Es ist ein komisches Gefühl, wenn man nur zu zweit durch die weiten Landschaften des Himalaya wandert, während man zuvor eine Woche lang zu viert unterwegs war. Es ist sehr schade, dass uns Eva und Wolfgang nicht weiter begleiten können und in Manang zurückbleiben. Doch es war die richtige Entscheidung. Sowohl von ihnen, als auch von uns. Denn was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: So schnell werden wir die beiden doch nicht los. 😉

Ab Manang werden unsere Etappen etwas kürzer, dafür geht es weiter in die Höhe. Um nicht an den Symptomen der Höhenkrankheit zu leiden, achten wir darauf, dass die Höhendifferenz zwischen unserem Tagesziel und der vorherigen Übernachtung nicht größer als 500 Höhenmeter ist. Sonst kann es schnell gefährlich werden, wenn man zwischen zwei Nächten einen zu großen Höhenunterschied hat. Im Schlaf wird die Atmung ruhiger und der Körper mit noch weniger Sauerstoff versorgt, welcher ihm ohnehin schon in der Höhe fehlt. Einige Wanderer werden deshalb gerade nachts von der akuten Höhenkrankheit erwischt und müssen im Ernstfall umgehend absteigen.

Um auch für die Höhe auf dem bevorstehenden Thorong-La-Pass gut vorbereitet zu sein, verlassen wir ab Manang den offiziellen Annapurna-Circuit und machen für ein paar Tage einen Abstecher zum Tilichosee. Dieser liegt auf knapp 5000m und eignet sich damit perfekt zur Akklimatisierung. Außerdem soll er eines der Highlights auf der ganzen Tour sein. Die erste Etappe dorthin ist kurz und führt uns nach Khangsar, einem kleinen Dorf, wo wir auch die beiden Australier Tim und Nathan wieder treffen. Es ist wenig los auf diesem Weg zum Tilichosee und der kleine Aufenthaltsraum im einzig bewirteten Gasthaus ist neben den Besitzern nur mit wenigen anderen Reisenden gefüllt. Während wir am kleinen Holzofen kannenweise Tee zum Aufwärmen trinken, fällt draußen der erste Schnee.

Die folgende Etappe führt uns an das sogenannte Basecamp des Tilichosees auf 4150 m. Von dort aus wollen wir am nächsten Tag hoch zum See und wieder zurück ins Camp steigen, um zumindest schon mal die Höhenluft auf knapp 5000 m zu schnuppern. Der Weg zum Basecamp ist allerdings alles andere als leicht und einer der gefährlichsten Abschnitte auf dieser Tour. Die großen Schneemengen, die in der Nacht vom Himmel gefallen sind, fangen schon mit den ersten Sonnenstrahlen an zu schmelzen. Wir müssen uns beeilen, um möglichst bald eine besonders heikle Passage zu queren, da diese ab Nachmittag sehr gefährlich werden kann. Es handelt sich dabei um ein steiles Stück an einem Berghang, welches aus losem Geröll besteht. Sobald die Sonne auf die Bergspitzen des Hangs scheint, lösen sich durch die Erwärmung einzelne Steine und schießen auf dem steilen Hang nach unten. Schon bevor wir die Passage erreichen, zeigt uns ein Schild, dass wir ein unsicheres Areal betreten. Es ist bereits Nachmittag. Wir sind zu spät. Noch immer sehen wir vor uns Wanderer, sogar ganze Eselkarawanen über den unebenen schmalen Geröllpfad laufen. Wir laufen ebenfalls. Den Blick stets nach oben gerichtet, laufen wir zügig über die freien Flächen bis zum nächsten größeren Felsen, hinter dem wir in Deckung gehen können. Gelegentlich schießen faustgroße Steine an uns vorbei und weiter den steilen Hang hinunter in das Flussbett unter uns. Wenn man hier durch einen Steintreffer abrutscht, wird man wahrscheinlich für mehrere hundert Meter nicht zum Stillstand kommen. Etwas unterhalb unseres Pfades liegt ein totes Blauschaf. Wir können erahnen, wie es umgekommen ist. Mehrmals stoppen wir oder rennen schneller, wenn wir das rasselnde Geräusch der Steine hören, die von oben herunter rauschen. Ein Stein trifft Caro am Bein, der andere zieht nur knapp an ihrem Kopf vorbei. Doch abgesehen davon, bleiben wir beide von größeren Schäden verschont. Allerdings wissen wir, dass wir an diesem Abschnitt noch einmal vorbei müssen, wenn wir wieder zu unserer ursprünglichen Annapurna-Runde zurückkehren wollen.

Am Basiscamp des Tilichosees treffen wir erstmals auf richtig viele Wanderer. Der See gehört für viele zum Pflichtprogramm beim Annapurna-Trek und eignet sich hervorragend, um sich besser zu akklimatisieren. Nach einer Nacht im Camp steigen wir am nächsten Tag zusammen mit vielen anderen Wanderern zum See auf. Etwa 900 Höhenmeter Aufstieg stehen heute auf dem Programm. Der stetige Anstieg auf knapp 5000 m gibt uns einen ersten Vorgeschmack auf den Thorong-La-Pass. Allerdings haben wir nicht all unser Gepäck mit dabei, da wir noch am selben Tag ins Basiscamp zurückkehren. Auf dem Weg nach unten begegnen uns – wir können es kaum glauben – Eva und Wolfgang wieder. Die beiden haben in einer monströsen Etappe zu uns aufgeschlossen und machen sich als die letzten Wanderer dieses Tages auf den Weg zum See. Am Abend sitzen wir wieder zu viert am Tisch und verschlingen nach der harten Tour leckeres Dhal Bhat – ein nepalesisches Nationalgericht. Es ist schön, wieder zu viert unterwegs zu sein.

In gewohnter Formation verlassen wir am nächsten Tag das Basiscamp und kehren zum Annapurna-Circuit zurück. Vorbei an dem berüchtigten Geröllhang geht es für uns weiter in Richtung Thorong-La-Pass. Am Basiscamp des Passes in Thorong Phedi verbringen wir unsere vorletzte Nacht, bevor die den höchsten Punkt der Tour erreichen. Wir befinden uns auf 4500 m. Schon von hier aus brechen viele Wanderer in der Nacht auf, um über den Pass zu steigen. Das bedeutet knapp 1000 m Aufstieg und anschließend 1800 m Abstieg nach Muktinath, dem nächsten Ort nach dem Pass. Wir wollen den Aufstieg in zwei Etappen einteilen und verbringen noch eine letzte Nacht vor der Passüberquerung auf dem Thorong-La-Highcamp auf etwa 5000 m. Viele Leute, besonders Gruppen mit Guides, vermeiden diese Übernachtung, da aufgrund der bereits erwähnten geringeren Sauerstoffzufuhr während des Schlafens das Risiko einer akuten Höhenkrankheit sehr hoch ist. Da wir aber bis dahin auf der ganzen Tour keine Anzeichen verspürt haben (außer einmal leichte Kopfschmerzen etwa eine Woche zuvor in Manang), riskieren wir die abenteuerliche Übernachtung im höchsten Camp auf dieser Tour. Es wird nachts richtig kalt. In Thermowäsche, Pulli und Mütze sind wir in unsere Schlafsäcke eingehüllt und versuchen in der kurzen Nacht etwas Schlaf zu finden. Die Höhe verlangt es von uns, dass wir viel trinken. Es ist eigentlich normal, dass wir zwei Mal pro Nacht auf die Toilette müssen. Trotzdem braucht es enorm viel Überwindung, sich aus seinem gerade warm gewordenen Schlafsack zu quälen, mit Stirnlampe draußen über den Hof auf die recht spartanische Toilette zu gehen, um danach wieder in einen kalten Schlafsack zu steigen.

In den frühen Morgenstunden klingelt unser Wecker. Er ist da, der Tag X. Heute geht es über den höchsten begehbaren Pass der Welt. Seit zwei Wochen sind wir nun unterwegs und haben uns langsam immer höher an den Pass herangearbeitet, um ihn heute endlich zu überqueren. Es herrscht ein reges Treiben im Highcamp. Esel werden bepackt, das Equipment gecheckt, die ersten Wanderstöcke klackern den Berg hinauf. Weiter oben sieht man noch immer die Stirnlampen von einigen Leuten, die schon weit vor uns in der Dunkelheit aufgebrochen sind. In einer Karawane aus mehreren Wanderern brechen auch wir bei Sonnenaufgang auf. Da sehr viele Leute den Pass überqueren wollen und gerade zu Beginn der Weg sehr schmal ist, gibt es des öfteren Stau auf der Strecke. Im weiteren Verlauf des Aufstieges wird der Weg breiter und die Menschenkette zieht sich auseinander. Um uns herum erstreckt sich ein gigantisches Bergpanorama, doch so richtig genießen können wir den Anblick nicht. Auf über 5000 m merken wir, wie uns die geringe Sauerstoffaufnahme zu schaffen macht. Jeder einzelne Schritt ist so anstrengend, als würde man drei Treppenstufen auf einmal hochspringen. Wir sind ziemlich am Kämpfen. Anfangs versuchen wir uns noch gegenseitig zu motivieren und abzulenken, doch mit der Zeit wird auch das Reden zu anstrengend. Im Schneckentempo kriechen wir keuchend den Berg hinauf, immer in der Hoffnung, dass sich hinter der nächsten Biegung die ersehnte Passspitze erblicken lässt. Doch wir sehen hinter der nächsten Kurve immer wieder einen weiteren Anstieg. Vom Pass noch keine Spur… Um uns herum kapitulieren einige Leute vor der Höhe, übergeben sich und werden mit gequältem Gesicht auf Eseln über den Pass getragen. Auch wir haben unsere Grenze fast erreicht. Doch dann hören wir Jubel. Wir können nicht erkennen, was hinter dem Hügel ein paar hundert Meter vor uns liegt doch die Leute dort vorne laufen plötzlich wieder schneller, stemmen die Arme in die Luft und stoßen Schreie der Erleichterung aus. Und dann sehen wir sie. Ein Meer aus Gebetsfahnen weht über die Anhöhe, die den höchsten Punkt des Thorong-La-Passes bildet. Das Schild, welches auf diesen besonderen Ort aufmerksam macht, ist unter den vielen bunten Fähnchen kaum noch zu erkennen. Wanderer liegen sich glücklich und zufrieden in den Armen. Wir haben es geschafft!

Lange ausruhen können wir uns dort oben aber nicht, denn es ist eisig kalt. Außerdem haben wir noch 1800 m Abstieg nach Muktinath vor uns. Also schultern wir wieder unsere Rucksäcke und begeben uns auf den steinigen Weg nach unten. Ist jetzt Aufstieg oder Abstieg schöner? Eigentlich keines von beiden. Zwar fällt uns das Atmen nach einiger Zeit wieder leichter, aber der steile Weg nach unten ist mit den schweren Rucksäcken auch nicht gerade angenehm. Die Wanderstöcke stemmen wir rechts und links in den Boden und wackeln in kleinen Schritten nach unten in Richtung der großen Talöffnung, die sich vor uns ausbreitet. Was für ein Ausblick. Nur leider wollen die kleinen Häuser weit unten in der Ferne einfach nicht näher kommen! Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir irgendwann mal ein kleines Bergrestaurant und holen uns überfälliges Mittagessen nach. Anschließend geht es noch ein ganzes Stück weiter nach unten, vorbei an kargen Steppenlandschaften, bis wir endlich hinter einem Berg das lang ersehnte Muktinath erreichen. Wir übernachten im Bob Marley Hotel, das, wie der Name schon vermuten lässt, einen gewissen Reggae-Charme versprüht und im Aufenthaltsraum den ganzen Tag Musik von Bob Marley spielt. Das Essen dort ist verhältnismäßig teuer, aber dafür sehr gut. Hauptsächlich steigen wir dort jedoch wegen der Duschen ab, da uns gesagt wurde, dass diese absolut fantastisch sind. Und die haben wir dringend nötig!

Auf der anderen Seite des Thorong-La-Passes hat sich die Landschaft komplett geändert. Selbst in tieferen Lagen gibt es nur wenige Bäume und dafür umso mehr Steppe. Größtenteils führt uns der Weg entlang eines riesigen ausgetrockneten Flussbettes umringt von Bergen, durch die ab dem frühen Nachmittag ein so starker Wind pfeift, dass es uns manchmal fast umhaut. Staub peitscht uns ins Gesicht und ein Vorwärtskommen ist kaum noch möglich. Zudem hat die lange Etappe über den Pass uns ordentlich müde gemacht. Unsere Wanderungen beschränken sich daher nur noch auf den Vormittag und werden immer kürzer. Caro und ich wissen, dass wir es in diesem Tempo nicht rechtzeitig bis an das Ende der Annapurna-Runde kommen werden. Darum beschließen wir, ab dem Ort Kalopani mit dem Bus weiter zu fahren. Für unsere vierköpfige Wandertruppe, die sich gemeinsam (bis auf eine kurze Ausnahme) 18 Tage durch das Himalaya gekämpft hat, bedeutet das die endgültige Trennung. Eva und Wolfgang haben noch etwas mehr Zeit und wollen den Trek komplett zu Ende laufen. Die beiden sind ebenfalls auf einer Weltreise und haben in dem Land begonnen, in dem unsere Reise enden wird. Wir hoffen, dass wir die beiden in einem Jahr gesund und munter wieder sehen. Den Ort haben wir schon geklärt: Ein nepalesisches Restaurant in München. 🙂

Gibt es eine bessere Motivation als Angst? Wer einmal mit dem Bus auf der Straße in Richtung Annapurna-Trek gefahren ist, der möchte den Rundweg so weit wie möglich zu Fuß zurücklegen, um so wenig Strecke wie möglich mit dem Bus zu fahren. Ach, wie haben wir diese Schaukelei vermisst. Erneut gondeln wir für Stunden über Straßen, die der durchschnittliche Mitteleuropäer nicht mal mit seinem SUV fahren würde. Glücklicherweise werden wir diesmal nicht über die komplette Fahrt mit nepalesischer Volksmusik beschallt, sondern können uns in Ruhe voll und ganz darauf konzentrieren, beim nächsten Hüpfer des Busses nicht von der Sitzbank zu fallen. Einige Male wird unsere Fahrt jäh unterbrochen. Zwei Mal hat ein Erdrutsch Teile der Straße verschüttet und wir warten für zwei Stunden, bis ein Bagger die Straße frei geräumt hat. Wenig später begegnet uns ein anderer Bagger auf der schmalen Straße und ein Vorbeikommen ist nicht möglich. Sowohl hinter dem Bagger, als auch hinter unserem Bus schlängelt sich eine Kolonne aus weiteren Fahrzeugen. Bis sich dieses Chaos auf der engen Straße direkt neben dem Abgrund auflöst, vergeht nochmal viel Zeit. Aber mittlerweile kann uns nichts mehr erschüttern. Wir sehen es mit nepalesischer Gelassenheit, denn ändern können wir sowieso nichts. Zudem sind wir müde und freuen uns nur noch auf unser Zwischenziel Tatopani, ein Ort, der wegen seiner heißen Naturquellen viele erschöpfte Wanderer zum Verweilen einlädt. Von dort geht es am nächsten Tag mit dem Bus weiter nach Pokhara, nach den Meinungen vieler Leute die schönste Stadt in Nepal. Hier gönnen wir uns mal wieder richtig leckeres Essen und eine ausgiebige Massage.

Von Pokhara nach Kathmandu haben wir nochmal eine siebenstündige Busreise vor uns. Weil wir auf dem Trek relativ sparsam gelebt haben, buchen wir uns für diese allerletzte Fahrt den besten Bus, den wir kriegen können. Und der hat es in sich! Ein luxuriöser Reisebus parkt ganz in der Nähe von unserem Hotel. Die Sitze sind so breit wie ein Wohnzimmersessel, sodass nur drei Stück in eine Reihe passen. So ähnlich kennen wir das schon aus Bussen aus Südamerika, doch diese hier sind noch komplett aus Leder und lassen sich elektrisch verstellen. An Board werden wir mit Snacks und Getränken begrüßt und auf halber Strecke machen wir in einem noblen Restaurant Pause, wo man sich beliebig oft am Buffet bedienen kann. Nicht schlecht! Der Kampf um ein vernünftiges Taxi am Bahnhof wird zum letzten großen Kraftakt auf unserem Trek, bis wir endlich wieder unser Hotel in Kathmandu erreichen und vollkommen erleichtert in unser Bett fallen. Noch drei Nächte bleiben uns in der nepalesischen Hauptstadt, bis wir wieder in den Flieger steigen. Wir wollen uns in Ruhe Zeit nehmen, um unsere Wäsche zu waschen, die Leihausrüstung zurückzugeben und noch etwas die Stadt zu erkunden, von der wir bisher nicht wirklich viel gesehen haben. Doch daraus wird leider nichts.

Die erste Nacht nach unserer Rückkehr in das gemütliche Hotel wird für mich (Michi) bereits zur Qual. Ich habe das Gefühl, mein Magen sitzt in einer Achterbahn und rennt gleichzeitig Marathon. Nach einer langen Nacht mit wenig Schlaf bin ich kaum zu etwas fähig. In zwei Tagen geht unser Flug und ich in diesem Zustand? Keine gute Situation. Caro fragt an der Hotelrezeption nach einem Arzt und wird auf ein Privatkrankenhaus für Touristen verwiesen. Ich schleppe mich aus dem vierten Stock unseres Hotels in ein Taxi und wir machen uns auf die halbstündige Tour durch Kathmandu. In einem Land wie Nepal sind unsere Erwartungen an die medizinische Versorgung eher gering. Wir befürchten, dass wir für drei Stunden in einem muffigen Zimmer warten und nach einer fünfminütigen Untersuchung beim Arzt mit einer Packung Antibiotika nach Hause geschickt werden. Doch es kommt ganz anders.

Das Hotel hat unser Kommen bereits angekündigt und drei Klinikmitarbeiter erwarten uns bereits am Eingang. Wir werden in einen Untersuchungsraum gebracht, in dem mehrere Betten durch Vorhänge voneinander getrennt sind. Die junge Ärztin fragt, woher ich komme. “Oh Germany, that’s perfect!”, sagt sie mit einem strahlenden Gesicht und zieht den Vorhang neben meinem Bett zur Seite. Nebenan liegt eine Frau aus Deutschland, die kein Englisch spricht und so werde ich erstmal als Dolmetscher eingesetzt, bevor ich meine eigenen Symptome schildern kann. Meine Diagnose: Lebensmittelvergiftung. Also erstmal das volle Programm mit Blutabnahme, Infusion, EKG, Röntgen, Ultraschall und über Nacht soll ich auch im Hospital bleiben. Ich bin erstaunt und schockiert zugleich. Einen Krankenhausaufenthalt in Kathmandu hatte ich nicht unbedingt auf meiner To-Do-Liste. Doch der Standard ist relativ hoch. Ich beziehe ein geräumiges Einzelzimmer, dass durch das alte Doppelbett und das Marmorbad erkennen lässt, dass das Gebäude früher mal ein Hotel gewesen sein muss und die Einrichtung einfach beibehalten wurde. Bereits nach einer Nacht geht es mir besser und ich darf das Hotel am Abend des Folgetages verlassen. Gerade noch rechtzeitig, denn am nächsten Morgen startet bereits unser Flugzeug.

Diesen Stress hätten wir auf den letzten Tagen unserer Reise nun wirklich nicht mehr gebraucht. Andererseits können wir im Nachhinein darüber lachen und haben nun eine weitere lustige Geschichte im Gepäck, als wir die Maschine am Flughafen besteigen, die uns an das Ziel bringt, auf das wir uns jetzt am allermeisten freuen: Unser Zuhause.

Mit Nepal hat unsere Reise definitiv einen krönenden Abschluss gefunden. In keinem anderen Land sind wir den Einheimischen so nah gekommen und durften an deren Leben teilhaben. Wenn es auch körperlich das mit Abstand anstrengendste Land war, so konnten wir doch mental absolut abschalten, da wir uns nicht um das Planen irgendwelcher Unternehmungen kümmern mussten. Wir sind einfach nur gelaufen. Dabei waren wir in Gegenden, wie wir sie noch vor einigen Monaten mit viel Fernweh auf dem Doku-Kanal im Fernsehen bewundert haben. Es war herrlich, jeden Abend an einem neuen Ort mit neuen Menschen einzukehren und genauso schön war es, dass wir fast permanent mit Eva und Wolfgang eine super Begleitung hatten. Die Gedanken über die letzten Tage kreisen noch lange in unserem Kopf, während das Flugzeug in Kathmandu auf dem Rollfeld steht und der Pilot verkündet, dass wir noch einige Zeit auf eine Startfreigabe warten müssen. Erst als wir mit zwei Stunden Verspätung endlich abheben, fragen wir uns, ob wir wohl noch unseren Anschlussflug in Dubai erreichen werden. Tatsächlich ist es zeitlich schon ziemlich eng, als wir endlich in der großen Wüstenstadt ankommen. Direkt am Eingangsbereich zu den Anschlussflügen informiert ein Mitarbeiter, dass nur noch zwei Verbindungen erreicht werden können. Eine Maschine nach Moskau, sowie unser Flug nach München. Glück gehabt! In einem kleinen Bus werden also nur drei Personen (eine Frau die nach Moskau möchte und wir) in das andere Terminal gefahren. Knapp zwanzig Minuten fahren wir über den riesigen Flughafen und sehen in der Ferne die Skyline von Dubai mit dem Burj Khalifa, der so unwirklich in die Höhe ragt, dass alle anderen Wolkenkratzer daneben nur wie kleine Häuschen aussehen.

Als wir das Gate von unserem Anschlussflug erreichen, hat das Boarding bereits begonnen. Wir nehmen in einem gigantischen Airbus A380 Platz und haben für diese letzten sechs Stunden den angenehmsten Flug auf der ganzen Reise. Noch immer können wir nicht so ganz fassen, was wir eigentlich getan haben. So unwirklich, wie die Reise noch vor einem Jahr erschien, so unwirklich erscheint es uns jetzt, wieder nach Deutschland zurückzukehren.

 

One Reply to “Wandern über den Wolken (Teil 2)”

  1. Oh wie cool endlich lesen zu können, wie es euch noch ergangen ist! 🙂 Da hattet ihr ja noch spannende letzte Tage!
    Hach, Nepal war schon nicht schlecht.
    Und wie ist es jetzt wieder in der Heimat zu sein? Seid ihr schon wieder voll im Alltag angekommen? Viele Grüße aus Thailand! ✌

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