel organisiert, doch in all dem Lärm ist kaum etwas zu verstehen. Irgendwann hören wir unseren Namen doch. Wir nicken und schon laufen fünf Männer auf uns zu und versuchen, unser Gepäck abzunehmen. Die großen Rucksäcke schnappen sie sich sofort von unserem Wagen herunter, das Handgepäck behalten wir bei uns. In einer Traube aus Menschen verfolgen wir unser Gepäck über einen Parkplatz zu einem Auto. Immer wieder stellen sich Leute in den Weg und fragen, ob wir ein Taxi brauchen. Der Stresspegel ist auf Anschlag. Das Gepäck landet in einem Kofferraum, wir steigen ein und knallen schnell die Türen hinter uns zu. Ein junger Fahrer steigt ein und fährt los. Uns ist ziemlich unwohl bei der ganzen Sache. Über GPS verfolgen wir die Fahrt und landen tatsächlich nach etwa zwanzig Minuten vor unserem Hotel. In unserem Zustand nehmen wir kaum etwas von unserem Zimmer wahr, sondern fallen totmüde und erleichtert in unser Bett. Erst am nächsten Tag bemerken wir, was wir uns für eine fantastische Unterkunft ausgesucht haben. Das Hotel liegt direkt im Touristenviertel von Kathmandu, jedoch etwas versteckt in einer Seitenstraße fernab von dem Straßenlärm. Es ist sauber und das Personal sehr freundlich und hilfsbereit. Und das Frühstück ist wohl das Beste, welches wir jemals auf dieser Reise gegessen haben! Am großen Frühstücksbuffet schaufeln wir uns die Teller voll und kommen bereits mit den ersten Leuten ins Gespräch, die gerade die Annapurna-Umrundung hinter sich haben.

Auch wir haben den Annapurna-Trek, auch Annapurna Circuit genannt, im Visier. Dieser Wanderweg gilt als einer der schönsten und vielseitigsten Wanderwege in Nepal und führt einmal um das Annapurna-Massiv herum, einer Reihe von mehreren knapp 8000m hohen Bergen. Abhängig von der eigenen Fitness kann der Trek in zwei bis drei Wochen komplett gelaufen werden. Das eigentliche Highlight stellt dabei der Thorong-La Pass dar, der auf etwa der Hälfte des Weges mit 5416 m als höchster begehbarer Bergpass der Welt auch der höchster Punkt auf der Wanderung ist. Die Querung dieses Passes ist für viele Wanderer das Einzige, was zählt. Darum lassen sich viele Touristen von Reiseveranstaltern mit dem Jeep fast bis an den Pass heranfahren. In knapp einer Woche wird dann der Pass ohne ausreichende Akklimatisierung in der Höhe überquert. Dass es dabei jährlich zu vielen Unglücken durch die Höhenkrankheit kommt, ist bei der hohen Anzahl an Wanderen leider nicht verwunderlich. Auch wir haben uns im Vorfeld unsere Gedanken gemacht, wie wir diesen Trek angehen sollen. Wie viel Zeit planen wir ein? Brauchen wir einen Guide, damit wir uns nicht velaufen und der bei Wetterumbrüchen weiß, was zu tun ist? Erst 2014 starben 43 Menschen auf dem Pass, nachdem sie von einem plötzlich aufkommenden Blizzard überrascht wurden. Da macht man sich so seine Gedanken.

Doch im Grunde gilt der Annapurna Trek nicht als technisch besonders anspruchsvoll. Der Weg ist sehr gut markiert und man ist selten alleine unterwegs. Immer wieder trifft man auf andere Wanderer oder Reisegruppen mit Guide, die einem gerne weiterhelfen. Für uns war damit klar, dass wir den Trek auf jeden Fall auf eigenen Faust angehen werden. Ein paar Wochen allein durchs Himalaya laufen – was soll da schon schiefgehen? 😉 Ebenso haben wir auf einen Porter verzichtet. Das sind Einheimische, die alles oder einen Teil des Gepäcks während des ganzen Weges tragen. Doch wenn wir schon diese Tour laufen, dann schleppen wir unseren Krempel auch selbst.

Für dieses Vorhaben wollen wir uns drei Wochen Zeit nehmen. Wenn es am Ende nicht reicht oder wir keine Lust mehr haben, können wir nach dem Pass in den tiefer gelegenen Dörfern in einen Bus oder Jeep steigen und wieder zurück in die Hauptstadt fahren. Bis unsere Tour beginnt, gibt es aber noch einiges zu tun.

Kathmandu lädt nicht gerade zu einem gemütlichen Stadtspaziergang ein. Durch die engen und staubigen Gassen quetschen sich Mopeds, Motorräder und kleine Taxen. Die meisten Leute tragen einen Mundschutz. Es ist stets laut und hektisch, zudem findet man sich in den verwinkelten Gassen kaum zurecht. Wir wollen so wenig Zeit wie möglich hier verbringen und erledigen in zwei Tagen alle notwendigen Dinge. Wir machen Passbilder, beantragen unsere Wanderberechtigungen für den Annapurna Trek, besorgen uns eine Sim-Karte für den Notfall und kaufen bzw. leihen uns die letzten Ausrüstungsgegenstände. Viel haben wir zwar schon dabei, aber Wanderstöcke, dicke Handschuhe und Schlafsäcke für Temperaturen bis -10°C stehen noch auf unserer Liste. All das bekommt man in Kathmandu ohne größere Probleme. In unserem Touristenviertel reiht sich ein Outdoor-Geschäft neben das andere und alle haben Imitate bekannter Outdoor-Marken bis unter das Dach hängen. Was wir auf der Wanderung nicht brauchen, können wir währendessen in unserem Hotel zurücklassen. Schnell noch einmal Wäsche waschen und dann geht es auch schon los.

Die erste Etappe auf unserem Trek ist auch gleich eine der Härtesten: Die Fahrt mit dem Bus von Kathmandu zu unserem Startpunkt in Bhulbhule. Wir stehen früh um 4 Uhr auf und packen unseren Rucksack fertig. Das Hotelpersonal gibt uns netterweise ein kleines Frühstückspaket mit, denn es gibt noch kein Frühstück im Speisesaal, als uns das reservierte Taxi vorne an der Straße abholt. Wir holpern über die noch nicht sehr belebten Straßen zum Busbahnhof und suchen unseren Bus. Selbst in den frühen Morgenstunden herrscht dort schon reges Treiben. Am Ticketschalter wollen wir nachfragen, wo unser Bus abfährt. Mehrere Leute in der Schlange vor dem Verkaufsschalter werfen einen prüfenden Blick auf unser Ticket und reichen es weiter. Irgendwann fällt es drei jungen Männern in die Hände und sie führen uns hinter das Terminal zu einem Bus. Dieser ist, wie fast alle Busse und LKWs in Nepal, aus indischer Manufaktur und sieht so aus, als hätte er seine beste Zeit bereits lange hinter sich. Neben dem Bus warten noch zwei Australier. Auch sie wollen zum Annapurna Trek aufbrechen und haben die selbe Busfahrt vor sich. Die beiden heißen Nathan und Tim. Wir sind froh, nicht die einzigen Touristen in diesem Bus zu sein. Das Gleiche denkt sich auch Juliette, eine alleinreisende Französin, die mit verunsichertem Blick in den Bus steigt und sich auf den Platz vor uns setzt. Ein paar Nepalesen steigen noch mit ein, dann geht es auch schon los. Die drei Männer vom Ticketschalter springen ebenfalls in den Bus, bleiben aber im Türbereich stehen. Sie sind so etwas wie die Reisebegleiter auf dieser Fahrt.

Der Bus ist nicht einmal halb voll und wir freuen uns auf eine ruhige und halbwegs entspannte Fahrt. Doch daraus wird nichts. Anstatt auf direktem Wege Kathmandu zu verlassen, fahren wir zuerst durch einige belebte Straßen der Hauptstadt. Staub und Abgase wirbeln durch die undichten Fenster in den Innenraum. Im Schritttempo kriecht der Wagen am Gehsteig vorbei und die drei Jungs rufen laut “Besisahar“, den Zielort unserer Fahrt in die Menschenmenge. Hin und wieder stoppt der Bus und es steigen weitere Leute zu. Das ganze Spiel dauert so lange, bis alle Sitzplätze inklusive Mittelgang mit Passagieren gefüllt sind. Bis wir Kathmandu verlassen, vergehen eineinhalb Stunden. Die Fahrt wird deshalb aber nicht angenehmer. Es ist wohl normal, dass in Nepal grundsätzlich in Bussen laut Musik abgespielt wird. Aus einer alten Soundbox ertönt indische oder nepalesische Volksmusik so laut, dass die hohen Töne aus dem kratzigen Lautsprecher in den Ohren schmerzen. Natürlich kann man diese Musik mal hören, aber nicht über Stunden! Selbst die einheimischen Fahrgäste sind irgendwann genervt. Meine Bitte, die Musik doch ein wenig leiser zu drehen, wird freundlich aber bestimmt abgelehnt.

Sekunden werden zu Stunden, Stunden werden zu Tage. Wie lange sind wir schon in diesem Bus? Die Uhr sagt, dass wir seit neun Stunden durch Nepal gondeln, als wir endlich das kleine Örtchen Besisahar erreichen. Es fängt an zu regnen. Wir sind so fertig von der Busfahrt, dass wir uns zusammen mit Juliette, Nathan und Tim erstmal in einem Café etwas Warmes zu trinken gönnen. Das eigentliche Ziel von uns fünf ist nicht Besisahar, sondern der Ort Bhulbhule, den man nach einer zwei- bis dreistündigen Wanderung erreicht. Allerdings ist es schon sehr spät, wir sind total platt und der Regen draußen wird auch nicht weniger. Also entscheiden wir uns für eine weitere Busfahrt. In einem noch älteren, noch engeren, noch vollerem Bus fahren wir also über holprige Bergstraßen nach Bhulbhule. Nur wenn man die Knie zur Seite dreht, kann man hinter dem Vordermann auf der schmalen Bank Platz nehmen. Und dabei sind wir beide selbst nicht gerade groß. Irgendwann bekommt Caro noch ein kleines Kind mit einem Becher Eis auf den Schoß gesetzt. Das macht es auf dem holprigen Weg nicht leichter. Die Straßen sind so schlecht, dass es uns ein paar Mal richtig aus dem Sitz hebt. Der Regen nimmt weiter zu. Nach weiteren eineinhalb Stunden stehen wir endlich in Bhulbhule, laden die Rucksäcke vom Dach des Busses und flüchten direkt in die erstbeste Unterkunft. Das alte Haus am Hang ist reiner Bretterverschlag. Durch die Zimmer weht ein kalter Wind. Wir befinden uns auf 890 m über dem Meeresspiegel. Wie werden erst die Unterkünfte auf über 4000 m aussehen? Wir teilen uns mit Juliette ein 3-Bett-Zimmer und kriechen total erschöpft in unsere Schlafsäcke. Was für ein Höllentrip! Da sind wir noch keinen Meter gewandert und körperlich und mental schon komplett am Ende. Wir haben keine Ahnung, wie wir die kommenden Wochen überstehen sollen.

Am nächsten Morgen ist die Motivation wieder da und wir brechen nach einem ausgiebigen Frühstück sofort auf. Gleich auf den ersten Metern begegnen wir einem Paar aus Deutschland, Eva und Wolfgang. Die beiden beginnen gerade ihre einjährige Weltreise in Nepal und gehen die Annapurna-Runde, genau wie wir, auf eigene Faust. Zu viert beginnen wir gemeinsam unsere ersten Etappen durch ein Tal am Fluss Marsyangdi entlang. Es ist noch so warm, dass man in T-Shirt und kurzen Hosen laufen kann. Um uns herum sind grüne Wälder und vor allem viele Reisterrassen, die von den einheimischen Leuten aus den umliegenden Dörfern bewirtschaftet werden. Immer wieder laufen wir auf oder parallel zu einer Straße, auf der Menschen und Nahrung in die höher liegenden Ortschaften transportiert werden. Manang ist der letzte Ort, der über diese Straße mit dem Auto erreicht werden kann. Danach geht es wirklich nur noch zu Fuß weiter. Das auf 3500 m gelegene Manang ist daher unser erstes großes Zwischenziel auf dem Trek.

Bis dahin vergehen allerdings noch einige Tage. Und da wir jeden Tag etwas höher steigen, verändert sich auch die Gegend um uns herum immer ein wenig mehr. Zu viert wird uns auf den langen Wanderpassagen nie langweilig und es ist auch einfacher, für die Übernachtung eine gute Unterkunft zu finden. Gerade in den unteren Höhenlagen sind wenige Wanderer unterwegs, da sich die meisten Reisenden mit dem Jeeps in die höher gelegenen Orte fahren lassen. Nicht jeder hat drei Wochen Zeit für diese Tour. Daher sind die Leute in den Gasthäusern auch sehr kompromissbereit. Wenn wir zu viert beim Gastwirt Abendessen und Frühstücken bestellen, übernachten wir fast immer umsonst. Die Gästehäuser in den kleinen Dörfern, die auf dem Weg unseres Treks liegen, sind prinzipiell alle nicht schlecht, sofern man sich auf einen gewissen niedrigen Standard einlässt. Zwar wird oft mit warmen Duschen und WLAN geworben, darauf sollte man hier im Himalaya aber wirklich nichts geben. Dennoch gibt es Doppelzimmer, manchmal sogar mit eigenem Bad. Einige Gasthäuser haben westliche Toiletten, also wie man sie aus Deutschland kennt. Meistens gibt es allerdings nur Löcher im Boden, was am Anfang eine gewissen Umstellung erfordert. Details sparen wir uns an dieser Stelle. 😉 Ansonsten muss man eben seine Ansprüche zurückschrauben. Die Matratzen auf den Betten sind hauchdünn und die Betten selbst nicht frisch. Oft findet man noch Spuren des Vorgängers darin. Wir schlafen manchmal in Lehmbauten, teilweise auch in Hütten, bei denen man vom Nachbarzimmer nur durch eine ein Zentimeter dicke Holzwand getrennt ist. Beheizt sind die Zimmer grundsätzlich nie. Es gibt nur einen mehr oder weniger warmen Raum und das ist der Aufenthaltsraum, in dem gegessen und abends die Route für den nächsten Tag geplant wird.

Das Essen in den Gasthäusern ist lecker und sehr abwechlungsreich. Je weiter man nach oben steigt, desto teurer werden auch die Preise auf der Speisekarte. Trotzdem leben wir hier in Nepal, verglichen zu unseren anderen Ländern auf dieser Reise, richtig günstig. Wir bleiben aber auch eher bei den preiswerten Gerichten und lassen vor allem von Fleisch die Finger. Fleisch ist in den Dörfern, die teilweise ohne Strom und Kühlmöglichkeiten auskommen müssen für uns ein zu großes Risiko. Mit Reis, Nudel und Kartoffel sind wir auf der sicheren Seite und holen uns genug Energie für den nächsten Tag auf den Teller.

Als wir den Ort Timang erreichen, verlassen wir das Tal, durch das wir die letzten Tage gewandert sind. Doch der Blick auf die Umgebung um uns herum, wird doch die tief hängenden Wolken versperrt. Erst am nächsten Tag nach einer klaren (und sehr kalten) Nacht, sehen wir das gigantische Bergmassiv um uns herum. Weiter hinten am Horizont taucht mit dem Manaslu der erste 8000er vor uns auf. Auch wenn wir schon einige Tage unterwegs sind, wird einem erst langsam klar, wo man hier eigentlich ist. Im Himalya. Auf Höhen, bei denen man in den Alpen schon Pickel und Steigeisen benötigt. Wir sind fernab von Städten mitten im nichts. Umso erstaunlicher, dass es selbst hier noch kleine Bergdörfer gibt. Die Leute leben ohne Strom, ohne Straße und ohne Telefonnetz. Wir werden stets freundlich begrüßt, vor allem von den Kindern, die uns wild winkend ein “Namaste!” zurufen, wenn wir auf den staubigen Wegen zwischen Ziegen und Yaks durch die Ortschaften laufen. Man hat sich an die vielen Wanderer gewöhnt, die hier aus allen Ecken der Welt den Annapurna Trek laufen. Und auch wir gewöhnen uns immer mehr an das Leben hier in den Bergen. An den enorm schweren Rucksack. An die Kälte auf den Zimmern. An schlammige Schuhe, staubige Hosen und sonnenverbrannte Hände. Wir vergessen alle Sorgen irgendwo zwischen den tiefen Tälern und den schneebedeckten Gipfeln und sind einfach nur froh, wenn das Abendessen reichhaltig und das Zimmer halbwegs sauber ist. Doch an eine Sache gewöhnen wir uns nie: An den unglaublichen Ausblick, der uns tagtäglich auf unserer Wanderung begleitet.

Von dem kleinen Örtchen Upper Pisang starten wir unsere lange Etappe nach Manang. Dort wollen wir uns erstmal einen Tag Pause gönnen, bevor es weiter in richtig Thorong-La Pass geht. Beim Verlassen von Upper Pisang begleitet uns eine Weile ein Hund. Wir taufen ihn Momo, angelehnt an die leckeren gefüllten Teigtaschen, die es nahezu überall in Nepal zu kaufen gibt. Momo läuft den Trek eine ganze Weile mit uns mit, wahrscheinlich weil er etwas zu essen in unseren großen Rucksäcken vermutet. An einem besonders steilen Aufstieg bleibt er dann zurück. Hat er wohl keine Lust drauf. Wir haben keine andere Wahl und müssen dort hoch. Manang liegt bereits auf
3500 m, das bedeutet für uns nochmal einen ordentlichen Aufstieg. Nach etwas über neuen Stunden sind wir endlich am Ziel und erreichen das kleine Städtchen, das quasi das Sammelbecken aller Wanderer vor dem Thorong-La Pass darstellt. Zum ersten Mal müssen wir richtig lange nach einer Unterkunft suchen. Einige sind schon ausgebucht, andere viel zu teuer. Am Ende bekommen wir noch ein ganz passables Zimmer umsonst und erholen uns von dem langen Tag. Eva ist gesundheitlich etwas angeschlagen und ich (Michi) habe leichte Kopfschmerzen von der Höhe. Es ist eine gute Entscheidung, hier für einen Tag Pause zu machen und neue Kraft zu tanken. Es gibt in Manang auch eine medizinische Einrichtung, die von internationalen Ärzten auf freiwilliger Basis betreut wird. Jeden Tag wird dort bei einem Vortrag über die Höhenkrankheit aufgeklärt. Nicht umsonst, wenn man bedenkt, wie viele hunderte Leute jedes Jahr mit Hubschraubern vom Berg gerettet werden müssen, da sie die Anzeichen der Krankheit ignorieren oder sich nicht entsprechend vorbereitet haben.

Nach einem Tag Pause wollen wir wieder die Rucksäcke schultern, doch Eva geht es weiterhin schlecht. Sie will mit Wolfgang noch einen weitern Tag Pause machen und sich erholen. Wir wären sehr gerne mit den beiden noch etwas geblieben, aber wenn wir den Trek wirklich bis zum Ende laufen wollen, müssen wir leider weiter. Mehr als drei Wochen haben wir nicht Zeit, da unser Visum für Nepal nur 30 Tage gilt. Eva und Wolfgang haben ein Visum für 90 Tage und entsprechend mehr Zeit für die Tour eingeplant. Nach einer Woche gemeinsamer Wanderung, trennen sich also in Manang unsere Wege. Wir machen uns alleine auf den weiteren Weg in Richtung 4000er-Grenze…

Hier machen wir erstmal einen Pause, damit ihr nicht so viel lesen müsst. 😉 Im nächsten Teil erfahrt ihr dann, ob wir es tatsächlich über den Pass geschafft haben und warum eine Weltreise ohne Krankenhausaufenhalt einfach nicht komplett ist.

One Reply to “Wandern über den Wolken (Teil 1)”

  1. Hallo Ihr beiden, danke für den ausführlichen Bericht! Da habt Ihr ja wirklich so einiges erlebt, was auch oft ganz schön heftig war. Es war schön, Euch auf diese Weise begleiten zu dürfen. Danke dafür und für die herrlichen Bilder!
    Wir sehn uns! Ein schönes Eingewönen und liebe Grüße
    Bernadette

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