Wenn man sich ständig in der südlichen Hemisphäre befindet, will irgendwie keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen. Das liegt zum einen daran, dass wir für dieses Jahr überhaupt keine Vorbereitungen dafür treffen müssen und noch nicht einmal wissen, wo wir am 24. Dezember genau sein werden. Zum anderen hindern uns sommerliche Temperaturen und Sonnenbrand daran, dass die typische besinnliche Stimmung eines gemütlichen Abends am Weihnachtsmarkt mit dicker Mütze und Handschuhen bei einem Glas Feuerzangenbowle aufkommen kann. Das ändert sich auch nicht, wenn am Flughafen in Buenos Aires plötzlich in der Abflughalle „Jingle Bells“ durch die Lautsprecher schallt und Kunstschnee von der Decke fällt. Nein, Weihnachten haben wir gerade eher nicht im Kopf. Unsere Gedanken schweifen zu diesem Zeitpunkt um unser nächstes Ziel: Australien.

Zuerst geht es für 13 Stunden von Buenos Aires nach Auckland in Neuseeland. Nach einem kurzen Aufenthalt von knapp zwei Stunden steigen wir wieder in eine Maschine und führen unsere Reise nach Melbourne fort, das wir knapp vier Stunden später erreichen. Wir sind uns beide einig, dass wir noch nie eine bessere Flugreise wie diese hatten. Die Fluggesellschaft „Air New Zealand“ hat eine prima Service an Bord und durch den Anschlussflug von Neuseeland nach Australien kommen wir sogar noch in den Genuss eines zweiten leckeren Frühstücks im Flieger. Leider hat die Flugzeit mal wieder nicht gerreicht, um alle interessanten Filme zu sehen. Ist aber auch schwierig, wenn alle sieben Filme von Star Wars in der Mediathek verfügbar sind.

Das Prozedere am Flughafen von Melbourne bestätigt das, was wir schon oft bei der Vorbereitung unserer Reise im Internet gelesen haben: Die Kontrollen nach Australien sind streng und die Schlangen an den Passkontrollen ziehen sich durch die ganze Flughafenhalle. Wir stehen erstmal eine Weile an. Ausweis, Impfpass, alles muss vorgelegt werden. Zum Glück können wir den Zoll davon überzeugen, dass er nicht unsere Rucksäcke auseinandernehmen muss und so treten wir nach einer gefühlten Ewigkeit aus dem Flughafengebäude nach draußen in die Wärme.

Mit Bus und Zug fahren wir nach Newport, einen kleinen Vorort von Melbourne, der unweigerlich die Atmosphäre eines typischen amerikanischen Vorstadtviertels versprüht. Eng aneinandergereiht stehen die Einfamilienhäuser, Lichterketten hängen am Gartenzaun und aus dem Vorgarten winkt uns Santa Claus aus Plastik entgegen. Ich glaube, er hat eine Schweißperle auf der Stirn. Wahrscheinlich ist er bis Weihnachten geschmolzen.

Wir wohnen im Haus von Rachael und Steffan und ihrem zweijährigen Sohn. Die junge Familie stellt uns ein Schlafzimmer mit eigenem Bad zu Verfügung und wir können es uns abends in ihrer geräumigen Wohnküche gemütlich machen. Zur Begrüßung haben sie uns den Kühlschrank schon mit Bier, Wein und ein paar Kleinigkeiten zu Essen gefüllt. Nach den ganzen letzten Wochen mit Mehrbettzimmern, abgerockten Küchen und Gemeinschaftsbädern fühlen wir uns hier wie im Hilton-Hotel. Rachael und Steffan sind jeden Tag lange auf der Arbeit, deshalb trifft man sie nur am Abend zuhause an. Die meiste Zeit haben wir das Haus komplett für uns. Doch wir sind selbst kaum in unserer schönen Unterkunft, denn das eigentliche Ziel liegt eine viertel Stunde mit der Bahn entfernt.

Die Innenstadt von Melbourne ist einfach…fancy! Mit einem deutschen Wort lässt sich das nicht beschreiben, denn in Deutschland haben wir noch nichts Vergleichbares gesehen. Alles hier ist irgendwie bunter, schöner, sauberer, einfach extravagant und rausgeputzt. Wunderschöne alte Kirchen stehen im Schatten gläserner Wolkenkratzer, die geschwungen oder in irren Winkeln gen Himmel wachsen. In den zahlreichen und großen Parkanlagen liegen die Leute im kräftig grünen, unkrautfreiem Rasen und lauschen den Musikern auf der Freiluftbühne. Im Stadtzentrum fährt jeder kostenlos mit der Straßenbahn. Überall gibt es kostenfreie Trinkwasserspender. Die zahlreichen Radfahrer haben eine zur Autospur baulich getrennte Radstraße und auf den öffentlichen Toiletten kann man vom Boden essen. Während die südamerikanischen Städte dem europäischen Standard hinterher hinken, ist man in Melbourne drei Schritte voraus.

Die Stadt wird gerne als „Genussstadt“ betitelt mit tollen Rooftop-Bars, unzähligen Hipster-Cafés und den weltbesten Restaurants. Also geben wir uns dem einfach hin. Wir schlendern durch verwinkelte Gassen und bestaunen die echt fantastischen Werke der Street Art-Künstler, essen Tapas im Szeneviertel oder machen einfach ein Nickerchen im Stadtpark. Vom Fluss dröhnt von den Schiffen laute Partymusik ans Ufer, denn einige Firmen haben Weihnachtsfeier.

Am Mittwoch klettert das Thermometer auf über 40°C und wir haben keine Lust in den Straßen aufzubrennen, also fahren wir in den Bezirk St. Kilda und kühlen uns zum ersten Mal auf unserer Reise im Pazifik ab. Am Abend besuchen wir den berühmten Queen Victoria Market, an dem einmal pro Woche ein Nachtmarkt mit riesiger Streetfood-Meile stattfindet. Fatal. Wir wollten doch Geld sparen. Was solls…

Die folgenden Tage verbringen wir auf ähnliche Weise. Wir besuchen zwar gezielt ein paar Ecken, doch hauptsächlich schlendern wir herum und lassen uns vom Geschehen der Stadt treiben. Etwas besonders Sehenswertes hat Melbourne nicht. Es ist die Stadt selbst und das Leben, dass man spüren muss. Und es fühlt sich gut an.

Es ist leicht sich in die Stadt zu verlieben und Caro ist diesem Charme auch direkt verfallen. Durch den direkten Sprung unserer Reise von Buenos Aires nach Melbourne wirkt die australische Metropole auf mich aber etwas zu stark geschminkt. Ich vermisse etwas das rauchigschmutziglatinasexytangorotwein-Flair aus Argentinien und so fällt es diesmal mir etwas leichter, als wir Melbourne wieder mit dem Flugzeug verlassen und schon nach etwas mehr als einer Stunde wieder zur Landung in Adelaide ansetzen. Und so langsam steigt die Nervosität, denn nun sind es nur noch wenige Tage, bis wir unseren großen Roadtrip durch Down Under starten und dafür unser rollendes Zuhause für die nächsten Monate in Empfang nehmen. Hoffen wir mal, dass alles klappt…

4 Replies to “Willkommen in Down Under!”

  1. Genießt diese wunderbare Stadt! Melbourne ist wirklich sehr schön und ich stimme euren Beschreibungen vollkommen zu! Auch ich bin verliebt in diese Stadt, genauso wie in den Rest des wunderschönen Australiens! Freut euch auf alles, was jetzt folgt. Ich hoffe, ihr seid genauso begeistert wie ich und habt eine schöne Zeit dort 🙂

    1. Melbourne haben wir auf jeden Fall genossen! Dafür haben wir uns auch ausreichend Zeit eingeräumt. Wir sind schon voller Vorfreude auf das was kommt, allerdings auch etwas angespannt. Mal sehen wie das wird, wenn wir unseren „Camper“ in Empfang nehmen und damit über Monate durch die Gegend eiern 😉

  2. Ich verfolge Euren blog doch recht regelmäßig und muss sagen, ja, toll! Da Bernd und ich sehr gerne auch immer Land und Leute kennenlernen wollen, spricht uns das definitiv an – vielleicht nicht ganz so viel Südamerika. Aber das ist ja individuell anpassbar. Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Spaß in Down Under und tolle Erlebnisse mit Land und Leuten – aber auch mit Eurem neuen Zuhause dem „Camper“ – der Weg ist das Ziel 🙂

  3. Liebe Caro, lieber Michi,
    jetzt habt Ihr eine wirklich schöne Stadt hinter Euch, die bestimmt auch mir gefallen hätte. Aber in meinem Alter kann ich es auch genießen, wenn ich mir nur die Bilder anschaue. Ihr seid jung und ich wünsche Euch,daß Ihr alles genießt was Euch begegnet und geboten wird. Bin ja mal gespannt was Ihr alles mit dem Camper erlebt. Das wird bestimmt sehr spannend und erlebnisreich! Julia ist in Teneriffa und hat es über Weihnachten auch wärmer als wir in unserem grau im grau. Doch wir freun uns auf unsere Münchner und genießen die Zeit mit Ihnen. Euch beiden wünsche ich auf jeden Fall ein wunderschönes Weihnachtsfest wo auch immer und kommt dann gut ins neue Jahr! Wir denken an Euch und wünschen Euch auf Eurer Fahrt weiterhin viel Freude, Glück und Spaß und tolle Eindrücke!
    Seid umarmt!
    Bernadette

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.