Mittlerweile sind wir seit 36 Tagen unterwegs und haben damit schon die Hälfte der Zeit von unserem Aufenthalt in Südamerika hinter uns. Seitdem haben wir nicht nur viele Landschaften gesehen und Ausflüge gemacht, sondern auch viel Zeit in Bussen verbracht, viele Hostels von innen gesehen und in vielen verschiedenen Betten geschlafen. Anfangs hatten wir so unsere Bedenken, ob die Art und Weise wie wir in Südamerika reisen, uns nicht auf die Dauer zu anstrengend wird. Ob man nicht Müde wird vom ständigen Leben aus dem Rucksack, immer unterwegs, kurze Stopps für wenige Tage und dann gleich wieder für mehrere Stunden im Bus. Doch es funktioniert – sogar prima. Denn der Mensch ist nunmal ein Gewohnheitstier und gewöhnt sich mit der Zeit an alles, auch an einen ganz neuen Lebensstil.
Darum erzählen wir heute mal etwas davon, was bisher nur zwischen den Zeilen stand. Wie wir leben, reisen, essen und wie wir beide uns gemeinsam mit stümperhaften Spanischkenntnissen durch einen Kontinent schlagen, auf dem kaum jemand Englisch spricht.

Buspoker

Ok, es ist ein Glückspiel, doch es hilft auch die Erfahrung. Bei der Suche nach dem perfekten Platz im Bus sind wir Profis. Durch die vielen Strecken, die wir auf dem Landweg zurückgelegt haben, haben wir auch so einiges über die richtige Wahl des Sitzplatzes gelernt. Wenn wir keine festen Plätze buchen müssen, steigt Caro sofort in den Bus ein, während ich unser Gepäck einlade. So kann Caro sich schnell umsehen und die besten Plätze ergattern. Möglichst weg von der Toilette hinten und nicht zu weit in die Nähe der rauschenden Klimaanlage, die sich meist auf dem Dach im vorderen Drittel des Busses befindet. Natürlich funktioniert das nicht immer, vor allem bringt uns auch der beste Sitzplatz nichts, wenn der Gast hinter uns die komplette Fahrt über laut telefoniert.
Durch die vielen langen Fahrten im Bus relativiert sich auch das Zeitgefühl für die Reise. Sechs Stunden Busfahrt? Ein Kurztrip! Da hat man ja sogar noch was vom Tag. Und solche Strecken sind eher die Regel. Das Reisen ist aber sehr entspannt und man kommt auch relativ erholt an seinem Ziel an. Zugegeben: Die wenigsten Inhalte unseres Blogs entstehen im Bus doch kommen uns hier die meisten Ideen für unsere Beiträge. Während man in den bequemen Sitzen die vorbeiziehende Landschaft beobachtet, hat man genügend Zeit, die letzten Erlebnisse zu verarbeiten und in die richtigen Worte zu fassen. Meistens dauert dann das Schreiben des eigentlichen Blogeintrages später im Hostel nicht mehr lange – sofern die technische Infrastruktur gegeben ist.

„Sorry, WiFi is not working today“

Na klar. Das WLAN geht heute nicht bzw. nur ganz schlecht. Aber der Techniker ist schon informiert und kommt in ein paar Tagen. Diese Aussage haben wir bei der Ankunft im Hostel nicht nur einmal gehört. WLAN ist in Südamerika fast in jedem Hostel oder Restaurant verfügbar, aber oft so langsam, dass es einen in die Verzweiflung treibt. Gerade für uns ist das ein großes Problem, da wir bei der kompletten Reiseplanung vom Internet abhängig sind. Hostels buchen, Busverbindungen suchen, Stadtkarten ansehen, Wetter checken, ohne Internet läuft nichts. In Cafés gibt es oft schnelleres Internet als im Hostel, daher nutzen wir Tage mit schlechtem Wetter auch gerne dort und verbringen den Nachmittag mit der weiteren Planung bei einer Tasse Tee.
Das Schreiben unseres Blogs ist da nochmal ein ganz eigenes Kapitel, welches meinen Puls an so manchen Abenden in ungeahnte Bereiche treibt.
Ich muss gestehen: Ich bin schwer begeistert von meinem iPad obwohl ich mir noch vor Jahren geschworen hatte, nie wieder ein Apple-Produkt zu kaufen. Das kleine Tablet reicht uns als PC-Ersatz vollkommen aus, ist schön leicht und kompakt aber noch groß genug, um alle notwendigen Arbeiten damit zu machen. Trotzdem kann man sich vorstellen, dass die Pflege eines Blogs auf einem 9,7“-Display in Kombination mit einer faltbaren Bluetooth-Minitastatur und ohne irgendeine Maus etwas mühsamer ist. Besonders, wenn man dann noch hin und wieder von den Apple-typischen Besonderheiten und vor allem von schlechtem Internetzugang überrascht wird und auch der 100. Versuch scheitert, neue Bilder auf den Blog zu laden. Daher dauert es leider auch manchmal etwas länger, bis wieder ein neuer Eintrag erscheint und auch die Menge an Fotos hält sich bisher etwas in Grenzen. Wenn dann letztendlich alles Online ist und auch das erste Feedback zurückkommt, ist der ganze Ärger aber wieder vergessen.
Wenn auch das Internet nicht immer gut funktioniert, so versuchen wir zumindest die kleine Karte rechts im Blog stets aktuell zu halten. Dort könnt ihr immer sehen, wo wir gerade wirklich sind.

Prinzipiell geht uns das Unterhalten des Blogs relativ leicht von der Hand. Klar, wer viel rumkommt, kann auch viel erzählen. Daher ist es keinesfalls mühsam oder stressig für uns, neue Beiträge zu schreiben (wenn man mal von den technischen Hürden absieht). Wir freuen uns nach wie vor über das viele Feedback und dass ihr so viel Interesse zeigt. Im Oktober hatten wir im Durchschnitt über 400 Seitenaufrufe pro Tag. Ihr Verrückten!

Wieder mal kein Klopapier

Für unsere Reise haben wir ein Zielbudget vereinbart, an dem wir uns grob orientieren. Um dies einigermaßen einhalten zu können, buchen wir uns nach Möglichkeit in eher preisgünstige Unterkünfte ein. Unser Credo: Lieber dort sparen und mehr in Ausflüge investieren. Dafür nehmen wir manchmal so einiges in Kauf, woran man sich aber mit der Zeit gewöhnt. Es ist schon erstaunlich, wie man schon nach kurzer Zeit seine Ansprüche an Komfort und Hygienestandards herabsetzt, nur um eine ruhige und erholsame Nacht zu haben.
Wir hatten schon alles: Von Zimmern die so groß waren, dass gerade zwei Betten reingepasst haben, bis zum 6-Bett-Schlafsaal für uns alleine. Von durchgelegenen Matratzen, fehlendem Klopapier (ständig, sogar im privaten Badezimmer), Schimmel, kaltes Wasser, kein Wasser, keine Fenster, keine Heizung… aber IMMER mit dem selben Frühstück: Brötchen, gesalzene Butter und Marmelade. Da weiß man es dann richtig zu schätzen, wenn es doch mal Seife oder sogar Handtücher gibt. Trotzdem haben wir abgesehen von einer Ausnahme bisher keine wirklich schlechten Erfahrungen gesammelt. Außerdem macht es die Übernachtung an sich in gewisser Weise auch zu einem Erlebnis 😉

„¿Usted habla inglés?“

Die erste Frage, die wir jemanden stellen ist, ob diejenige bzw. derjenige Englisch spricht. Meistens ernten wir ein Kopfschütteln als Antwort. Englisch ist in Südamerika wirklich kaum verbreitet. Dabei ist es ganz egal, ob man mit der Dame in der Hostelrezeption oder mit dem Herrn vom Touristik-Eventanbieter spricht. Ohne Spanisch kommt man kaum weiter. Selbst am Flughafen in La Paz musste Caro schon am Infoschalter für eine Frau am Telefon dolmetschen, da der Mann hinter dem Tresen kein Englisch verstand.
Das hat aber auch seine guten Seiten: Wir sind quasi gezwungen unsere Spanischkenntnisse zu verbessern und täglich anzuwenden. Mittlerweile kommunizieren wir mit einem gut erprobten Spanglish, welches nach und nach ins Spanische übergeht. Die langen Busfahrten eignen sich gut zum lernen und irgendwie muss man ja auch den Kopf beschäftigen.

Wohin als nächstes?

Unsere Reiseroute in Südamerika besteht nur aus einer sehr groben Idee, welche wir Stück für Stück konkretisieren und umsetzen. Dabei planen wir in der Regel nicht mehr als drei Tage voraus. Bei Ankunft an einem neuen Ort reservieren wir eine Nacht im Hostel, schauen uns in Ruhe um und entscheiden dann, wie viele weitere Nächte wir bleiben und was wir unternehmen. Die Route ist dabei immer ein Kompromiss aus verfügbarer Zeit, Kosten, Wetter und der Frage nach einer sinnvollen Verbindung zu unserem nächsten Wunschziel. Manchmal zwingen uns die Umstände dazu, dass wir den ursprünglichen Plan verwerfen. Dann heißt es, neue Infos sammeln, Kalender checken und neu planen. Bisher fahren wir damit ziemlich gut.
Als Team meistern wir das alles ziemlich perfekt und ergänzen uns prima gegenseitig, da wir auf unterschiedliche Weise an die Planung herangehen. Das sorgt zwar auch für einige Diskussionen, doch am Ende landen wir immer irgendwie auf einem grünen Zweig.

Mal sehen wo es uns als nächstes hintreibt…

5 Replies to “Zwischen den Zeilen – der Blog aus dem Bus”

  1. Hey ihr zwei,
    wahnsinn, wie die Zeit vergeht… Ich freu mich, dass es euch gut geht und ihr so viel erlebt. Die skurrilsten Dinge geben die besten Geschichten und bleiben am längsten in Erinnerung 🙂 Genießt einfach alles! Liebe Grüße aus dem kalten und verregneten Berlin

    1. Danke für die lieben Worte! So sehen wir das auch. Macht es genauso und genießt die schöne Vorweihnachtszeit bei Plätzchen und Glühwein! Das fehlt uns hier leider komplett. Liebe Grüße!

  2. Hallo ihr Lieben,
    schön so einen detaillierten Eindruck eurer Reise zu bekommen. Ich verfolge ja mit Spannung euren Blog und freue mich immer auf neue Beiträge von Euch. Ihr schreibt so schön, man kann sich richtig gut hineinversetzen, was ihr grade erlebt. Ich schaue fast täglich wo ihr zwei euch grade befindet. Heute hat es das erste Mal bei uns geschneit und ich bin gespannt wie ihr die vorweihnachtliche Zeit auf eurer Reise verbringt. Ganz liebe Grüße von uns dreien.

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