Um Himmels willen, wo rennt denn bloß die Zeit hin? Da sind wir eben noch in Melbourne zum ersten Mal auf australischem Boden gelandet und nun, knapp zweieinhalb Monate später, ist unsere Reise durch Down Under schon fast wieder vorbei. 

Vielleicht liegt es daran, dass wir uns in all den Wochen trotz ständiger Ortswechsel eine derart gute Routine aufgebaut haben, dass das Leben in unserem kleinen Camper schon zum gewöhnlichen Alltag geworden ist. Vor unserer Reise haben wir uns immer auf diesen Part gefreut. Ein Leben im Auto, ständig auf Achse. Klingt romantisch für ein paar Tage. Aber so lange? Ein etwas ungutes Gefühl ist immer mitgeschwungen, mit der Frage, ob wir denn so lange in und aus unserem Wagen leben können. Heute wissen wir: Ja, es geht, sogar ziemlich gut. Es wird mal wieder Zeit, dass wir ein bisschen über das plaudern, was in den letzten Blogeinträgen nur zwischen den Zeilen zu lesen war. Wie wir leben, reisen, essen, wie uns die Australier begegnen und wie sie reagieren, wenn man ihnen mit dem Auto auf der falschen Straßenseite entgegenfährt…

Unser Jucy — hate it or love it!

Im Grunde mögen wir ihn ja, unseren kleinen Jucy-Camper. Er ist etwas hässlich, aber dafür kann er ja nichts. Außerdem wussten wir das vorher. Zwar fahren in Australien wirklich viele Mietcamper auf den Straßen herum, aber nur wenige sind so derart auffällig, wie die von Jucy. Es hat auf jeden Fall schon mal einen Vorteil: Man findet sein Fahrzeug sofort auf dem Parkplatz. 😉

Die Tatsache, dass wir sofort als Touristen auf den Straßen erkannt werden, hat nicht immer positive Folgen. Trotz all dem Respekt, mit dem sich die Autofahrer begegnen (kein Vergleich zu Deutschland), wird man doch im Straßenverkehr gelegentlich unterschätzt, was dann auch schnell zu Empörung ausartet. Unser Jucy mag nicht der Schnellste sein, in einem Land, das als Höchstgeschwindigkeit 110 km/h erlaubt, kommen wir trotzdem ganz gut mit. Die meisten Leute sind aber sehr freundlich, winken uns aus ihrem Auto heraus zu oder heben den Daumen. Nur selten erntet man ein herablassendes Lächseln und einmal hat sogar ein Fahrer angedeutet, sich aus seinem Auto zu übergeben.

Andere Reisende sind ziemlich beeindruckt davon, wie durchdacht der kleine Jucy ist. Letztendlich fehlt uns nicht mehr, als in einem der gewöhnlichen Hochdachbusse, die viel häufiger auf Australiens Straßen zu finden sind. Wir haben nur weniger Platz. Im Kofferraum befindet sich unsere Küche mit Kühlschrank, Gaskocher, Spüle und Stauraum für Geschirr. Im Laufe der Zeit haben wir unsere Ausstattung noch etwas erweitert und besitzen einen zweiten Gaskocher, zwei Pfannen und — ganz wichtig — einen Kaffeezubereiter. Auf ein bisschen Luxus möchte man für so lange Zeit nicht verzichten.

Der Bereich hinter den Frontsitzen wurde von Jucy umgebaut, sodass man zusammen mit der Rücksitzbank zwei Sitzbänke hat und theoretisch sogar eine Tischplatte dazwischen montieren kann. Wir nutzen das nie. Der hintere Bereich unseres Wagens ist voll mit unserem Gepäck. Campingtisch und Stühle, Schuhe, Packsäcke, Wasserkanister und viel anderer Kram stapelt sich im hinteren Teil, der erstmal komplett ausgeräumt werden muss, wenn wir unser Bett aufbauen wollen. Dafür schieben wir die Fronsitze ganz nach vorne und Kippen auch die Lehne in Richtung Amaturenbrett. Erst dann lässt sich aus den hinteren beiden Sitzbänken eine Liegefläche bauen und darunter wird wieder unser ganzes Gepäck verstaut. Immer, wirklich immer, wenn wir mit unserem Wagen auch nur ein kurzes Stück fahren wollen, müssen wir alles wieder zurückbauen. Anfangs hat das noch ziemlich viel Zeit gekostet, doch mittlerweile sind wir darin so routiniert, dass es selbst spät am Abend bei völliger Dunkelheit nur wenige Minuten dauert.

Für den Kühlschrank haben wir eine Zweitbatterie, deren Lebensdauer von den Solarzellen auf dem Autodach verlängert werden soll. Wir können damit unsere Speisen etwa zehn bis zwölf Stunden kühl halten, bevor wir wieder mit dem Auto fahren müssen, um unsere Batterie aufzuladen. Oftmals gibt es auf Campingplätzen aber auch eine Küche mit Kühlschrank. Das macht es für uns wesentlich einfacher, falls wir mal ein paar Nächte an einem Ort bleiben.

Insgesamt sind wir absolut zufrieden mit unserem kleinen Camper und falls man auf der Straße mal einem anderen Fahrzeug in grün/lila mit den fetten Aufklebern begegnet, so grüßt man sich. Ist doch klar! Jucy-Fahrer sind sowieso die Allercoolsten!

Katzenwäsche auf der öffentlichen Toilette

Camping in Australien ist absolut easy! Zwar ist es je nach Bundesstaat mehr oder weniger strikt verboten, sein Fahrzeug einfach irgendwo abzustellen, allerdings gibt es so viele gut ausgestattete Campingplätze, dass man fast immer etwas Passendes findet. Das reicht vom Luxus-Caravanpark mit eigenem Schimmbad und Meerblick, bis hin zur einfachen Waldlichtung mit Plumpsklo. Wir sind gerne auf kostenlosen Stellplätzen unterwegs, die dann ausstattungsmäßig eher in Richtung Plumpsklo gehen, dafür kommt man dort auch prima mit anderen Reisenden ins Gespräch und hat gemeinsam einen schönen Abend. Und es kostet natürlich nichts. 🙂 Duschen sucht man dort meistens vergeblich, doch auch das ist bei der Infrastruktur in Australien überhaupt kein Problem. Es gibt so viele Parks mit öffentlichen Toiletten und Duschen, gerade direkt an der Strandpromenade. Und falls nicht, so tut es auch mal einfach der Sprung ins Meer oder eine Katzenwäsche. Generell sind die öffentlichen Einrichtungen in Australien so dermaßen sauber, dass man dazu geneigt ist, dass Waschbecken nach der Benutzung nachzuwischen.

Nudel mit Soße? Von wegen!

Unser Kofferraum, der quasi die Küche darstellt, ist ganz ok aber nicht optimal. Das kleine Waschbecken mit Pumphahn nutzen wir fast nie, sondern haben eine eigene Waschschüssel, die wir über einen Kanister befüllen. Geht einfach schneller. Der Kühlschrank ist etwas zu klein geraten, weshalb wir fast täglich einkaufen müssen, wenn wir wirklich etwas Frisches zubereiten möchten. Und von Nudel mit Soße sind wir schon lange weg. Es erfordert etwas Kreativität, wenn man nur mit zwei Pfannen, einem Topf und zwei Gaskochern bestückt ist, aber uns fällt doch immer wieder ein gutes Rezept ein. Das Schönste ist jedoch, dass wir hier in Australien wieder an ein halbwegs gutes Schwarzbrot rankommen. Kostet zwar ein halbes Vermögen, doch dafür gibt es bei uns des Öfteren mal eine gute deutsche Brotzeit. Ideal als Mittagssnack am Strand oder auf dem Rastplatz am Highway, wenn wir mal wieder länger im Auto sitzen. Ach, wie haben wir das in Südamerika vermisst… 🙂

Ansonsten wird man mit der Zeit immer kreativer, was neue Gerichte angeht. Schön ist vor allem, dass fast alles, was man im Supermarkt an  Fleisch, Obst und Gemüse kaufen kann, auch direkt aus Australien kommt und einfach genial schmeckt. Besonders der fangfrische Fisch. Ich glaube wir haben uns selten so lange so dermaßen gesund ernährt, wie wir es hier in Australien tun. Wir zelebrieren es aber auch ein bisschen. Während andere um uns herum zum Frühstück schnell ihren Instantkaffee herunterschütten, kochen wir uns ein leckeres Porridge oder Müsli mit frischen Früchten. Wir haben ja keine Eile…

Die Gefahr lauert im Klohäuschen

In Sydney hatten wir mal ein Buch in der Hand, mit einer Beschreibung aller giftigen und potentiell tödlichen Tiere, die auf dem australischen Kontinent beheimatet sind. Von der Schlange bis zur Qualle, von der Spinne bis zum Steinfisch. Das Buch war dick. Und andere ungiftige Tiere, wie zum Beispiel Haie oder Krokodile waren noch gar nicht erwähnt. Nach dem Motto „Kenne den Feind“, haben wir interessiert in dem Buch geblättert, doch je mehr man darüber liest, desto unbehaglicher fühlt man sich. Von Schlangen, deren Biss tödlich endet, wenn man nicht binnen einer halben Stunde ein Gegengift bekommt. Schwer umzusetzen, wenn man gerade irgendwo durch den australischen Busch wandert. Oder von aggressiven Spinnen, die einen sogar anspringen können. Ja, es gibt ein paar echt blöde Viecher hier, aber um sich beim Camping, dass ja weitestgehend im Freien stattfindet, nicht komplett verrückt zu machen, muss man das Ganze etwas objektiver betrachten. 

Etwa 24 Millionen Menschen leben in Australien, dazu kommen jede Menge Touristen, die quer durch den Kontinent reisen. Dass es tatsächlich zu Angriffen von Tieren auf den Mensch, besonders mit Todesfolge, kommt, ist verschwindend gering. Die meisten Tiere versuchen, den Menschen zu meiden und wenn man ein paar einfache Regeln befolgt, dann kommt man auch prima zurecht:

– Beim Wandern haben wir immer Stöcke dabei. Wir klopfen damit den Boden ab und verscheuchen somit Schlangen, welche die Vibrationen spüren und verschwinden. Außerdem lassen sich damit gut Spinnenweben entfernen, die über den Weg gespannt sind. Lange Hosen tragen wir im Busch auch, egal wie heiß es ist.

– Die Inspektion der Klohäuser auf einem Campingplatz ist für uns die allererste Handlung, wenn wir unser Fahrzeug für die Nacht abstellen. Die meist offen gebauten Häuser sind Tummelplatz für viele Geckos, aber auch riesigen Spinnen und dicken Kröten, die gerne mal in der Kloschüssel sitzen. Wenn uns der Zustand nicht passt, fahren wir lieber noch etwas weiter. Wer einmal nachts in totaler Dunkelheit auf so ein Klo musste, will es nie wieder müssen. 😉

– Apropos Dunkelheit: Weiter nördlich an der Ostküste geht die Sonne schon um kurz nach 18 Uhr unter. Sobald es dunkel wird, tragen wir Stirnlampen – egal wie kurz der Weg ist. Man sollte immer sehen, wohin man seinen nächsten Schritt setzt.

– Im australischen Sommer ist es absolut nicht möglich, mit geschlossenen Fenstern im Auto zu schlafen. Um in der Nacht von den lästigen Mosquitos in Ruhe gelassen zu werden, haben wir deshalb ein Netz über unser Bett gespannt. Das hilft zwar gegen die nervigen Fliegen, verhindert aber nicht, dass allerhand anders Getier ins Auto krabbelt. Etwas Fliegengitter aus dem Baumarkt, das wir mit Wäschklammern am Fensterrahmen befestigen, schafft hier Abhilfe.

– Unser Eindruck ist, dass die Australier ein sehr ängstliches Volk sind, dass es mit Warnungen und Hinweisen gerne übertreibt. Auf Schildern am Highway, ja selbst im Radio kommen ständig Aufrufe, dass man doch bitte den Tag überleben soll. Fahr vorsichtig! Mach regelmäßig Pausen während der Fahrt! Gehe nicht betrunken ins Meer! Ziehe einen Zaun um deinen Swimmingpool! Erschrecke nicht vor dem Zug, der neben dem Highway fährt! Teilweise etwas irrsinnig, aber: Wenn an irgendwelchen Seen vor Krokodilen oder im Meer vor Quallen gewarnt wird, dann geht man da auch wirklich besser nicht ins Wasser!

Bei den freundlichsten Leuten der Welt

Wir stehen gerade in einem kleinen Ort an der Tankstelle und füllen Sprit nach. Der Ort wirkt wie ausgestorben. Neben dem kleinen Tankhäuschen sitzen zwei Arbeiter, die gerade Mittagspause machen. Während wir den Wagen betanken, kommt einer der beiden auf uns zu und fragt interessiert, woher wir kommen und wohin wir noch reisen. Er gibt uns noch ein paar Tipps für die weitere Reise, bedankt sich für das nette Gespräch und verabschiedet sich mit Handschlag, ehe er sich wieder zu seinem Kollegen setzt. Wir müssen zugeben, dass wir anfangs etwas misstrauisch waren aber, tja, die Leute sind hier eben einfach so. Denn das war bei weitem nicht das einzige Mal, dass uns Menschen so offen und interessiert begegnet sind. Und dabei ist es völlig egal, wo man sich gerade befindet, ob im Norden oder im Süden, ob an der Küste oder im Landesinneren. Trotz der vielen Reisenden hier sind die Leute immer interessiert, begegnen uns höflich und respektvoll. Die Menschen hier suchen das Gespräch, sind neugierig auf unsere Geschichte und geben gerne hilfreiche Tipps. Da endet der kurze Plausch in der Campingküche auch gerne mal in einem abendfüllenden Gespräch über Gott und die Welt. Wo immer wir sind, man fühlt sich willkommen.

Es braucht schon viel, um einen Australier zu verärgern. Zum Beispiel wenn man mit dem Auto auf der falschen Straßenseite fährt, was schonmal intuitiv passiert, wenn man auf eine leere Straße abbiegt und konzentriert auf der Suche nach der Einfahrt zum Campingplatz ist. Der Schock kommt erst, wenn man den Geländewagen mit Lichthupe auf sich zufahren sieht. Mit zerknirschtem Lächeln heben wir entschuldigend die Hand aber die Reaktionen sind dann meist nicht ganz so nett. Da hilft auch der Touristenbonus nicht. 😉

One Reply to “Zwischen den Zeilen – Der Blog aus dem Camper”

  1. Hab endlich mal wieder Zeit gefunden, euren Blog zu lesen. 🙂 Das klingt alles so wunderbar, was ihr erlebt und ich freue mich riesig für euch. Ich finde euren Jucy Camper sehr hübsch! Viele Grüße von Tonja, Christian und Miriam 🙂

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